Montag, 24. März 2008

Andreas Steinhöfel - Der mechanische Prinz

Inhalt
Max ist ein Egalkind, er ist seinen Eltern egal, sie kümmern sich nicht um ihn, vergessen seinen Geburtstag, kaufen ihm keine passende Kleidung und bemerken nicht einmal, wenn Max ihnen an einem Samstag sagt, dass er zur Schule geht, weil sie den ganzen Tag streiten und mit sich selbst beschäftigt sind. An eben diesem Samstag begegnet Max einem einarmigen Bettler, der ihm ein goldenes Ticket für die U-Bahn schenkt, mit dem er "überall aussteigen" kann. Er versteht zuerst nicht, was damit gemeint ist, findet dann aber den Weg in die Refugien, in denen er gegen seine Ängste und Probleme ankämpfen muss und dem mechanischen Prinzen begegnet...

Meine Meinung
Ich fand das Buch spannend und es hat größten Teils Spaß gemacht, es zu lesen. Einige Ideen fand ich sehr toll, zum Beispiel, dass man mit der U-Bahn in die Refugien gelangen kann. Ich bin schon immer sehr gerne U-Bahn gefahren und konnte Max sehr gut verstehen. Allerdings werde ich nach dieser Lektüre die U-Bahn mit anderen Augen sehen ;-)
Anfangs fand ich es sehr witzig, dass der Autor sich selbst in die Geschichte mit eingebaut hat und dem Leser den Eindruck vermittelt, dass er nur die wahre Geschichte, die Max ihm erzählt hat, aufschreibt. Bald hat mich genau das aber etwas gestört. Ich fand es nicht sonderlich witzig, dass ein Kinder-und Jugendbuchautor sich ständig über Kinder beschwert, diese als lästig dumm und ungebildet darstellt und dies natürlich genau an den Stellen der Geschichte einbauen muss, in denen es endlich mal etwas spannend ist. Stellenweise fand ich die Geschichte eher langatmig und habe nur darauf gewartet, dass endlich mal wieder was passiert. Wie zum Beispiel bei der endlosen Wanderung durch das letzte Refugium.
Auch die Sprache hat mich öfter mal verwundert. Vieles wirkt einfach zu übertrieben.
Zitat:
Er hob eine Hand vor Augen und sah: nichts. Er spürte Boden unter den Füßen aber seine Füße waren verschwunden. Das ist es, was Blinde sehen, wenn sie Angst haben, schoss es ihm durch den Kopf
Ich habe mir bisher in meinem Leben noch keine Sekunde darüber Gedanken gemacht, was Blinde sehen, wenn sie Angst haben und kann mir nicht vorstellen, dass ein Elfjähriger so etwas denken würde. Und es gab viele Stellen im Buch, über die ich ähnliche Gedanken hatte.
Insgesamt fand ich das Buch stellenweise spannend. Die Idee ist genial, aber man hätte meiner Meinung nach mehr daraus machen können. Besonders begeistert hat mich das Buch nicht, aber es war durchaus nett zu lesen.

3 Sterne

Mittwoch, 5. März 2008

Gustaf Sobin - Der Trüffelsucher

Klappentext
Philippe Cabassac ist ein einsamer Mann, der nur eine Leidenschaft kennt: die alte provencalische Sprache, ein aussterbender Dialekt des Französischen. Er ist Professor an der Universität von Aix-en-Provence, und ihm gehört ein Anwesen in der Nähe der Stadt, das schon seit Generationen in der Familie ist. So lebt er dahin, bis im Hörsaal eine junge Frau auftaucht, die ihn fasziniert - Julieta, ein hochgewachsenes Mädchen mit schimmerndem schwarzem Haar. Sie teilt seine Leidenschaft für das Provencalische, und bald machen die beiden Exkursionen in die Haute-Provence, um Sprachfetzen zu sammeln, linguistische Eigenheiten, die nur noch die Alten in den Dörfern kennen und die Philippe und Julieta vor dem Vergessen bewahren wollen. Philippe verliebt sich in die immer distanzierte, merkwürdig einsame und unabhängige Julieta, er nimmt sie in seinem großen verfallenden Bauernhaus auf, in dem er allein mit seiner alten Tante, Miréio, wohnt. Julieta stellt fest, dass sie schwanger ist, aber nach einer kurzen Zeit des Glücks verliert sie das Kind und stirbt bald darauf. Philippe ist untröstlich, er versinkt in Apathie, bis er merkt, dass er jedesmal nach dem Geuß einer Trüffel von seiner geliebten Julieta träumt. Sein Traum überwältigt die Realität. Er wird zum besessenen Trüffelsucher.

Meine Meinung
Schon lange habe ich kein so seltsames Buch mehr gelesen. Der erste Teil ist noch schön, man fiebert mit bei der sich anbahnende Liebe zwischen den ungleichen Partnern, dem alten Einzelgänger und der jungen schönen Studentin. Aber man ahnt, bzw. weiß bereits, dass das Unheil nicht lange auf sich warten lässt.

Die Hauptpersonen sind und blieben mir fremd, ich konnte keinen einzigen Gedanken, keine Handlung nachvollziehen. Allein schon Julieta strotzt nur vor Seltsamkeit. Erst recht ihr Verhalten in der Beziehung ist mir ein Rätsel. Beide scheinen ihre Vergangenheit durch den Partner verarbeiten oder verdrängen zu wollen, was natürlich scheitern muss. Die Tragik lässt einen Mitfühlen, aber Philippe wird immer verrückter und weltfremder, was mich doch nur wieder abgeschreckt hat.

Im letzten Teil driftet die Handlung immer mehr in mir unverständliche Regionen ab und auch das Ende ist mir nicht ganz klar.
Allein die wundervolle Sprache hat mir Freude gemacht. Das Buch ist sehr poetisch, sehr blumig geschrieben und es macht viel Spaß es zu lesen, auch wenn der Inhalt nicht nach meinem Geschmack war.
3 Sterne

Noel Streatfeild - Ballet Shoes

Inhalt
Great Uncle Matthew, der von allen nur "Gum" genannt wird, sammelt eigentlich Fossilien, doch als das Haus langsam zu voll wird, verlegt er sich darauf, Waisenkinder zu "sammeln". Und so kommen Pauline, Petrova und Posy in das Haus in der Cromwell Road, wo sich Gums Nichte Sylvia und das Kindermädchen Nana um die drei kümmern.
Die Kinder werden auf eine Balletschule geschickt, mit unterschiedlichem Erfolg. Pauline hat eher das Talent zur Schauspielerin, Posy ist die geborene Tänzerin, nur Petrova würde lieber Automechanikerin werden.

Meine Meinung
Man muss sich nicht für Ballet interessieren, um dieses Buch zu lieben. Es geht um viel mehr als nur Ballet, die Kindheit in London vor dem zweiten Weltkrieg, Familienzusammenhalt und Geschwisterliebe. Das Buch ist wirklich bezaubernd, es liefert viele Details über die 3 Hauptpersonen, die sehr unterschiedlich sind, so dass jede Leserin einen Liebling finden wird, in den man sich hineinversetzen kann.

Auch wenn im Buch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, hinterlässt es doch eine schöne, positive Stimmung, es gibt keine "bösen" Menschen, gestritten wird selten und alle Probleme werden gelöst, indem die ganze Familie zusammenhält.

Die Geschichte zieht sich zwar durch das ganze Buch, aber auch die einzelnen Kapitel sind in sich abgeschlossen und es sind oft größere Zeitsprünge zwischen den Kapiteln, so dass auch kleinere Kinder, die noch kein 200-Seiten-Buch am Stück lesen können, ihre Freude daran haben werden. Auch die Sprache ist einfach und auch für kleinere Kinder verständlich, mit Ausnahme einiger altmodischer Ausdrücke.

Leider leider leider gibt es dieses Buch nicht auf deutsch, ich würde es sofort allen Kindern, Müttern, oder einfach allen, die gerne mal ein nettes Kinderbuch lesen, empfehlen!
Hätte ich dieses Buch als Kind schon gehabt, ich hätte es sicher hunderte Male gelesen. Für Erwachsene ist es zwar immer noch nett zu lesen, allerdings stellenweise etwas langatmig und zu Detailverliebt.

5 Sterne für Kinder
4 Sterne für Erwachsene