Ann Riquier lebt seit fünfzehn Jahren in Südindien. Seit ihrer Kindheit ist ihr Tibet vertraut. Auf ausdrücklichen Wunsch der drei Frauen hat sie die Lebensberichte einer breiten, internationalen Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Sie erzählt die Geschichte von drei sehr unterschiedlichen tibetischen Frauen, die alle auf ihre eigene Art die Unterdrückung durch China miterlebt haben. Die Widerstandskämpferin Ama Adhé verbrachte insgesamt 28 Jahre ihres Lebens in chinesischen Gefängnissen und Arbeitslagern, sie leidet nachhaltig an den seelischen und körperlichen Misshandlungen. Die Aristokratin Rinchen Dolma Taring musste ganz allein nach Indien fliehen, wo sie später ihren Mann wieder traf und mit ihm tibetische Waisenhäuser und Schulen gründete, um anderen Flüchtlingen Bildung zu ermöglichen und ihnen die tibetische Kultur und Sprache näher zu bringen. Pemala ist im Exil geboren, in Flüchtlingslagern aufgewachsen und hat die Hoffnung noch nicht aufgegben, irgendwann wieder in Tibet leben zu können.
Ann Riquier hat die Lebensberichte dieser drei Frauen zusammengestellt und sie mit einem Glossar, der tibetische Begriffe erklärt, dem 17-Punkte-Abkommen und einer Rede des Dalai Lama ergänzt. Zusätzlich werden im Text und in Fußnoten immer wieder aktuelle Studien zur tibetischen Bevölkerung zitiert.
Mich hat dieses Buch sehr betroffen gemacht und schockiert. Ich wusste nicht viel über Tibet und den Konflikt mit China und konnte mir auch nicht vorstellen, dass ein Volk ein anderes so umfassend ausrotten möchte und sich solch grausame Mittel ausdenkt. Natürlich drängt sich der Vergleich zur Nazi-Zeit und der Judenverfolgung auf, aber ich empfand die Lage in Tibet bei der Lektüre dieses Buches um ein Vielfaches schlimmer.
Sehr interessant fand ich allerdings auch, einiges über die tibetische Kultur zu erfahren. Besonders faszinierend fand ich, wie modern die Rolle der Frau teilweise beschrieben wurde.
Ich bin durch das Buch neugierig geworden und werde mich in Zukunft sicher ausführlicher mit Tibet befassen.
4 Sterne
Mittwoch, 31. März 2010
Yasmina Khadra - Die Schuld des Tages an die Nacht
Der arabische Junge Younes wächst im Algerien der 20er Jahre in ärmlichen Verhältnissen auf. Als sein Vater keinen anderen Ausweg mehr sieht, bringt er ihn zu seinem wohlhabenden Onkel. Man begleitet Younes, dessen Name im Laufe der Jahre zu Jonas abgeändert wird, auf seinem Lebensweg, lernt seine Freunde und später auch seine große Liebe kennen und gleichzeitig erfährt man, wie Algerien sich über diese Zeit verändert hat.
Das Buch hat wirklich sehr interessant und stark begonnen, um dann immer mehr nachzulassen. Die erste Hälfte hat mir noch sehr gut gefallen, man sieht den kleinen Younes aufwachsen, liest, wie er sich in der großen Stadt Oran zurecht findet, nachdem er die ersten Jahre seines Lebens auf dem Land gewohnt hat, fühlt mit ihm, als er alles Vertraute hinter ihm lässt und in ein neues Leben aufbricht und erfährt nebenbei auch immer wieder interessante Dinge über Algerien. Auch spürt man die Gegensätze, zwischen denen Younes als Araber unter Europäern feststeckt.
Leider verkommt die Geschichte in der zweiten Teil immer mehr zu einer uninteressanten, langweiligen Liebesgeschichte. Das politische und gesellschaftliche Geschehen in Algerien tritt immer mehr in den Hintergrund, obwohl das alles viel interessanter wäre, als die eigentliche Handlung des Buches. Zusätzlich wird das Verhalten der Hauptperson immer unerträglicher. Younes/Jonas bleibt während seines ganzen Lebens passiv, nie greift er aktiv in das Geschehen ein, immer lässt er sich nur treiben und alles mit sich geschehen, ohne jemals Widerspruch zu leisten oder sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dieser Charakterzug ist nur schwer nachzuvollziehen und auch kaum zu ertragen.
Auch sprachlich konnte mich das Buch nicht überzeugen, was allerdings auch an der Übersetzung aus dem Französischen liegen könnte. Die Sprache wechselt zwischen stark umgangssprachlichen Begriffen zu übertriebener Hochgestochenheit innerhalb weniger Sätze, außerdem wird nicht klar, warum einige Begriffe oder gar ganze Sätze kursiv gesetzt sind. Ein Glossar, der fremde Begriffe erklärt, wäre hilfreich gewesen, fehlt hier aber.
Insgesamt muss ich leider sagen, dass das Buch in der zweiten Hälfte nicht hält, was die erste Hälfte versprochen hat.
3 Sterne
Das Buch hat wirklich sehr interessant und stark begonnen, um dann immer mehr nachzulassen. Die erste Hälfte hat mir noch sehr gut gefallen, man sieht den kleinen Younes aufwachsen, liest, wie er sich in der großen Stadt Oran zurecht findet, nachdem er die ersten Jahre seines Lebens auf dem Land gewohnt hat, fühlt mit ihm, als er alles Vertraute hinter ihm lässt und in ein neues Leben aufbricht und erfährt nebenbei auch immer wieder interessante Dinge über Algerien. Auch spürt man die Gegensätze, zwischen denen Younes als Araber unter Europäern feststeckt.
Leider verkommt die Geschichte in der zweiten Teil immer mehr zu einer uninteressanten, langweiligen Liebesgeschichte. Das politische und gesellschaftliche Geschehen in Algerien tritt immer mehr in den Hintergrund, obwohl das alles viel interessanter wäre, als die eigentliche Handlung des Buches. Zusätzlich wird das Verhalten der Hauptperson immer unerträglicher. Younes/Jonas bleibt während seines ganzen Lebens passiv, nie greift er aktiv in das Geschehen ein, immer lässt er sich nur treiben und alles mit sich geschehen, ohne jemals Widerspruch zu leisten oder sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dieser Charakterzug ist nur schwer nachzuvollziehen und auch kaum zu ertragen.
Auch sprachlich konnte mich das Buch nicht überzeugen, was allerdings auch an der Übersetzung aus dem Französischen liegen könnte. Die Sprache wechselt zwischen stark umgangssprachlichen Begriffen zu übertriebener Hochgestochenheit innerhalb weniger Sätze, außerdem wird nicht klar, warum einige Begriffe oder gar ganze Sätze kursiv gesetzt sind. Ein Glossar, der fremde Begriffe erklärt, wäre hilfreich gewesen, fehlt hier aber.
Insgesamt muss ich leider sagen, dass das Buch in der zweiten Hälfte nicht hält, was die erste Hälfte versprochen hat.
3 Sterne
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3 Schafe,
Weltliteratur
Montag, 22. März 2010
Oliver Plaschka - Die Magier von Montparnasse
Der Zauberer Ravi soll mit seiner Assistentin Blanche eigentlich nur Zaubertricks vorführen, als einer dieser Tricks aber schiefgeht und beide in Lebensgefahr geraten, wendet er echte Magie an. Eine große Rolle spielt auch ein verzauberter Apfel, von dem Ravi nach der Vorstellung isst. Danach hängt die Welt in einer Zeitschleife fest und Blanche fällt in einen tiefen Schlaf. Ravi erlebt wieder und wieder diesen Sonntag im Jahr 1926, an dem der verhängnisvolle Auftritt stattfand. Schon bald finden sich auch andere Zauberer ein, die alle ihre ganz eigenen Interessen verfolgen und auch ein paar normale Menschen werden mit in die Sache hineingezogen.
Lobend erwähnen muss man zuerst einmal die Aufmachung des Buches. Das Cover ist wunderschön und auch die Gestaltung zwischen den Buchdeckeln ist gelungen. Schon allein deshalb macht es Spaß, das Buch wieder und wieder in die Hand zu nehmen.
Die eigentliche Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was das Ganze erst interessant und besonders macht. Allerdings hat es am Anfang bei mir für einige Verwirrung gesorgt, weil es viele verschiedene Erzähler gibt, die sich auch stilistisch nicht sehr unterscheiden. Später, als man die verschiedenen Charaktere besser kennengelernt hat, gab es bei mir aber keine Probleme mehr. Die Charaktere sind mir alle sehr ans Herz gewachsen, alle sind auf ihre ganz eigene Art liebenswert und man wünscht sich, ihren Lebensweg noch länger begleiten zu können.
Die Geschichte ist sehr geheimnisvoll und rätselhaft, es stellen sich über weite Teile des Buches mehr Fragen, als Antworten geliefert werden. Das ist manchmal frustrierend, auch wenn das gelungene und überraschende Ende das alles wieder mehr als wettmachen kann.
Ich habe das Buch in einer autorenbegleiteten Leserunde auf leserunden.de gelesen, was an vielen Stellen sicher hilfreich war, da man mit anderen über Vermutungen und Fragen diskutieren konnte und auch Oliver die Gedanken mit einem Hinweis öfter in die richtige Richtung gelenkt und Verständnisprobleme geklärt hat.
Fazit: Ein sehr gelungener Fantasy-Roman, für den man aber einiges an Konzentration und Aufmerksamkeit mitbringen muss.
4,5 Sterne
Lobend erwähnen muss man zuerst einmal die Aufmachung des Buches. Das Cover ist wunderschön und auch die Gestaltung zwischen den Buchdeckeln ist gelungen. Schon allein deshalb macht es Spaß, das Buch wieder und wieder in die Hand zu nehmen.
Die eigentliche Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was das Ganze erst interessant und besonders macht. Allerdings hat es am Anfang bei mir für einige Verwirrung gesorgt, weil es viele verschiedene Erzähler gibt, die sich auch stilistisch nicht sehr unterscheiden. Später, als man die verschiedenen Charaktere besser kennengelernt hat, gab es bei mir aber keine Probleme mehr. Die Charaktere sind mir alle sehr ans Herz gewachsen, alle sind auf ihre ganz eigene Art liebenswert und man wünscht sich, ihren Lebensweg noch länger begleiten zu können.
Die Geschichte ist sehr geheimnisvoll und rätselhaft, es stellen sich über weite Teile des Buches mehr Fragen, als Antworten geliefert werden. Das ist manchmal frustrierend, auch wenn das gelungene und überraschende Ende das alles wieder mehr als wettmachen kann.
Ich habe das Buch in einer autorenbegleiteten Leserunde auf leserunden.de gelesen, was an vielen Stellen sicher hilfreich war, da man mit anderen über Vermutungen und Fragen diskutieren konnte und auch Oliver die Gedanken mit einem Hinweis öfter in die richtige Richtung gelenkt und Verständnisprobleme geklärt hat.
Fazit: Ein sehr gelungener Fantasy-Roman, für den man aber einiges an Konzentration und Aufmerksamkeit mitbringen muss.
4,5 Sterne
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4 Schafe,
Fantasy und Phantastik
Freitag, 19. März 2010
Joseph O'Connor - Yeats ist tot!
15 Autoren schreiben zusammen einen Roman - schon allein wegen dieser außergewöhnlichen Idee wollte ich das Buch unbedingt lesen. Am Anfang fand ich es etwas anstrengend, ich hatte das Gefühl, dass jeder Autor unbedingt seinen eigenen Protagonisten haben wollte, jeder führt munter neue Personen und Handlungsstränge ein, bis man gar nicht mehr weiß, wer jetzt überhaupt wer ist und was die alle miteinander zu tun haben.
Nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten habe ich das Buch dann aber fast an einem Stück durchgelesen und das würde ich auch jeden Empfehlen, da man sonst zu viele Zusammenhänge vergisst und man das Buch nicht mehr als das genießen kann, was es ist - eine unheimlich skurrile, witzige Geschichte über Irland und die Iren.
Dass es auch eine Krimihandlung gibt, war für mich eher nebensächlich, zum Glück weiß man ja die ganze Zeit, wer wen umgebracht hat und aus welchen Gründen, so war das Buch für mich auch weniger ein Krimi, als eine sehr unterhaltsame, humorvolle Lektüre.
Gegen Ende sind mir die unterschiedlichen Schreibstile der verschiedenen Autoren auch gar nicht mehr aufgefallen, was auf jeden Fall für das Buch spricht. Es war dann irgendwann einfach zu spannend um noch groß auf andere Dinge zu achten. Auch mit dem Schluss von Frank McCourt war ich eigentlich zufrieden, er hatte ja wirklich die schwierigste Aufgabe und hat die ganzen Handlungsstränge noch zu einem akzeptablen Ende geführt, das keine Fragen offen lässt.
4 Sterne
Nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten habe ich das Buch dann aber fast an einem Stück durchgelesen und das würde ich auch jeden Empfehlen, da man sonst zu viele Zusammenhänge vergisst und man das Buch nicht mehr als das genießen kann, was es ist - eine unheimlich skurrile, witzige Geschichte über Irland und die Iren.
Dass es auch eine Krimihandlung gibt, war für mich eher nebensächlich, zum Glück weiß man ja die ganze Zeit, wer wen umgebracht hat und aus welchen Gründen, so war das Buch für mich auch weniger ein Krimi, als eine sehr unterhaltsame, humorvolle Lektüre.
Gegen Ende sind mir die unterschiedlichen Schreibstile der verschiedenen Autoren auch gar nicht mehr aufgefallen, was auf jeden Fall für das Buch spricht. Es war dann irgendwann einfach zu spannend um noch groß auf andere Dinge zu achten. Auch mit dem Schluss von Frank McCourt war ich eigentlich zufrieden, er hatte ja wirklich die schwierigste Aufgabe und hat die ganzen Handlungsstränge noch zu einem akzeptablen Ende geführt, das keine Fragen offen lässt.
4 Sterne
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Krimi und Thriller
Mittwoch, 3. März 2010
Februar 2010
Zadie Smith - White Teeth 2/5
Ich habe das Buch für den Lesekreis gelesen und es hat mir nicht besonders gut gefallen. Viele Dinge waren zu ausfürhlich und einfach nur langweilig und die Charaktere waren gar nicht liebenswert oder mitreißend. Die Handlung war mir meistens eigentlich gleichgültig und ich war froh, als ich das Buch hinter mir hatte
Lara Cardella - Ich wollte Hosen 3,5/5
Ein Mädchen wächst auf Sizilien unter nicht ganz einfachen Verhältnissen auf. Vor allem die Rolle der Frau spielt hier eine Rolle
Rafael Yglesias - Glückliche Ehe 3/5
Die Geschichte einer Eher von Anfang bis Ende. Auch die schlechten Zeiten werden nicht ausgelassen.
Atiq Rahimi - Erde und Asche 4/5
Eine beeindruckende, gefühlvolle Geschichte
Nick Hornby - How to be good 3/5
Leider konnte mich Nick Hornby mit diesem Buch nicht überzeugen, auch wenn ich alle anderen von ihm richtig toll fand.
Mohsin Hamid - The Reluctant Fundamentalist 4,5/5
Ein wirklich faszinierendes Buch über einen jungen Pakistani, der in den USA studiert und arbeitet und dessen Leben sich nach dem 11. September radikal ändert.
Nikola Richter - Schluss machen auf einer Insel 3/5
Einige nichtssagende Kurzgeschichten über Beziehungen, die man zwar gut lesen kann, aber auch schnell wieder vergisst.
Ich habe das Buch für den Lesekreis gelesen und es hat mir nicht besonders gut gefallen. Viele Dinge waren zu ausfürhlich und einfach nur langweilig und die Charaktere waren gar nicht liebenswert oder mitreißend. Die Handlung war mir meistens eigentlich gleichgültig und ich war froh, als ich das Buch hinter mir hatte
Lara Cardella - Ich wollte Hosen 3,5/5
Ein Mädchen wächst auf Sizilien unter nicht ganz einfachen Verhältnissen auf. Vor allem die Rolle der Frau spielt hier eine Rolle
Rafael Yglesias - Glückliche Ehe 3/5
Die Geschichte einer Eher von Anfang bis Ende. Auch die schlechten Zeiten werden nicht ausgelassen.
Atiq Rahimi - Erde und Asche 4/5
Eine beeindruckende, gefühlvolle Geschichte
Nick Hornby - How to be good 3/5
Leider konnte mich Nick Hornby mit diesem Buch nicht überzeugen, auch wenn ich alle anderen von ihm richtig toll fand.
Mohsin Hamid - The Reluctant Fundamentalist 4,5/5
Ein wirklich faszinierendes Buch über einen jungen Pakistani, der in den USA studiert und arbeitet und dessen Leben sich nach dem 11. September radikal ändert.
Nikola Richter - Schluss machen auf einer Insel 3/5
Einige nichtssagende Kurzgeschichten über Beziehungen, die man zwar gut lesen kann, aber auch schnell wieder vergisst.
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Monatsrückblick
Sonntag, 14. Februar 2010
Rafael Yglesias - Glückliche Ehe
Enrique und Margaret sind seit 29 Jahren ein Paar, doch jetzt heißt es Abschied nehmen. Margaret steht kurz davor, ihrem Krebsleiden zu erliegen und Enrique begleitet sie in ihren letzten Tagen, organisiert Abschiedsbesuche aller Freunde und Verwandten. In Rückblenden erfährt man vom Kennenlernen der beiden, von ihren ersten Verabredungen und auch von einer Ehekrise, in der die Trennung schon unvermeidlich schien.
Die Kapitel über die sterbende Margaret in der Jetzt-Zeit und die Rückblenden wechseln sich ab. Nur dadurch sind die Schilderungen über die Krankheit, die ohne Tabus oder Aussparungen beschrieben wird, erträglich. Man braucht das fröhliche, jugendliche Kennenlernen zwischendurch, um dann wieder die Trauer Enriques und das Leiden Margarets ertragen zu können. Das ist zugleich mein erster Kritikpunkt. Zu detailliert wird Margarets Krankheit in allen Aspekten geschildert, dass sich einem fast der Magen umdreht. Wer schon eine nahestehende Person durch Krebs verloren hat, oder solch eine Krankheit am eigenen Leib erfahren hat, möchte so etwas sicher nicht lesen, diesen Leuten würde ich auch dringend von diesem Buch abraten!
Ein zweiter Kritikpunkt sind die Figuren selbst. Ich kann es nicht an einzelnen Beispielen festmachen, aber es fiel mir schwer, einen Zusammenhang zwischen den Figuren in der Gegenwart und Vergangenheit zu sehen. Zu sehr haben sich Enrique und Margaret in diesen Jahren verändert. Viele Verknüpfungen fehlen und wurden einfach ausgelassen, so hat man nur wenige Anhaltspunkte, um Veränderungen nachvollziehen zu können. Es ist nicht klar, wie der unsichere, schamhafte Enrique zu diesem egoistischen, aber zugleich aufopfernd hilfsbereiten Mann werden konnte, auch die fröhliche Margaret in Jugendzeiten und die totkranke, sterbende Frau kann man nur schwer in Einklang bringen. Ich hatte oft das Gefühl, ich lese zwei ganz unterschiedliche Geschichten mit unterschiedlichen Hauptpersonen.
Den Handlungsstrang in der Jetzt-Zeit fand ich dabei, wie erwähnt, schwer zu ertragen, die Vergangenheit und das Kennenlernen der beiden war wiederum ganz angenehm und unterhaltend zu lesen. Schade fand ich auch, dass die chronologische Erzählweise des Kennenlernens und der Ehe nicht beibehalten wurde. Gegen Ende gibt es mehrere Rückblenden, die aus dem Zusammenhang gerissen dastehen. Es fällt zwar nicht schwer, diese chronologisch einzuordnen, ich hätte es aber schöner gefunden, die Ereignisse der Reihe nach zu erfahren.
3 Sterne
Die Kapitel über die sterbende Margaret in der Jetzt-Zeit und die Rückblenden wechseln sich ab. Nur dadurch sind die Schilderungen über die Krankheit, die ohne Tabus oder Aussparungen beschrieben wird, erträglich. Man braucht das fröhliche, jugendliche Kennenlernen zwischendurch, um dann wieder die Trauer Enriques und das Leiden Margarets ertragen zu können. Das ist zugleich mein erster Kritikpunkt. Zu detailliert wird Margarets Krankheit in allen Aspekten geschildert, dass sich einem fast der Magen umdreht. Wer schon eine nahestehende Person durch Krebs verloren hat, oder solch eine Krankheit am eigenen Leib erfahren hat, möchte so etwas sicher nicht lesen, diesen Leuten würde ich auch dringend von diesem Buch abraten!
Ein zweiter Kritikpunkt sind die Figuren selbst. Ich kann es nicht an einzelnen Beispielen festmachen, aber es fiel mir schwer, einen Zusammenhang zwischen den Figuren in der Gegenwart und Vergangenheit zu sehen. Zu sehr haben sich Enrique und Margaret in diesen Jahren verändert. Viele Verknüpfungen fehlen und wurden einfach ausgelassen, so hat man nur wenige Anhaltspunkte, um Veränderungen nachvollziehen zu können. Es ist nicht klar, wie der unsichere, schamhafte Enrique zu diesem egoistischen, aber zugleich aufopfernd hilfsbereiten Mann werden konnte, auch die fröhliche Margaret in Jugendzeiten und die totkranke, sterbende Frau kann man nur schwer in Einklang bringen. Ich hatte oft das Gefühl, ich lese zwei ganz unterschiedliche Geschichten mit unterschiedlichen Hauptpersonen.
Den Handlungsstrang in der Jetzt-Zeit fand ich dabei, wie erwähnt, schwer zu ertragen, die Vergangenheit und das Kennenlernen der beiden war wiederum ganz angenehm und unterhaltend zu lesen. Schade fand ich auch, dass die chronologische Erzählweise des Kennenlernens und der Ehe nicht beibehalten wurde. Gegen Ende gibt es mehrere Rückblenden, die aus dem Zusammenhang gerissen dastehen. Es fällt zwar nicht schwer, diese chronologisch einzuordnen, ich hätte es aber schöner gefunden, die Ereignisse der Reihe nach zu erfahren.
3 Sterne
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Sonstige Belletristik
Samstag, 13. Februar 2010
Lara Cardella - Ich wollte Hosen
Inhalt
Annetta wächst in den 70er Jahren auf Sizilien auf. Ihr größter Wunsch ist es, Hosen tragen zu dürfen, das ist ihr sogar wichtiger, als ihren Traummann zu finden. Das ist auch kein Wunder, denn von den Männern erfährt sie nur Verachtung und Unterdrückung, ihr Vater und ihr Bruder nehmen Frauen nicht als Personen wahr, sondern halten sie für Untergeordnet. Häusliche Gewalt ist an der Tagesordnung. Annetta versucht, diesem Leben zu entfliehen...
Meine Meinung
Vorweg muss ich sagen, dass ich das Buch auf Italienisch gelesen habe und deshalb vielleicht nicht alles zu 100% verstanden habe.
Vor allem am Anfang fand ich das Buch sehr witzig und gar nicht so, wie ich es erwartet hätte. Annettas Versuche und Herangehensweisen, um endlich Hosen tragen zu dürfen, sind sehr absurd und waren amüsant zu lesen.
Im Laufe des Buches bleibt einem das Lachen aber im Halse stecken. Man erfährt eine überraschende Tatsache aus Annettas Vergangenheit, die ihr Verhalten allerdings gut erklärt.
Egal was Annetta erzählt, ihr Ton ist eher gleichgültig und auch ihr Verhalten bleibt die meiste Zeit sehr passiv. Das kann man als "moderne Frau" nicht ganz verstehen, auch wenn ihr Hintergrund und ihr Umfeld ganz anders sind, als unseres heute. Am Anfang hatte ich noch mehr das Gefühl, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nimmt, doch gegen Ende wird sie immer passiver.
Das Buch ist sehr aufwühlend und gibt ganz andere Einblicke in das Italien der 70er Jahre als zumindest ich sie erwartet hätte. Teilweise war Annettas Geschichte sehr bedrückend zu lesen und auch das Ende hat mich nicht gerade begeistert.
Allgemein hat das Buch mich aber ganz gut unterhalten und es war durchaus interessant. Und da ich stolz auf mich bin, das erste richtige Buch auf Italienisch gelesen zu haben, will ich mit der Bewertung mal etwas großzügiger sein: 3,5 Sterne
Annetta wächst in den 70er Jahren auf Sizilien auf. Ihr größter Wunsch ist es, Hosen tragen zu dürfen, das ist ihr sogar wichtiger, als ihren Traummann zu finden. Das ist auch kein Wunder, denn von den Männern erfährt sie nur Verachtung und Unterdrückung, ihr Vater und ihr Bruder nehmen Frauen nicht als Personen wahr, sondern halten sie für Untergeordnet. Häusliche Gewalt ist an der Tagesordnung. Annetta versucht, diesem Leben zu entfliehen...
Meine Meinung
Vorweg muss ich sagen, dass ich das Buch auf Italienisch gelesen habe und deshalb vielleicht nicht alles zu 100% verstanden habe.
Vor allem am Anfang fand ich das Buch sehr witzig und gar nicht so, wie ich es erwartet hätte. Annettas Versuche und Herangehensweisen, um endlich Hosen tragen zu dürfen, sind sehr absurd und waren amüsant zu lesen.
Im Laufe des Buches bleibt einem das Lachen aber im Halse stecken. Man erfährt eine überraschende Tatsache aus Annettas Vergangenheit, die ihr Verhalten allerdings gut erklärt.
Egal was Annetta erzählt, ihr Ton ist eher gleichgültig und auch ihr Verhalten bleibt die meiste Zeit sehr passiv. Das kann man als "moderne Frau" nicht ganz verstehen, auch wenn ihr Hintergrund und ihr Umfeld ganz anders sind, als unseres heute. Am Anfang hatte ich noch mehr das Gefühl, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nimmt, doch gegen Ende wird sie immer passiver.
Das Buch ist sehr aufwühlend und gibt ganz andere Einblicke in das Italien der 70er Jahre als zumindest ich sie erwartet hätte. Teilweise war Annettas Geschichte sehr bedrückend zu lesen und auch das Ende hat mich nicht gerade begeistert.
Allgemein hat das Buch mich aber ganz gut unterhalten und es war durchaus interessant. Und da ich stolz auf mich bin, das erste richtige Buch auf Italienisch gelesen zu haben, will ich mit der Bewertung mal etwas großzügiger sein: 3,5 Sterne
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3 Schafe,
Weltliteratur
Montag, 1. Februar 2010
Januar 2010
Katharina Hagena - Der Geschmack von Apfelkernen 3,5/5
Ganz nette Unterhaltung, ein leicht zu lesender Familienroman, aber die ganz große Begeisterung blieb aus.
Jean G. Goodhind - Dinner für eine Leiche 2/5
Und gleich am Anfang des Jahres war auch ein Flop dabei. Total alberner und unglaubhafter Krimi mit nerviger Hauptfigur.
Friedrich Schiller - Die schönsten Gedichte 4/5
Ein kleines Büchlein mit Gedichten kann man gut mal zwischendurch lesen und war auch unterhaltsam.
Imre Kertész - Liquidation 4,5/5
Sprachlich und inhaltlich einfach überzeugend. Ich will auf jeden Fall noch mehr von Kertész lesen!
Joanne Harris - Denk an mich in der Nacht 3/5
Ein etwas anderer Vampirroman, leider ist die Umsetzung nicht so gelungen.
Szczypiorski, Andrzej - Die schöne Frau Seidenman 3/5
Polen zur Zeit der Judenverfolgung, interessante Erzählstruktur, aber dann doch zu verwirrend und irgendwie auch langweilig.
Aravind Adiga - The White Tiger 4/5
Interessantes Buch, das in Indien spielt und viele interessante Einblicke in das Land gibt. Erzählt wird die Geschichte mit viel Humor und Ironie
Vladimir Nabokov - Einladung zur Enthauptung 4/5
Ein faszinierendes Buch, wenn auch etwas verwirrend und sehr absurd...
Ganz nette Unterhaltung, ein leicht zu lesender Familienroman, aber die ganz große Begeisterung blieb aus.
Jean G. Goodhind - Dinner für eine Leiche 2/5
Und gleich am Anfang des Jahres war auch ein Flop dabei. Total alberner und unglaubhafter Krimi mit nerviger Hauptfigur.
Friedrich Schiller - Die schönsten Gedichte 4/5
Ein kleines Büchlein mit Gedichten kann man gut mal zwischendurch lesen und war auch unterhaltsam.
Imre Kertész - Liquidation 4,5/5
Sprachlich und inhaltlich einfach überzeugend. Ich will auf jeden Fall noch mehr von Kertész lesen!
Joanne Harris - Denk an mich in der Nacht 3/5
Ein etwas anderer Vampirroman, leider ist die Umsetzung nicht so gelungen.
Szczypiorski, Andrzej - Die schöne Frau Seidenman 3/5
Polen zur Zeit der Judenverfolgung, interessante Erzählstruktur, aber dann doch zu verwirrend und irgendwie auch langweilig.
Aravind Adiga - The White Tiger 4/5
Interessantes Buch, das in Indien spielt und viele interessante Einblicke in das Land gibt. Erzählt wird die Geschichte mit viel Humor und Ironie
Vladimir Nabokov - Einladung zur Enthauptung 4/5
Ein faszinierendes Buch, wenn auch etwas verwirrend und sehr absurd...
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Monatsrückblick
Dienstag, 19. Januar 2010
Vladimir Nabokov - Einladung zur Enthauptung
Der erste Satz: Wie das Gesetz es vorschrieb, wurde Cincinnatus C. das Todesurteil im Flüsterton mitgeteilt.
Schon dieser erste Satz sagt viel über diesen Roman aus. Er gibt einen Vorgeschmack auf die Handlung und deutet an, in was für einer absurden, verrückten Welt Cincinnatus lebt, in der es Gesetze gibt, die vorschreiben, dass ein Todesurteil dem Verurteilten im Flüsterton mitgeteilt werden muss.
Cincinnatus C. wurde verurteilt wegen Opazität, er ist zu undurchsichtig und eigensinnig für die Welt in der er lebt. Von dem fiktiven totalitären Staat, in dem der Roman spielt, erfährt man als Leser recht wenig, die Welt außerhalb der Gefängnismauern spielt keine große Rolle, zumal sich auch die Frage stellt, ob diese Welt überhaupt real ist.
Handlung gibt es nur sehr wenig, Cincinnatus sitzt als einziger Gefangener in einer riesigen Festung und wartet auf seine Hinrichtung, doch der Zeitpunkt wird ihm nicht verraten. Sporadisch hat er Besuch vom Gefängnisdirektor, seinem Anwalt, dem Wärter Rodion, später kommt noch sein Zellennachbar M'sieur Pierre dazu. Trotz der wenigen Handlung wird das Buch nie langweilig und ist interessant zu lesen (vor allem Cincinnatus' Gedanken).
Absurd ist noch gar kein Ausdruck für das, was man hier zu lesen kriegt. Eine wunderliche Szene jagt die nächste und manchmal weiß man als Leser gar nicht mehr, was man überhaupt noch glauben soll. Mir fiel es teilweise schwer, die seltsamen und skurrilen Gedankengängen nachzuvollziehen und oft driftet die Handlung so sehr ins Absurde ab, dass ich nicht mehr folgen konnte.
Allgemein hat mir das Buch aber gut gefallen: 4 Sterne
Schon dieser erste Satz sagt viel über diesen Roman aus. Er gibt einen Vorgeschmack auf die Handlung und deutet an, in was für einer absurden, verrückten Welt Cincinnatus lebt, in der es Gesetze gibt, die vorschreiben, dass ein Todesurteil dem Verurteilten im Flüsterton mitgeteilt werden muss.
Cincinnatus C. wurde verurteilt wegen Opazität, er ist zu undurchsichtig und eigensinnig für die Welt in der er lebt. Von dem fiktiven totalitären Staat, in dem der Roman spielt, erfährt man als Leser recht wenig, die Welt außerhalb der Gefängnismauern spielt keine große Rolle, zumal sich auch die Frage stellt, ob diese Welt überhaupt real ist.
Handlung gibt es nur sehr wenig, Cincinnatus sitzt als einziger Gefangener in einer riesigen Festung und wartet auf seine Hinrichtung, doch der Zeitpunkt wird ihm nicht verraten. Sporadisch hat er Besuch vom Gefängnisdirektor, seinem Anwalt, dem Wärter Rodion, später kommt noch sein Zellennachbar M'sieur Pierre dazu. Trotz der wenigen Handlung wird das Buch nie langweilig und ist interessant zu lesen (vor allem Cincinnatus' Gedanken).
Absurd ist noch gar kein Ausdruck für das, was man hier zu lesen kriegt. Eine wunderliche Szene jagt die nächste und manchmal weiß man als Leser gar nicht mehr, was man überhaupt noch glauben soll. Mir fiel es teilweise schwer, die seltsamen und skurrilen Gedankengängen nachzuvollziehen und oft driftet die Handlung so sehr ins Absurde ab, dass ich nicht mehr folgen konnte.
Allgemein hat mir das Buch aber gut gefallen: 4 Sterne
Samstag, 16. Januar 2010
Aravind Adiga - Der weiße Tiger
Der Autor
Aravind Adiga wurde 1974 in Chennai, Indien geboren. Er arbeitet als Journalist und Schriftsteller. Sein erster Roman, "Der weiße Tiger", gewann 2008 den Booker Prize
Inhalt
Balram Halwai schreibt in sieben aufeinanderfolgenden Nächten Briefe an den Premierminister Chinas, in denen er ihm das Leben in Indien erklärt und gleichzeitig seine eigene Geschichte erzählt, wie er von einem Sklaven zu einem reichen Mann mit einer eigenen Firma wurde.
Meine Meinung
Balram Halwai ist sicherlich kein großer Sympathieträger, sondern ein rücksichtsloser Geschäftsmann, der nur an sich selbst denkt und dabei weder Rücksicht auf seine Familie nimmt, noch auf seinen gutmütigen Arbeitgeber, durch den es ihm erst möglich war, aus seinem Geburtsort zu entfliehen und nach Delhi zu kommen. Und doch erzählt er sehr spannend und mitreißend und immer mit einem leicht ironischen Unterton seine Geschichte.
Durch die Tatsache, dass der Erzähler an einen Ausländer, in diesem Fall den Premierminister von China, schreibt, wird auch uns als Leser viel erklärt, was wir noch nicht über Indien wussten. Sei es über das Kastenwesen, die verschiedenen Religionen oder die Demokratie, die in Indien etwas anders funktioniert, als bei uns im Westen.
Aravind Adiga zeichnet ein Bild von Indien, das nicht ganz mit der glitzernden, schillernden bunten Welt von Bollywood übereinstimmt. Balram Halwai ist dabei einer der wenigen, der vom "Indien der Dunkelheit", der Welt der Sklaven, Armut, Prostitution, in das "Indien des Lichts" gelangen kann, in die Welt der Reichen, in die Welt derer, die genug Geld haben, um durch Bestechung alle auf ihre Seite zu ziehen.
Fazit: Ein interessantes Buch für alle, die sich für Indien interessieren und eine etwas andere "vom Tellerwäscher zum Millionär"-Geschichte lesen wollen.
4 Sterne
Aravind Adiga wurde 1974 in Chennai, Indien geboren. Er arbeitet als Journalist und Schriftsteller. Sein erster Roman, "Der weiße Tiger", gewann 2008 den Booker Prize
Inhalt
Balram Halwai schreibt in sieben aufeinanderfolgenden Nächten Briefe an den Premierminister Chinas, in denen er ihm das Leben in Indien erklärt und gleichzeitig seine eigene Geschichte erzählt, wie er von einem Sklaven zu einem reichen Mann mit einer eigenen Firma wurde.
Meine Meinung
Balram Halwai ist sicherlich kein großer Sympathieträger, sondern ein rücksichtsloser Geschäftsmann, der nur an sich selbst denkt und dabei weder Rücksicht auf seine Familie nimmt, noch auf seinen gutmütigen Arbeitgeber, durch den es ihm erst möglich war, aus seinem Geburtsort zu entfliehen und nach Delhi zu kommen. Und doch erzählt er sehr spannend und mitreißend und immer mit einem leicht ironischen Unterton seine Geschichte.
Durch die Tatsache, dass der Erzähler an einen Ausländer, in diesem Fall den Premierminister von China, schreibt, wird auch uns als Leser viel erklärt, was wir noch nicht über Indien wussten. Sei es über das Kastenwesen, die verschiedenen Religionen oder die Demokratie, die in Indien etwas anders funktioniert, als bei uns im Westen.
Aravind Adiga zeichnet ein Bild von Indien, das nicht ganz mit der glitzernden, schillernden bunten Welt von Bollywood übereinstimmt. Balram Halwai ist dabei einer der wenigen, der vom "Indien der Dunkelheit", der Welt der Sklaven, Armut, Prostitution, in das "Indien des Lichts" gelangen kann, in die Welt der Reichen, in die Welt derer, die genug Geld haben, um durch Bestechung alle auf ihre Seite zu ziehen.
Fazit: Ein interessantes Buch für alle, die sich für Indien interessieren und eine etwas andere "vom Tellerwäscher zum Millionär"-Geschichte lesen wollen.
4 Sterne
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