Seiten

Posts mit dem Label Weltliteratur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Weltliteratur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 9. Dezember 2011

Adaobi Tricia Nwaubani - I Do Not Come to You by Chance

deutscher Titel: Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy


Auf meiner literarischen Weltreise habe ich mich vor kurzem nach Nigeria begeben und einen sehr interessanten Roman über Scammer gelesen. Jeder hat wohl schon einmal eine E-Mail bekommen, in der man in schlechtem Englisch um Hilfe gebeten wird. Man wird gebeten, bei einem Millionentransfer zu helfen und als Belohnung winkt ein dicker Anteil an eben diesem Geld. Wenn man auf dieses Angebot eingeht, muss man allerdings erst größere Beträge für den Verwaltungsaufwand ausgeben. Und ich muss wohl niemandem erklären, dass man von den versprochenen Millionen nie etwas zu sehen bekommen wird.

Dieser Roman erzählt von dem Nigerianer Kingsley, der wie seine Eltern ein Studium an der Universität abgeschlossen hat und trotz allem keine Arbeit finden kann. Jede Bewerbung wird abgewiesen, seine Freundin trennt sich von ihm und schließlich wird auch noch der Vater schwer krank. In dieser Notsituation wendet Kingsley sich an seinen reichen Onkel Cash Daddy, der sein Geld durch Betrug verdient.

Adaobi Tricia Nwaubani zeichnet hier kein sehr positives Bild von Nigeria und mehr als einmal muss man sich fragen, ob das Leben dort wirklich so schlimm sein kann. Ein Gesundheitssystem ist praktisch nicht vorhanden, selbst mit einem Universitätsabschluss kann man nicht genug Geld für seine Familie finden, Frauen können sich nicht erlauben, aus Liebe zu heiraten, sondern müssen in erster Linie auf finanzielle Absicherung schauen. Und trotzdem ist das Buch nicht in erster Linie bedrückend oder traurig. Eigentlich fand ich es sogar sehr unterhaltsam und stellenweise witzig. Nur wenn man eben über das Buch hinaus denkt und sich die Situation genauer vor Augen führt, werden einem die Schrecken richtig bewusst.

Ich habe jedenfalls viel aus diesem Buch gelernt und sehe diese E-Mail-Betrüger jetzt auch in einem anderen Licht. Natürlich ist es nach wie vor ein Verbrechen, was sie da machen, andererseits ist es für die Betrüger oft der einzige Weg, sich aus dem Elend zu retten und etwas Geld für sich und die Familie zu verdienen. Sehr schön fand ich im Buch auch, dass die reich gewordenen Betrüger ihr Geld nicht ausschließlich für sich selbst behalten, sondern ihre Verwandten und Freunde in allen Notlagen unterstützen.

Sehr interessant und lehrreich war für mich auch die Leserunde zu dem Buch, an der ich teilgenommen habe. Die Diskussionen und das Hintergrundwissen einer Teilnehmerin haben viel dazu beigetragen, dass ich Spaß mit diesem Buch hatte.

Montag, 22. August 2011

Vikram Seth - Zwei Leben


Schon vor zwei Wochen habe ich dieses Buch beendet, aber ich musste das Gelesene erst etwas sacken lassen, bevor ich jetzt meine Meinung formulieren kann.

Vikram Seth erzählt in diesem Buch die Geschichte seines Onkels Shanti und seiner Tante Henny, bei denen er als Jugendlicher längere Zeit wohnte und zu denen er so lange sie lebten eine ganz besondere Bindung hatte. Er beginnt die Geschichte mit seinen persönlichen Erfahrungen und beschreibt im ersten Teil seine Zeit mit Henny und Shanti. Mit Hilfe von Interviews mit Shanti und einem Koffer voll Korrespondenz von Henny rekonstruiert er das Leben der beiden und lässt auch viele eigene Erinnerungen einfließen.

Ich bin noch immer sehr zwiegespalten, wie ich das Buch denn nun fand. Einerseits finde ich es auch mal ganz interessant, über reale Personen zu lesen und nicht über Figuren, die nur der Fantasie des Autors entsrpingen. Andererseits müssen diese realen Personen dann auch irgendwie besonders sein, so dass es sich lohnt, über sie zu schreiben. Dieser Punkt ist für mich bei Henny und Shanti nicht ganz erfüllt. Jedes Menschenleben liefert sicherlich Erzählenswertes und wenn diese Menschen dann auch noch den zweiten Weltkrieg durchlebt haben - Henny sogar als Jüdin - gibt es wohl auch genug Stoff für ein Buch. Allerdings sind mir diese doch ganz normalen und durchschnittlichen Leben zu ausführlich erzählt.

Gerade der dritte Teil, der sich um Hennys Leben dreht und zusätzlich der ausführlichste der fünf Teile ist, konnte mich einfach nicht fesseln und kein übermäßiges Interesse in mir wecken. Da Henny schon tot war, als Vikram Seth den Entschluss fasste, ein Buch über die beiden zu schreiben, blieb ihm nur ihre Korrespondenz mit diversen Personen, um ihr Leben zu rekonstruieren. Viele Briefe sind komplett im Buch enthalten, der Autor gibt vorher aber oft noch eine kurze Zusammenfassung ab oder greift die wichtigsten Punkte heraus, so dass es fast überflüssig ist, die Briefe selbst noch zu lesen. Zusätzlich springt er oft in der Zeit und zwischen den verschiedenen Briefeschreibern hin und her, so dass alles etwas verwirrend ist.

Da ich kein Fan bin von Literatur, die vom zweiten Weltkrieg handelt, hat mir der Krieg in diesem Buch auch einmal mehr zu viel Raum eingenommen. Ich kann verstehen, dass dieser Krieg auf alle Personen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelebt haben, einen großen Einfluss hatte. Allerdings muss man dann nicht in so einem Buch, das ja von realen Geschehnissen handelt,  Ereignisse in den dunkelsten Farben ausmalen, von denen niemand wissen kann, wie sie wirklich passiert sind. Das Leben in einem KZ und die Judenverfolgung wurden von anderen Autoren in anderen Büchern schon oft genug beschrieben, als dass man sie auch hier nochmal so in den Mittelpunkt stellen müsste. Das ist zumindest meine Meinung, da mir die Thematik langsam wirklich zu viel wird, vor allem, wenn man bei einem Buch gar nicht damit rechnet.

Die Beziehung zwischen Henny und Shanti ist noch so ein Punkt, von dem ich nicht so ganz weiß, wie ich über ihn denken soll. Einerseits kann man in Personen nicht hineinschauen und im Nachhinein auch schlecht beurteilen, wie ihre Gefühle zueinander waren. Andererseits habe ich beim Lesen mehr und mehr den Eindruck gewonnen, dass es sich - zumindest auf Hennys Seite - nur um eine Zweckehe handelte, da einfach sonst niemand aus ihrem Bekanntenkreis mehr da war. Wenn dieses Buch dann als "große Liebesgeschichte, die ein Jahrhundert umspannt" beworben wird, fühle ich mich als Leser etwas betrogen, da die große Liebe für mich nicht zu spüren war.

Positiv ist natürlich die schöne Aufmachung des Buches. Ich habe das Hardcover gelesen und da ist schon allein das Cover ein Highlight. Es ist ein kleines "Fenster" hineingeschnitten, durch das man ein Foto von Shanti und Henny sehen kann, das auf dem Vorsatzpapier aufgedruckt ist. Außerdem sind mehrere Fotos enthalten und einige Briefe oder Dokumente sind im Original abgedruckt.

Abschließend lässt sich auch noch sagen, dass Vikram Seth sicherlich ein beeindruckender Autor ist. Sprachlich ist das Buch sehr ansprechend und ich kann mir gut vorstellen, dass ein anderer Roman von ihm mich mehr überzeugen würde als Zwei Leben.

Für ein Buch, bei dem ich einige Passagen nur überflogen habe, andere dafür sehr gerne gelesen habe und das mich auch sicher nachhaltig beschäftigen wird, vergebe ich

Montag, 15. August 2011

Sumaya Farhat-Naser - Thymian und Steine


Sumaya Farhat-Naser wurde 1948 in Birseit bei Jerusalem geboren. In diesem Buch berichtet sie von ihrem Leben, ihrer Kindheit in armen Verhältnissen, ihrem Studium in Deutschland, der Rückkehr nach Birseit und dem Leben unter israelischer Besatzung. Sie hat viel zu erzählen und hätte mit ihren Erlebnissen gut und gerne ein Buch mit der doppelten Seitenzahl füllen können.

Gerade die Kindheit und Jugendzeit sind sehr interessant, werden aber recht kurz abgehandelt. Auch über das Leben einer palästinensischen Studentin in Deutschland hätte ich gerne mehr gelesen. Es gibt nur wenige kurze Kommentare darüber, wie Frau Farhat-Naser sich in Deutschland zurechtfand und den Unterschied zu ihrem Heimatland empfand. Aber natürlich sind diese Erfahrungen nur das Vorgeplänkel für die wirklich wichtigen Dinge und das eigentliche Thema des Buches.

Sumaya Farhat-Naser kehrte nach ihrem Studium zurück nach Birseit, wo sie lange Jahre an der Universität unterrichtete. Sie erzählt von der israelischen Besatzung, ihrem Leben als "Mensch zweiter Klasse" fast ohne Rechte. Es ist bewundernswert, wie sie sich trotz allem immer für die palästinensische Sache engagierte und die Tatsache ausnutzte, dass Frauen nicht als politische Bedrohung angesehen wurden und sich somit mehr erlauben konnten, als Männer. Sie organisierte Begegnungen zwischen israelischen und palästinensischen Frauen und war lange Zeit Leiterin des palästinensischen Jerusalem Center for Women. Sie erzählt von ihren Erfahrungen, den Gefahren, die sie sich aussetzt und auch vom alltäglichen Leben.

Für mich war es sehr interessant, auch einmal die andere Seite der Geschichte zu sehen. Wenn man sich nicht weiter mit der Thematik beschäftigt, könnte man nur zu leicht den Eindruck bekommen, die Israelis wären "die Guten" und die Palästinenser nur ein Volk von gewaltbereiten Terroristen. Mir hat Sumaya Farhat-Naser damals 2002 bei einem Besuch in meiner damaligen Schule schon die Augen geöffnet, dass es auch immer eine andere Seite mit einer anderen Meinung gibt und durch dieses Buch konnte ich mich jetzt noch umfassender informieren.

Es gibt einen sehr aufschlussreichen und ausführlichen Anhang, in dem die Geschichte der Palästinensischen Autonomiegebiete noch einmal kurz zusammengefasst wird. Thymian und Steine ist ein wirklich lesenswertes Buch über eine bewundernswerte Frau!
 

Montag, 18. Juli 2011

Sia Figiel - Alofa


Im Rahmen meiner literarischen Weltreise habe ich mich diesmal nach Samoa begeben und dort das junge Mädchen Alofa kennengelernt. Sie ist gefangen in einer Welt voller Zwänge und Verbote und steckt zusätzlich mitten in der Pubertät. Allerdings handelt es sich nicht um einen Roman, in dem man Alofas Geschichte verfolgen könnte, sondern um einige Episoden, die nur lose durch ihren Bezug zu Alofa zusammenhängen. Ein Gesamtbild über sie, ihre Familie, ihr Dorf und Samoa ergibt sich erst ganz am Ende, wenn man sich die Mühe macht, die einzelnen Bruchstücke an Informationen für sich selbst zusammenzusetzen.

Der Autorin war es anscheinend sehr wichtig, viele samoanische Begriffe im Buch zu verwenden. Diese kann man zwar in einer Wörterliste nachschlagen, aber gerade am Anfang kam ich aus dem Blättern nicht mehr heraus und habe trotzdem einige Wörter und Sätze nicht verstanden. Dadurch und durch die vielen Namen der Dorfbewohner und ihre teilweise komplizierten Beziehungen untereinander fällt der Einstieg in dieses Buch nicht leicht. Man muss sich erst einmal sprachlich zurechtfinden, bevor man damit anfangen kann, die Geschichte zu verstehen.

Und genau da setzt mein nächster Kritikpunkt an: Es gibt keine durchgängige Geschichte, keinen roten Faden. Die einzelnen Kapitel sind sehr unterschiedlich bezüglich Umfang, Stil und Thema. Oft geht es um die Probleme Alofas und ihrer ebenfalls pubertären Freundinnen, die für den erwachsenen Leser wenig interessant sein dürften. Teilweise werden dann auch noch samoanische Mythen vermischt mit realen Handlungen. Da ich diese Mythen nicht im Detail kenne, fand ich diese Passagen sehr verwirrend und konnte der Geschichte irgendwann nicht mehr folgen. Einzelne Kapitel waren zwar durchaus interessant und ansprechend, aber da mir der Zusammenhang zum restlichen Buch fehlte, konnten sie meine eher negative Meinung auch nicht mehr ändern.

Auch stilistisch ist dieses Buch eine bunte Mischung. Verschiedene Textarten reihen sich aneinander, ohne dass ein Grund für diesen Wechsel ersichtlich wäre. Ich hätte mir bei diesem Buch allgemein eine etwas klarere Linie erhofft, da sich so für mich einfach kein homogenes Bild ergibt und ich nach der Lektüre kaum mehr über Samoa weiß als vorher.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Gaile Parkin - Baking Cakes in Kigali

deutscher Titel: Kuchen backen in Kigali

In Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, lebt und arbeitet Angel, die beruflich Kuchen backt und sich auch gerne bei einer Tasse Tee die Probleme ihrer Kunden anhört. Dadurch erfährt man viel über das alltägliche Leben der Bewohner Kigalis, aber auch über die Vergangenheit Ruandas und ein Problem, dass sich nicht örtlich eingrenzen lässt: Aids. 

Das Buch ist eher episodenhaft, in jedem Kapitel kommt ein neuer Kunde mit einer neuen Geschichte oder einem Problem zu Angel. Doch einige Personen trifft man in späteren Kapiteln wieder, erfährt, wie ihre Geschichte ausgegangen ist oder weiterging und auch Angel selbst und ihre Probleme treten immer wieder in den Vordergrund und entwickeln sich weiter.

Die Sprache ist einfach, teilweise sogar gewöhnungsbedürftig "falsch", doch ich denke, dass dies als Stilmittel genutzt wird, um dem Leser zu zeigen, wie Angel und ihre Kunden wirklich sprechen. Für mich wirkten die Erzählungen dadurch noch authentischer. Als unangenehm oder anstrengend zu lesen habe ich es nach einer kurzen Eingewöhnungszeit nicht mehr empfunden.

Gaile Parkin hat mir mit ihrem Buch viel über Ruanda und auch Afrika allgemein beigebracht. Ihr gelingt es, dem Leser die Probleme und alltäglichen Sorgen von ganz normalen Menschen näher zu bringen und zu zeigen, wie das Leben in einem weit entfernten Land abläuft. Definitiv ein empfehlenswertes Buch für Leser, die sich für Afrika oder allgemein andere Kulturen interessieren!

Samstag, 9. April 2011

Catalin Dorian Florescu - Jacob beschließt zu lieben


Alles fing damit an, dass Jakob während eines Sturms in das kleine Dorf im rumänischen Banat kam um die reiche Elsa Obertin zu heiraten. Sein Sohn Jacob erzählt in Rückblenden die Geschichten des Vaters und anderer Vorfahren, die eng mit seiner eigenen Lebensgeschichte verwoben sind.

Man darf sich nicht vom Titel täuschen lassen, Liebe spielt in diesem Roman nur eine sehr kleine Rolle. Positive Emotionen gibt es allgemein kaum in dieser Welt, die Catalin Dorian Florescu uns da vorsetzt. So gibt es auch die Liebe nur in ihren negativen Formen, nämlich als unerfüllte oder verlorene Liebe. Gerade diese negative Grundstimmung hat es mir am Anfang sehr schwer gemacht, dieses Buch zu lesen. Jeder positive Sonnenstrahl wird sofort von einer großen dunklen Gewitterwolke der Hoffnungslosigkeit überdeckt, es gibt Verrat, Hass und Leid und das ist als Leser etwas schwer zu ertragen.

Eigentlich ist das Buch allerdings sehr interessant, beschreibt es doch immer und immer wieder die Suche nach Identität und Heimat. Volksgruppen, die ihre Heimat aufgrund von Krieg, Verfolgung oder Armut aufgeben müssen und versuchen, wo anders neu anzufangen, nur um dann festzustellen, dass es auch in der Fremde nicht besser ist, gab es in der Geschichte schon viele. Und auch in diesem Buch ist es eigentlich nicht so wichtig, zu wissen, wer gerade aus welchen Gründen aus seiner Heimat in ein neues Leben flieht.

Die rumänische Geschichte ist durchaus interessant und dieser Roman hat mich dazu angeregt, mich näher damit zu beschäftigen. Für das Verständnis sind genaue Kenntnisse aber zweitrangig. Viel mehr als geschichtliche Hintergründe stehen Einzelschicksale im Vordergrund und im Mittelpunkt immer wieder die Familie Obertin, deren Geschichte sich in einem Kreislauf aus Flucht und Vertreibung wiederholt.

Gegen Ende hat mich dieser Familienepos immer mehr gefesselt und ich bin froh, dass ich das Buch gelesen habe, auch wenn es insgesamt etwas gemischte Gefühle bei mir zurücklässt. 

Donnerstag, 24. Februar 2011

Hwang Sok-yong - Die Geschichte des Herrn Han



Als 1950 der Koreakrieg ausbricht, arbeitet Han Yongdok als Gynäkologe in einem Krankenhaus in Pjöngjang. Fast alle Kollegen werden zum Militär einberufen, Han wird allerdings an ein anderes Krankenhaus versetzt. Dort werden mit den wenigen vorhandenen Medikamenten und Arbeitskräften nur Parteimitglieder behandelt. Han widersetzt sich und operiert ein junges Mädchen, wird aber erwischt und landet im Gefängnis. Eine Erschießung überlebt er leicht verletzt. Er flieht ohne Familie in den Süden des Landes und fängt dort, so gut es geht, ein neues Leben an. Jahre später stirbt er einsam und verarmt in Seoul.

Ganz nüchtern, fast wie ein Bericht wird die Geschichte von Herrn Han erzählt. Manchmal war mir das fast ein bisschen zu distanziert, an anderen Stellen war ich aber froh, dass nicht genauer auf die Gefühle und Gedanken eingegangen, sondern alles nur "von außen" beschrieben wird. Auf Folter und grausame Verhörmethoden, die detailliert ausgeführt werden, kann ich nämlich sehr gut verzichten.

Die Geschichte von Herrn Han ist nicht sehr spezifisch koreanisch. Einerseits fand ich das gut, da der Machtmissbrauch des Regimes und die Versuche, Kritik oder Andersdenken sofort im Keim zu ersticken, sicher auch in vielen anderen Ländern und zu anderen Zeiten so vorkommen oder vorgekommen sind.  Andererseits hätte ich mir doch gewünscht, etwas mehr über die Konflikte zwischen Nord- und Südkorea zu erfahren.

Insgesamt aber ein sehr interessantes und lesenswertes Buch!

Gelesen habe ich dieses Buch im Rahmen meiner literarischen Weltreise für Südkorea. Nun fehlt mir noch ein Buch aus Nordkorea, hat jemand einen Tipp für mich?

Donnerstag, 16. Dezember 2010

José Eduardo Agualusa - Die Frauen meines Vaters


Der berühmte angolanische Musiker Faustino Manso ist gestorben. Als Laurentina, die in Portugal lebt, erfährt, dass sie seine Tochter ist und außerdem viele Halbgeschwister hat, macht sie sich auf die Reise, um ihrem Vater näher zu kommen.

In diesem Buch begleiten wir zwei Reisen, eine fiktive und eine - zumindest halbwegs - reale durch das südliche Afrika. Am Anfang wechselt Agualusa noch recht häufig zwischen den beiden Reisen, später verschwimmt die Grenze immer mehr und man weiß nicht mehr, was Fiktion und was Realität ist. Auch der Ich-Erzähler wechselt mit jedem Kapitel, was gerade am Anfang, wenn man die Personen noch nicht so gut kennt, sehr verwirrend ist.
Am Anfang hat mir das sehr schnell die Lust am Buch genommen, ich musste mich dazu zwingen, immer mal wieder ein Kapitel zu lesen. Aber gegen Ende, als ich dann auch längere Zeit am Stück in dem Buch lesen konnte, wurde es immer besser. Wer hier eine einzige Geschichte erwartet, die geradlinig erzählt wird, wird vermutlich enttäuscht sein. Das Buch erzählt sehr viele Geschichte und das Gesamtbild am Ende muss man sich Stück für Stück selbst zusammenpuzzeln.

Leider ist mir auch am Ende verborgen geblieben, warum Agualusa die reale Reise mit in das Buch aufgenommen hat. Am Anfang ist das zwar noch interessant, da man einige Parallelen ziehen kann, später ist die reale Reise nur noch überflüssig und trägt dazu bei, dass man irgendwann den Überblick verliert. Außerdem denke ich, dass einige Personen und Themen weniger dem Buch gut getan hätten.

Insgesamt hat mir das Buch aber nach den Startschwierigkeiten schon gefallen. Es war sehr interessant, mit Agualusa und seiner fiktiven Reisegruppe durch das südliche Afrika zu reisen und die Personen auf ihrer Suche begleiten zu dürfen. Man hätte aus der Geschichte aber trotzdem mehr machen können, wenn man ein kleines bisschen unnötigen Ballast weggelassen hätte.
sheep.gif von 123gif.desheep.gif von 123gif.desheep.gif von 123gif.de

Antonio Skármeta - Der Dieb und die Tänzerin


Klappentext:
Ángel träumt von der schönen Tänzerin Victoria, Vergara Grey von der Versöhnung mit seiner Familie. Aber noch teilen sie ein Geheimnis, das sie schicksalhaft miteinander verbindet: Nur sie kennen das Versteck des Schatzes von Pinochets Geheimpolizei. Dabei ahnen sie nicht, daß ihnen jemand folgt, der einen mörderischen Auftrag zu erfüllen hat. Antonio Skármeta erzählt eine abenteuerliche Geschichte um vergangene Verbrechen, zarte Liebe und wahre Freundschaft und entfaltet gleichzeitig den Zauber der wiedergeborenen Stadt Santiago de Chile.

Meine Meinung:
Da ich mir vorgenommen habe, für jede Station auf meiner literarischen Weltreise wenigstens einen kurzen Kommentar zu schreiben, muss ich zu diesem Buch wohl noch was schreiben. Dabei ist die Lektüre schon wieder über einen Monat her und leider habe ich schon wieder viel zu viel vergessen.
Ich fand das Buch wirklich sehr schön, die Personen sind mir alle ans Herz gewachsen, obwohl Diebe und Verbrecher normalerweise keine großen Sympathiepunkte bei mir erhalten. Hier waren sie aber so menschlich beschrieben, mit allen Sorgen und Nöten, die der Wiedereinstieg in die Gesellschaft so mit sich bringt, dass ich sie doch liebgewonnen habe.
Sprachlich fand ich das Buch sehr gelungen, auch wenn ich einige Kapitel manchmal etwas seltsam oder gewöhnungsbedürftig geschrieben fand. Mit dem Ende war ich auch komplett zufrieden.
sheep.gif von 123gif.desheep.gif von 123gif.desheep.gif von 123gif.desheep.gif von 123gif.desheep.gif von 123gif.de