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Dienstag, 13. Juli 2010

Sophie Kinsella - Vom Umtausch ausgeschlossen

Auch der vierte Besuch in Beckys total verrückter Shopping-Welt hat mir gut gefallen! Nachdem der dritte Band um Beckys Hochzeit nicht ganz meinen Geschmack getroffen hat, hat mir "Vom Umtausch ausgeschloßen" wieder richtig viel Spaß gemacht.
Man erlebt eine ganze Menge Shopping-Räusche, typische peinliche Becky-Momente und den Auftritt einer Halbschwester, die ganz anders ist als Becky. Ich habe das Gefühl, dass Becky erwachsen wird und reifer. Sie ist nicht mehr ganz so oberflächlich und naiv, denkt manchmal über ihre Handlungen nach und sieht Fehler ein. Man merkt auch deutlich, dass nicht mehr so viel geshoppt wird, wie in den vorhergehenden Büchern, es treten auch mal andere Ereignisse in den Vordergrund. Gut fand ich, dass das Eheleben thematisiert wurde und auch Freundschaften und wie diese sich im Laufe der Zeit verändern können.

Ich lese nicht viel Chick-Lit, aber manchmal muss es zwischendurch einfach sein. Und dann weiß ich, dass ich mit Sophie Kinsella und vor allem den Shopaholic-Büchern nicht falsch liege. Hochgeistige Unterhaltung darf man natürlich nicht erwarten, aber dafür viel Spaß.
4 Sterne

Donnerstag, 1. Juli 2010

Juni 2010

Frank Goosen - Weil Samstag ist 4/5
Ein witziges Buch über Fußball mit Anekdoten über das Fan-Sein und Rückblicke auf die letzte EM und WM. Hat mir gut gefallen und war auch eine nette Einstimmung für die WM.

Milan Kundera - Das Leben ist anderswo 3/5
Das Buch ist sicherlich interessant und es stecken viele interessante Gedankengänge darin, über die man noch lange nachdenken könnte, wenn man wollte. Mir war es zum aktuellen Zeitpunkt zu anstrengend und ich bin nicht so recht mit der Geschichte warm geworden.

Alan Bradley - The Sweetness at the Bottom of the Pie 3,5/5
Ein ganz nettes Jugendbuch mit einer sehr sympathischen Hauptfigur. Allerdings lief mir das Ende zu sehr nach Schema F, mit dem letzten Viertel des Buches war ich einfach nicht so glücklich, der Rest hat mir gut gefallen. Ich werde bestimmt auch das nächste Buch über Flavia lesen!

Mohammed Hanif - Eine Kiste explodierender Mangos 3/5
Einerseits ganz interessant, andererseits auch recht anstrengend, die ganzen Zeitsprünge nachzuvollziehen und den Überblick nicht zu verlieren.

Stephenie Meyer- Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl 2/5
Ungefähr so schlecht, wie ich es erwartet habe

Mittwoch, 23. Juni 2010

Mohammed Hanif - Eine Kiste explodierender Mangos

Ein Flugzeug, in dem alle wichtigen Persönlichkeiten Pakistans sitzen, stürzt ab. Ali Shigri ist dafür verantwortlich und erzählt die Geschichte, wie es dazu kam.

Ali Shigris Erzählstrang fand ich fast durchweg amüsant und interessant zu lesen. Er erzählt von seinem Vater, seiner bisherigen Laufbahn in der Armee, aber auch von den Ereignissen, die dem Verschwinden seines Zimmergenossen Obaid folgen. Seine Geschichte erzählt er selbst und dies tut er in einem durchwegs ironischen Tonfall. So hat man - obwohl die Geschichte alles andere als lustig ist - doch immer wieder was zu lachen.

Den zweiten Erzählstrang um General Akhtar, den Diktator Zia und andere Personen, die noch irgendwie an der Geschichte und dem Flugzeugabsturz beteiligt sind, habe ich hingegen eher ungern gelesen. Ich hatte nicht erwartet, dass das Militär so sehr im Mittelpunkt der Geschichte stehen würden. Es hat mich unendlich gelangweilt, dem Tagesablauf eines paranoiden, fanatischen Diktators beizuwohnen und die Intrigen und Machtspielchen um ihn herum bis ins kleinste Detail zu verfolgen.

Auch die Erzählstruktur hat es mir nicht unbedingt leicht gemacht. Aldawen hat ja schon die vielen Zeitsprünge erwähnt, Ali Shigri springt wie wild in der Zeit herum mit seiner Erzählung und dazwischen muss man auch noch die Geschichten der anderen Personen einordnen. Dies ist vielleicht möglich, wenn man das Buch über einen kurzen Zeitraum liest. Wenn allerdings größere Abstände entstehen, bis man das Buch wieder zur Hand nimmt, tut man sich zunehmend schwer, alles in einen Zusammenhang zu bringen.

Gut gefallen hat mir hingegen das Ende. Dass das Flugzeug abstürzen wird, weiß man schon von der ersten Seite weg, aber es ist am Ende trotzdem faszinierend und interessant, wie die Erzählstränge sich ergänzen und sich alles irgendwie zusammenfügt.

Das Buch an sich ist nicht schlecht, ich hatte nur etwas andere Erwartungen und konnte mich teilweise nicht so auf das Buch konzentrieren, wie ich es gerne gewollt hätte bzw. wie vielleicht nötig gewesen wäre. Deshalb von mir nur 3 Sterne

Stephenie Meyer - Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl

Vorweg muss ich sagen, dass ich mir das Buch nie selbst gekauft hätte. Ich bin nur durch einen Zufall zu der zweifelhaften Ehre gekommen, Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl zu lesen. Meine Oma hat sich dieses Buch nämlich gekauft, weil sie den ersten Twilight-Band gelesen hat, der ihr auch recht gut gefallen hat. Wie dieses Buch zu den anderen Büchern steht und auf was sie sich da einlässt, war ihr aber nicht klar. Deshalb hat sie dann auch nur 50 Seiten gelesen und mir das Buch geschenkt, weil es ihr zu viel Fantasy war.

Als ich die Seitenzahl (200) und den Preis (15,90€) gesehen habe, und zusätzlich noch, wie groß die Schrift ist, hat sich mein Verdacht bestätigt, dass hier nur Twilight-Fans abgezockt werden sollen und man leider recht wenig Buch für recht viel Geld bekommt. Den echten Fan wird das nicht stören, der will die Reihe natürlich komplett haben. Und genau deshalb wurde dieses Buch doch geschrieben. Sicher nicht aus dem Grund, den Stephenie Meyer dem Leser in der Einleitung glaubhaft machen will. Angeblich ist diese Geschichte nämlich ganz zufällig entstanden, als sie über die andere Seite der Geschehnisse, die sie aus Bellas Sicht nicht erzählen konnte, nachgedacht hat.

Der Schreibstil ist typisch Stephenie Meyer (also nicht sonderlich gut), über einige Formulierungen bin ich doch gestolpert, mag aber an der Übersetzung liegen. Die 4 Twilight-Bände habe ich auf Englisch gelesen, da fand ich den Stil zwar nicht gerade hochwertig, aber gut lesbar. Auf Deutsch fand ich es hingegen manchmal wirklich schwer zu ertragen.

Die Geschichte ist recht nichtssagend und ist vorbei, bevor sie richtig angenfangen hat. Wenigstens gibt es kein Liebesgeschnulze wie bei Bella und Edward, das muss man dem Buch definitiv zu Gute halten. Bree und die anderen Vampire haben gar keine Gelegenheit, ihren Charakter in dieser Geschichte zu entfalten, man erfährt recht wenig über sie und so bleiben die Figuren auch recht blass. Bree ist in vielen Dingen genau wie Bella, ziemlich naiv und einfältig, da hätte sich Frau Meyer gerne mal eine andere Art von Hauptcharakter ausdenken können.

Alle, die Twilight gelesen haben, dürften ja eigentlich wissen, wie Brees Geschichte endet. Wer es nicht weiß, liest bitte hier nicht weiter!

Der einzige Lichtblick: Kein Happy End!!! Kein "Sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende". Bree hat mir am Ende doch leid getan, es hat mich gewundert, dass ich nach so einer nichtssagenden Geschichte doch Gefühle für sie entwickeln konnte.

Fazit: Man kann das Buch schon lesen, muss man aber definitiv nicht. Es ist ganz nette Unterhaltung, allerdings hat man das Buch auch innerhalb von 2 Stunden gelesen, somit kann man das viele Geld auch sinnvoller anlegen und sich daovn Bücher kaufen, von denen man länger was hat.
2 Sterne

Donnerstag, 17. Juni 2010

Dinaw Mengestu - Zum Wiedersehen der Sterne

Sepha Stephanos lebt seit 17 Jahren in Washington D.C., aus seiner Heimat Äthiopien musste er fliehen, nachdem sein Vater während der Revolution getötet wurde. Seine Freunde Joseph und Kenneth kommen aus anderen afrikanischen Ländern und teilen sein Schicksal. Einmal in der Woche treffen sie sich und sprechen über ihre Vergangenheit, über Afrika und ihr Leben in den USA. Als eine weiße Frau mit ihrer farbigen Tochter in die Gegend zieht, entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte.

Die Thematik des Buches fand ich sehr interessant und ich wurde davon auch nicht enttäuscht. Man erfährt viel über das Leben eines Einwanderers, von den Problemen, mit denen er zu kämpfen hat und auch darüber, inwieweit man sich in dem neuen Land zuhause fühlen kann. Sehr einfühlsam wird da von Sephas neuem Leben erzählt und auch darüber, wie Joseph und Kenneth sich in den USA zurecht finden. Ich hätte mir allerdings mehr Rückblenden auf Sephas Leben in Äthiopien gewünscht. Man erfährt zwar einige Details über den Tod des Vaters und Sephas Flucht, mich hätte allerdings auch das alltägliche Leben vor der Revolution und einige andere Dinge interessiert.

Sepha erzählt seine Geschichte selbst und tut dies sehr ruhig und nachdenklich stimmend. Er macht sich viele Gedanken und lässt den Leser daran teilhaben. Ich lese gerne solche ruhigen Bücher, in denen gar nicht viel Handlung nötig ist, um eine Geschichte zu erzählen. Auch die zarte Annäherung an Judith und die Freundschaft zu ihrer Tochter Naomi sind einfühlsam und berührend erzählt.
4 Sterne

Dienstag, 15. Juni 2010

Michel Birbæk – Nele & Paul

Nele ist Pauls große Liebe, 9 Jahre war sie weg und als sie wieder auftaucht, nimmt er sie ohne einen moment zu zögern zurück als seine Freundin. Wie lange sie bleiben will und wie es mit den beiden weitergeht, weiß er nicht, und trotzdem benimmt er sich wie ein Teenie mit dicker rosa Brille und kann nur noch an Nele denken. Doch irgendwann ist es mit dem Glück auch wieder vorbei und es tauchen unvorhergesehene Probleme auf, die ich natürlich nicht verraten möchte.

Das Buch war schnell und leicht zu lesen, ist ganz nett geschrieben und reißt einen auch irgendwie mit, so dass man unbedingt wissen will, wie die Geschichte um Nele und Paul denn nun endet. Leider ist alles ganz furchtbar kitschig. Die Liebe zwischen den beiden ist anscheinend so übermächtig, dass sie keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Vor allem Paul, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt ist, scheint einige geistige Aussetzer zu haben, verhält sich manchmal wahnsinnig dumm und naiv.

Einiges an der Geschichte war sehr unglaubwürdig und überzogen, viele Dinge ließen sich unnatürlich schnell und einfach klären oder erledigen. Auch der vielgelobte Schreibstil hat mir nicht immer zugesagt, da gab es seltsame Wortschöpfungen und auch allgemein war es mir manchmal einfach zu flapsig. Ich konnte mich damit aber abfinden, da es nun mal aus der Sicht Pauls erzählt ist und dessen Gedanken nicht unbedingt auf einem sprachlich hohen Niveau sein müssen.

Im Endeffekt war das Buch nette Unterhaltung, aber zu viel Kitsch und heile Welt für meinen Geschmack.
3 Sterne

Freitag, 28. Mai 2010

Ian McEwan - Abbitte

Das Landhaus der Familie Tallis im Sommer 1935. Es herrscht glühende Hitze, die Bewohner wissen nicht so recht etwas mit dem Tag anzufangen, da beobachtet die 13jährige Briony etwas, das sie falsch versteht und verändert dadurch das Schicksal der kompletten Familie.

Vorweg muss ich sagen, dass ich den - meiner Meinung nach sehr gelungenen - Film schon gesehen hatte, bevor ich das Buch gelesen habe. Damit habe ich mir zwar das Ende schon vorweg genommen, dennoch hat mich das Buch keine Sekunde gelangweilt. Vor allem im ersten Teil ist die Stimmung sehr dicht, man kann sich die Hitze und die Lethargie der Familie sehr gut vorstellen. Die Handlung schreitet fast unerträglich langsam voran und doch ist es interessant, Geschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln zu beobachten und die Gedanken und Gefühle der Bewohner des Hauses so genau beobachten zu können. Man merkt nur sehr langsam, wie die Stimmung dieses luftig-leichten Sommertages plötzlich kippt und sich alles verändert...

Das Tempo des Romans nimmt in den weiteren Teilen deutlich zu doch leider übernimmt ab dem 2. Teil der Krieg die Hauptrolle in der Geschichte. Dass dies so ausgeweitet wurde und man auch recht viele langweilige Details über sich ergehen lassen muss, fand ich etwas schade. Das liegt aber möglicherweise einfach an meiner persönlichen Abneigung gegenüber Filmen und Büchern, die den 2. Weltkrieg thematisieren.

Das Ende ist wirklich gelungen und relativiert alles, was man vorher gelesen hat. Am liebsten möchte man danach nochmal von vorne Anfangen und das Buch mit diesem Wissen erneut lesen.

Vom Stil Ian McEwans war ich begeistert, ich finde es bemerkenswert, wie er die englische Sprache in all ihren Nuancen ausschöpft und aus einem beinahe unendlichen Vorrat an Wörtern zu schöpfen scheint. Es war zwar am Anfang nicht leicht, sich an die Sprache zu gewöhnen (ich habe das Buch im Original gelesen), jedoch ist das Buch trotz allem nicht kompliziert zu lesen oder hochgestochen geschrieben.

"Abbitte" ist definitiv ein Buch, das mich fasziniert und bewegt hat. Auch unsere Diskussionen im Rahmen des Lesekreises waren sehr interessant und brachten noch einmal Aspekte zu Tage, die man beim einfachen Lesen ohne anschließende Diskussion nicht bemerkt hätte. Den einzigen Abzug gibt es bei mir für den Krieg, der mir eine zu große Rolle im Buch spielt.
4,5 Sterne

Dienstag, 4. Mai 2010

April 2010

Helene Hanff - 84 Charing Cross Road 4/5
Hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich durch die durchweg positiven Meinungen, die ich vorher gelesen hatte, mit etwas zu hohen Erwartungen an das Buch herangegangen bin.

Kerstin Gier - Saphirblau 4/5
Genau so schön wie der Vorgänger, leider viel zu schnell durchgelesen und wieder kein vernünftiges Ende

Hanif Kureishi - Something to tell you 3/5

Leider nicht ganz so toll, wie ich mir das vorgestellt hatte

Henning Mankell - Der Chronist der Winde 4/5
Die berührende Geschichte eines Straßenkindes

Ali Sethi - Meister der Wünsche 5/5
Eine sehr schöne, bewegende Familiengeschichte in Pakistan. Mein absolutes Highlight diesen Monat

Und da ich nie so recht weiß, was ich über Gedichte schreiben soll, hier nur die Bewertungen:
Elizabeth Barrett Browning - Selected Poems 4,5/5
Henry Wadsworth Longfellow - Selected Poems 3/5
Walt Whitman - Selected Poems 1,5/5
Emily Dickinson - Selected Poems 4/5

Ali Sethi - Meister der Wünsche

Der Autor
1984 in Lahore geboren und aufgewachsen, entstammt Ali Sethi einem säkularen und äußerst exponierten Elternhaus: Der Familie der Mutter gehört ein angesehenes kritisches Wochen-Magazin, ›The Friday Times‹ (vergleichbar dem SPIEGEL), in dem beide Eltern tätig sind, Sethis Vater als Chefredakteur. Ali Sethi studierte bis 2006 in Harvard/USA South Asian Studies und Englische Literatur. Heute lebt er wieder in Lahore. Die Familie erhielt Todesdrohungen aus fundamentalistischen Kreisen, der Vater wurde mehrfach verhaftet und gefoltert, das Haus ist von amerikanischen und pakistanischen Sicherheitskräften umstellt. ›Meister der Wünsche‹ ist Ali Sethis erster, bereits im Vorfeld hoch gelobter Roman.

Inhalt
Wie Geschwister wachsen der vaterlose Zaki und Samar Api, seine rebellische Cousine, in einem großen bürgerlichen Haushalt Lahores auf. An der Spitze der ebenso streitlustigen wie liebevollen Familie stehen Zakis freigeistige Mutter Zakia und seine willensstarke, kulturell eher konservative Großmutter Daadi. Die stürmischen politischen Entwicklungen Pakistans spiegeln und brechen sich im intimen Prisma dieser verzweigten Familiengeschichte, doch der Puls des Lebens schlägt im Kleinen. Sethis Charaktere erfreuen sich des Lebens, selbst wenn alles dagegen spricht ...

Meine Meinung
Als Zaki zur Hochzeit seiner Cousine Samar Api aus den USA in seine Heimat Pakistan zurückkehrt, hat sich vieles verändert. In einer Rückblende erzählt er von seiner Kindheit und Jugend, die er zum Großteil gemeinsam mit Samar Api verbrachte. Da sein Vater bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, wächst er als einziger Mann in einer Familie von sehr verschiedenen Frauen auf. Seine Mutter ist eine Rebellin, die sich der Politik nicht blind unterordnet, sondern gegen Missstände protestiert. Die Großmutter und seine Tanten dagegen sind eher konservativ eingestellt.

In weiteren Rückblenden wird auch die Geschichte der Mutter und der Großmutter erzählt, so kann man verfolgen, wie sich die Situation der Frauen in Pakistan über mehrere Generationen verändert hat. Auch allgemein erfährt man viel über das politische Geschehen im Land. Da die Familienmitglieder nicht immer einer Meinung sind, wird auch oft diskutiert und man erfährt verschiedene Sichtweisen der jeweiligen Situation. Auch kann man in diesem Buch viel über Bräuche und Traditionen lernen. Da Samar Apis Eltern auf dem Dorf leben, die restliche Familie allerdings in der Stadt, wird auch der große Unterschied der beiden Lebensräume aufgezeigt.

Die Geschichte wird sehr ruhig erzählt, wer auf große Spannungsbögen und unerwartete Wendungen Wert legt, wird hier vergeblich warten. Dafür sind die Charaktere sehr gut beschrieben, man kann ihre Entwicklung gut nachvollziehen. Gerade weil das Buch so ruhig ist und die Geschichte langsam vorangeht, hat es mir so gut gefallen. Ich kann aber gut verstehen, dass manch anderen genau das langweilt.

Ein Glossar erklärt unbekannte Wörter, eine Liste der Personen, die im Buch vorkommen, ermöglicht es den Überblick zu behalten und auch die Karte von Pakistan und den umliegenden Ländern ist sehr hilfreich. Ich finde die Ausstattung und Aufmachung des Buches also definitiv gelungen, auch das Cover finde ich gut gewählt und sehr schön.

Fazit:
Ein leises, ruhiges Buch, auf das man sich einlassen muss. Für alle die gerne etwas exotische Familiengeschichten lesen und sich gleichzeitig für fremde Länder und Kulturen interessieren.

Für mich ein absoluter Buchtipp und

Kader Abdolah - Das Haus an der Moschee

Klappentext
Ein altes Haus in Senedjan. Seit 800 Jahren wohnt hier die Familie des Teppichhändlers Agha Djan. Unter seiner Obhut leben die Menschen in einträchtiger Harmonie - bis die von Teheran und den Aufständen gegen das korrupte Regime des Schahs ausgehende Unruhe auch sie erreicht. In seinem neuen Roman breitet Kader Abdolah das zutiefst menschliche Schicksal einer iranischen Großfamilie wie ein bunt schillerndes Geschichtengewebe vor uns aus.

Meine Meinung
In zumeist recht kurzen Episoden wird aus dem Leben der iranischen Großfamilie um Agha Djan erzählt. Die einzelnen Kapitel hängen nicht unmittelbar zusammen, obwohl immer wieder auf Ereignisse aus früheren Kapiteln Bezug genommen wird. Dieser episodenhafte Charakter hat mich zu Beginn extrem gestört, es war mir nicht klar, worauf diese ganzen einzelnen Geschichten hinauslaufen und wollte lieber eine große Geschichte lesen, als viele einzelne.
Erst später wurde mir klar, dass Kader Abdolah hier weniger die Geschichte einer Familie erzählt, als die Geschichte des Iran. Das Buch begleitet die Familie über mehrere Jahrzehnte, man erlebt das Regime des Schahs, der mit Amerika sympathisiert, diverse innere Unruhen und Revolutionen, den Krieg mit dem Irak und die Herrschaft Ayatollah Khomeinis und die direkten Auswirkungen auf die Familie mit.
Erstaunlich fand ich, dass das Buch eine etwas andere Sicht auf den Islam zeigt. Agha Djans Familie ist sehr konservativ, Amerika gilt als der große Feind des Islam, auch die Frauen in der Familie sind gegen die Emanzipation, wollen die Traditionen beibehalten. Im Laufe des Buches ändert sich die Sichtweise einiger Familienmitglieder durchaus, und trotzdem fand ich es interessant, mal ein anderes Frauenbild zu sehen, als das der Unterdrückten, die für ihre Rechte gegen die Männer und den Islam kämpfen muss.
Am Anfang ist das Buch noch recht locker und leicht zu lesen, die Episoden sind teilweise sehr amüsant und liebenswert erzählt. Doch sobald sich die politische Lage im Land ändert, ändert sich auch die Stimmung im Buch. Man spürt immer mehr von den grausamen Taten, die im Iran passiert sind. Der politische Umschwung und der Krieg machen auch vor Agha Djans Familie nicht halt und so muss man auch mit der Familie einige schwere Schicksalsschläge erleiden und um verschiedene Familienmitglieder bangen.
Teilweise liest sich das Buch wie ein Geschichtsbuch, was mich persönlich allerdings nicht gestört hat, da ich mich es gut fand, durch das Buch so viel über den Iran und seine Vergangenheit zu lernen.
4 Sterne