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Freitag, 26. Dezember 2008

Joel Haahtela - Sehnsucht nach Elena

Inhalt:

Ein Mann, über den man erst nach und nach mehr erfährt, sieht im Park eine junge Frau, will mehr über sie wissen und sie immer wieder sehen. In kurzen Kapiteln erfährt der Leser von seinen Begegnungen mit Elena und Gedanken die er sich über sie oder sein Leben macht.

Meine Meinung:

Zur Handlung lässt sich nicht viel mehr sagen, ohne zu viel zu verraten. "Sehnsucht nach Elena" ist ein Buch, das nicht viel Handlung braucht um eine Botschaft zu vermitteln. Zwischendurch war ich kurz am Zweifeln, ob das Buch nicht doch einfach eine langweilige Geschichte über einen gemeingefährlichen Stalker ist, aber ich wurde eines besseren belehrt und die Zweifel waren überflüssig. Langweilig ist diese Geschichte trotz der wenigen Handlung nie und auch der Erzähler ist sicher kein Stalker im herkömmlichen Sinn.

Dieses Buch ist wunderbar poetisch geschrieben, es lädt zum Nachdenken und zum Träumen ein. Trotz der kurzen Kapitel, oder gerade deshalb, lässt das Buch sich schnell und flüssig lesen. Ich würde allerdings empfehlen, es nicht zu schnell durchzulesen, sondern sich immer wieder die Zeit zu nehmen um über das gelesene nachzudenken, dann kann man das Buch noch mehr genießen und in sich aufnehmen.

Es fällt mir sehr schwer, meine Begeisterung für dieses Buch in Worte zu fassen, deshalb möchte ich abschließend nur noch sagen, dass es für mich ein ganz besonderes Buch war, das ich jedem ans Herz legen möchte.

5 Sterne

Montag, 1. Dezember 2008

November 2008

Stepen King - Das Mädchen 3/5
Ich fand das Buch ganz nett, werde aber trotzdem nichts mehr von Stephen King lesen. Das Buch war mir schon zu gruselig und die anderen sind ja wohl weitaus gruseliger...

Tschingis Aitmatow - Aug in Auge 4/5

Pierre Choderlos de Laclos - Gefährliche Liebschaften 3/5

Siri Hustvedt - The Enchantment of Lily Dahl 4/5

Gabriel García Márquez - Chronik eines angekündigten Todes 2/5

Calderón de la Barca - Das Leben ist ein Traum 4/5

Marcel Magis - Mein Leben mit Mitsu 5/5

Sándor Márai - Die Nacht vor der Scheidung 3/5

Sue Townsend - The secret diary of Adrian Mole aged 13 3/4 4/5

Ulf Danielsson - Physik für Poeten 4/5

Banana Yoshimoto - Kitchen 4,5/5
Banana Yoshimoto - Tsugumi 5/5
Die beiden Bücher von Banana Yoshimoto waren meine Lesehighlights des Monats! Ihr Stil gefällt mir sehr gut und wie sie den Umgang von jungen Menschen mit Trauer und dem Verlust geliebter Personen beschreibt. Wunderbar Melancholisch und einfach nur schön!

Anne Haverty - Ein Tag als Tiger 2/5
Nicht sehr gelungene Liebesgeschichte über einen jungen Mann, der seine Stelle an der Universität aufgibt um der Frau seines Bruders nahe zu sein, in die er schon lange verliebt ist. Die Übersetzung ist auch nicht sehr gelungen...

Freitag, 14. November 2008

Ulf Danielsson - Physik für Poeten

Klappentext
Haben Sie gewusst, dass man durch die Spiegelwelten in Lewis Carrol's Alice im Wunderland einen guten Einblick in quantenmechanische Theorien bekommt? Dass man eine sehr verständliche Erklärung für das physikalische Phänomen der schwarzen Löcher erhält, wenn man C.S.Lewis und seine Bücher über das Land Narnia liest? Oder dass Marcel Proust in Auf der Suche nach der verlorenen Zeit Aufschluss gibt über die Aufhebung von Zeit und Raum? Mit literarischen und anderen spielerischen Erklärungen von physikalischen Phänomenen und Theorien lässt uns Physik für Poeten die Welt neu begreifen.

Meine Meinung
Das ist leider wieder mal so ein Fall, wo der Klappentext falsche Erwartungen weckt. Ich habe von dem Buch erwartet, dass es zwei meiner Interessen in Verbindung bringt, Literatur und Physik. Dies ist hier allerdings nicht der Fall, literarische Werke werden nur selten erwähnt, meistens dienen kurze Zitate oder Inhaltszusammenfassungen auch nur als Einleitung oder Hinführung zu einem physikalischen Problem und stehen oft in keinem direkten Zusammenhang. Trotzdem habe ich hiermit ein sehr interessantes Buch über Physik gelesen, dass ich auch allen empfehlen kann, die Physik in der Schule doof und langweilig fanden.

Das Buch bietet einen sehr guten Überblick über die Physik, angefangen von der Antike bis zur heutigen Zeit wird die Veränderung unseres Weltbildes beleuchtet und wie sich die Physik in dieser Zeit entwickelt hat, allerdings ohne auf eine chronologische Abfolge oder Vollständigkeit einen Anspruch zu erheben. Es werden interessante und wissenswerte Themen für den Nicht-Physiker herausgegriffen. Berühmte Forscher werden vorgestellt, auch ihre Irrtümer und falschen Annahmen werden nicht vorenthalten und es gibt auch die ein oder andere witzige Anektdote zu lesen.

Der Autor schreckt nicht davor zurück, auch komplizierte und sehr abstrakte physikalische Konzepte einzuführen und dem Leser näherzubringen. Zum Beispiel die allgemeine Relativitätstheorie, die Krümmung der Raum-Zeit und auch das Phänomen der Schwarzen Löcher wird sehr verständlich erklärt. Das Kapitel über die String-Theorie ist da eine andere Sache, obwohl ich selbst Physik studiere habe ich davon nicht viel verstanden und finde es etwas überflüssig, so etwas in einem populärwissenschaftlichen Buch erklären zu wollen. Allerdings scheint das ja Daniellsons Spezialgebiet zu sein, da ist es schon verständlich, dass er es auch in seinem Buch einbringen wollte.

Allgemein kann ich die Verständlichkeit nicht so gut beurteilen, da ich wie gesagt Physik studiere und die meisten Dinge schon in einer etwas tiefergehenden Form an der Uni gelernt habe. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass Danielsson sich Mühe gibt, alles auch für den Laien verständlich zu machen. Seine Vergleiche und Beispiele sind meistens sehr gut gewählt und bringen ohne komplizierte Formulierungen oder mathematische Formeln Licht ins Dunkel.

Für ein Sachbuch ist "Physik für Poeten" wirklich außerordentlich spannend, die Kapitel sind in kurze Unterkapitel geteilt, die Themen sind vielfältig und interessant gewählt, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Buch vielen Menschen einen ganz anderen Eindruck von Physik vermittelt. Physik kann auch wirklich spannend sein, ehrlich!

Ich ziehe eine Ratte ab für den fehlenden literarischen Bezug, der einem durch den Titel und den Klappentext vorgetäuscht wird, und für das zu komplizierte Kapitel über die String-Theorie. Ansonsten ist das Buch sehr zu empfehlen

4 Sterne

Mittwoch, 12. November 2008

Sándor Márai - Die Nacht vor der Scheidung

Dieses Buch hat einen meiner Meinung nach falschen Klappentext, was mir den Spaß an der Lektüre durch falsche Erwartungen etwas kaputt gemacht hat.

Klappentext
Es ist die Nacht vor der Scheidung, in der der angesehene Budapester Arzt Imre Greiner seinen Freund aus Jugendzeiten, den Richter Kömüves, um ein dringendes Gespräch bittet. Nur von ihm glaubt er Antwort auf eine entscheidende Frage zu erhalten. Obsession un dexistentielle Einsamkeit, emotionale Nähe und der Zerfall einer Lebensordnung - unter der Vorahnung des Zweiten Weltkriegs verbinden sich die Schicksale dreier Menschen auf tragische Weise.

Ich erwartete also ein emotionales Gespräch zwischen zwei Freunden, die ein noch unbekanntes dramatisches Geschehen besprechen wollen. Allerdings muss man sich mehr als die Hälfte des Buches durch die Lebensgeschichte des Richters wühlen, bis Imre Greiner erst einmal auftaucht. Diese Lebensgeschichte ist sicher nicht schlecht erzählt, sie hat mich allerdings an manchen Stellen leicht gelangweilt.

Als das Gespräch zwischen den beiden, für die die Bezeichnung "Freund" wohl mehr als übertrieben ist, endlich stattfindet, wurde es zwar etwas interessanter, allerdings waren mir diese Gedanken und Probleme des Arztes derart fremd und nicht nachvollziehbar, so dass ich das Buch wieder nicht uneingeschränkt genießen konnte.

Stil und Sprache haben mir hingegen sehr gut gefallen, das Buch lässt sich leicht lesen, aber trotzdem ist die Sprache schön und poetisch. Vielleicht werde ich bei Gelegenheit ein anderes Buch von Sándor Márai lesen, auch wenn mich dieses nicht vollkommen überzeugt hat.

3 Sterne

Dienstag, 11. November 2008

Marcel Magis - Mein Leben mit Mitsu

Mein Leben mit Mitsu war für mich ein ganz besonderes Buch. In kurzen Episoden erfährt man von einem Ich-Erzähler über seine Beziehung mit Mitsu. Diese Geschichte ist sehr melancholisch, vor allem der Teil "Geschichten aus Mitsus Welt", die ich als Erinnerungssplitter an die vergangene Beziehung mit Mitsu interpretiert habe. Dieser Teil hat mich teilweise traurig gemacht, ließ mich an eigene gescheiterte Beziehungen denken, hat mich aber auch zum lachen gebracht.

In diesem kleinen Büchlein stecht so viel Weisheit, so viele interessante Gedanken über die Liebe und das Leben, ich bin überzeugt davon, dass man immer wieder etwas neues entdecken kann, egal wie oft man es liest. So geht es mir übrigens auch mit den Illustrationen, ich finde sie sehr gelungen und auch auf diesen Bildern von Mitsu kann man immer wieder ein kleines Detail entdecken, das man zuvor übersehen hat.

Leider hat man das Buch viel zu schnell durchgelesen, ich war direkt traurig, als ich umgeblättert habe und entdecken musste, dass ich schon beim Epilog angelangt bin. Allerdings werde ich es sicher nochmal lesen und ich habe auch richtig Lust auf japanische Literatur bekommen.

5 Sterne

Mittwoch, 5. November 2008

Gabriel Garcia Márquez - Chronik eines angekündigten Todes

Eine interessante Idee steckt schon hinter dieser "Chronik eines angekündigten Todes" , zwei Brüder wollen die Ehre ihrer Schwester retten und beschließen, Santiago Nasar, der angeblich ihre Schwester schon vor deren Hochzeit verführt hat, zu töten. Eigentlich würden sie sich zu gerne von diesem Vorhaben abbringen lassen und kündigen in der ganzen Stadt ihre Tat an, doch das Opfer wird zu spät gewarnt.

In 5 Kapiteln werden 5 verschiedene Gesichtspunkte dieses Mordes beleuchtet und die Ansichten verschiedener Menschen erzählt. Ein Ich-Erzähler berichtet Jahre nach dem Mord sehr detailiert vom Tathergang.

Leider kann ich mit dem Stil von Gabriel García Márquez nichts anfangen, er beschreibt vieles zu genau, für diesen kurzen Roman kommen viel zu viele Personen vor, auch ihre Beziehungen untereinander, ihre familiären Umstände etc. werden genau beleuchtet. Man kann sich kaum merken, wer wer ist und wer zu wem in welcher Beziehung steht, auch wenn man den Roman in kurzer Zeit durchliest. Auch andere Dinge waren mir zu viel, ich muss in so einer kurzen Geschichte nicht das genaue Aussehen der Häuser, deren Grundriss, die Kleidung der Personen erfahren, dadurch wird die Geschichte nur unnötig in die Länge gezogen und war mir zu langweilig.

Auch die unnötig blutige Beschreibung des Mordes inklusive heraushängender Gedärme und die genaue Aufzählung aller Verletzungen Santiago Nasars war mir etwas zu viel.

Ich fand die Idee hinter diesem Buch wirklich sehr gelungen, doch mit der Umsetzung hatte ich so meine Probleme.

2 Sterne

Sonntag, 2. November 2008

Tschingis Aitmatow - Aug in Auge

Inhalt
Als der Militärzug mitten in der Nacht bei der kleinen kirgisischen Bahnstation anhält, löst sich ein Schatten von einem Waggon. Ismail ist als Deserteur heimlich von der Front zurückgekehrt. Sejde will zu ihm halten. Welche Frau hat in diesen Tagen schon das Glück, ihren Mann bei sich zu haben! Sie versteckt ihn un dbietet dem ganzen Dorf und den Polizeikommissaren die Stirn. Im tiefsten Winter schleppt sie Nahrung in die Berge, wo sie selbst und das ganze Dorf doch Hunger leiden. Aber Furcht, Existenznot und Mißtrauen verändern den Menschen. Etwas Ungutes taucht in den Tiefen von Ismails Augen auf.

Meine Meinung
Nach dem Klappentext hatte ich eine Geschichte über den Krieg erwartet und Ismail im Mittelpunkt des Geschehens, doch so ist es nicht. "Aug in Auge" erzählt vielmehr die Geschichte von starken Frauen, die in diesem harten Winter versuchen zu überleben. Sejde ist nicht die einzige, die es schwer hat, sie muss sich um ihre Schwiegermutter und ihr Kind kümmern und auch noch Ismails Geheimnis für sich behalten und Essen für ihn besorgen. Doch auch die Nachbarin Totoi hat schwer zu kämpfen, ihr Mann ist im Krieg gefallen und sie muss sich um drei hungrige Kinder kümmern. Doch diese Frauen leben trotz all der widrigen Umstände für ihre Familien, opfern sich auf.

Die Sprache ist einfach, klar verständlich und doch stimmungsvoll, Sejdes und Ismails Geschichte wird ruhig erzählt, ohne dramatische Ereignisse und unnötige Übertreibungen. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und es hat mir sehr gut gefallen, auch wenn mich das Ende etwas unbefriedigt zurücklässt.

Es war interessant, in diese fremde Welt und diese fremde Zeit einzutauchen, von einem Land zu lesen, über das ich bisher kaum etwas wusste. Das Buch hat mir Lust gemacht, noch mehr von Tschingis Aitmatow zu lesen!

4 Sterne

Pierre Choderlos de Laclos - Gefährliche Liebschaften

Ich habe das Buch jetzt auch endlich gelesen, lange stand es auf meiner Wunschliste, lange hatte ich es auf meinem SUB und am Ende bin ich etwas enttäuscht davon.

Quälend langsam und fast unmerklich schreitet die Handlung voran, vor allem die Briefe zwischen Valmont und Frau von Tourvel drehen sich unendlich lange im Kreis ohne dass man als durchschnittlich aufmerksamer Leser irgendeine Veränderung erkennen kann. Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich mich in das Buch eingelesen hatte, obwohl ich vorher den Film gesehen hatte und mir die Handlung schon grundlegend bekannt war. Ab der Hälfte hatte ich das Gefühl, dass langsam Spannung aufkommt und das Buch mich etwas mitreißt, doch leider ist das alles sehr schnell wieder abgeflaut.

Ein Buch über Menschen, die nichts zu tun haben und deren einzige Freude am Leben es zu sein scheint, Intrigen zu spinnen und andere Menschen möglichst dauerhaft zu vernichten, das ist nun wirklich nichts, mit dem ich nochmal meine Zeit vergeuden würde.

Sprachlich dagegen ist das Buch wirklich genial, Briefromane an sich gefallen mir ja meistens nicht so gut, aber hier hat jeder Briefeschreiber seinen ganz eigenen, wiedererkennbaren Stil, sei es die naive Cécile, die schreibt was ihr gerade durch den Kopf geht, oder die durchtriebene Marquise von Merteuil, bei der man oft zwischen den Zeilen lesen muss, um herauszufinden, was sie wirklich sagen will.

Faszinierend ist auch, wie die Beziehungen zwischen den einzelnen Menschen und die unterschiedlichsten Pläne und Ziele doch am Ende zu dem einen Punkt am Ende zusammenlaufen, an dem die endgültige Zerstörung aller steht.

3 Sterne

Samstag, 1. November 2008

Oktober 2008

Und hier meine Liste von Oktober 2008:

William Horwood - Winter in den Weiden 4/5
Gelungene Fortsetzung des Kinderbuch-Klassikers von Kenneth Grahame

Virginia Woolf - Orlando 1/5

Cornelia Funke - Tintenherz 4/5
Sehr fantasievolles und gelungenes Kinderbuch, an manchen Stellen zu "kindlich"

Delphine de Vigan - No & ich 5/5
Ein sehr gelungenes Jugendbuch über die hochbegabte Lou, die einer jungen Obdachlosen helfen will. Leider erscheint das Buch erst nächstes Jahr, ich durfte es schon jetzt testlesen und war restlos begeistert!

Dorothy Parker - New Yorker Geschichten 4/5
Viele tolle Kurzgeschichten!

Sergio Bambaren - Die Bucht am Ende der Welt 2/5
Viel zu dick aufgetragen und mit Lebensweisheit vollgestopft.

Judith Lennox - Das Haus in den Wolken 3/5
Nette Familiengeschichte im Schnelldurchlauf, teilweise zu vorhersehbar...

Javier Marías - Während die Frauen schlafen 4/5
Gelungene Kurzgeschichten von einem meiner Lieblingsautoren. Nur die letzte Geschichte war etwas seltsam.

Alexa Henning von Lange - Relax 3/5
Eine nette Idee, eklige Szenen, viel Sex, viele Drogen, teilweise ganz unterhaltsam.

William Kowalski - Eddies Bastard 5/5
Großvater findet seinen unehelich geborenen Enkel vor seiner Haustür und zieht ihn groß. Klingt langweilig, ist aber ein ganz besonderes Buch über Familie, Freundschaft und vieles mehr.

Henrik Ibsen - Peer Gynt 4/5

Sergej Lukianenko - Wächter des Zwielichts 4/5

Stephen King - Das Mädchen

Ich habe das Buch gerade beendet und fand es ganz nett. Ich habe vorher nie was von Stephen King gelesen und werde wahrscheinlich nicht noch ein Buch von ihm lesen. Nicht weil ich dieses schlecht fand, sondern weil ich weiß, dass seine anderen Bücher deutlich gruseliger sind.

Trisha fand ich gut dargestellt, ich glaube auch nicht, dass sie für eine neunjährige zu viel wusste, in so einer extremen Situation handelt man wohl instinktiv, da macht es wenig Unterschied, ob man nun neun ist oder deutlich älter. Ihre Angst vor einem namenlosen Grauen konnte ich auch gut nachvollziehen, erst vor kurzem war ich spät abends im Wald spazieren und das war schon ziemlich gruselig, obwohl nur wenige Meter entfernt eine vielbefahrene Straße vorbeiführte. Wie schlimm muss es da abseits von jeglicher Zivilisation sein!

Etwas schade fand ich, dass Baseball eine so große Rolle im Buch spielt. Das mag zwar für einen Amerikaner ganz toll sein und es war auch süß, dass Trisha sich so sehr für den Sport begeistert und ihr die Spielberichte im Radio durch dunkle Nächte helfen, aber für mich, die ich keine Ahnung von diesem Sport habe, war es etwas zu viel.
Das Buch ließ sich schnell und leicht lesen und hat mich ganz gut unterhalten, überragend fand ich es aber nicht.

3 Sterne

Dienstag, 14. Oktober 2008

Judith Lennox - Das Haus in den Wolken

Judith Lennox beschreibt das Leben der Familie Finborough über den Zeitraum von mehreren Jahrzehnten, dabei stehen zuerst Richard und Isabel im Mittelpunkt, sehr schnell übernehmen aber ihre drei Kinder und ihre Pflegetochter die Handlung und man erfährt von ihren Freunden, Beziehungen und Problemen.

„Das Haus in den Wolken“ ist ein netter Familienroman, mit dem man ein paar schöne Stunden verbringen kann. Judith Lennox beherrscht ihr Handwerk und weiß mit Worten umzugehen. Dank ihrer detailgetreuen Beschreibungen hat man das Gefühl, selbst dabei zu sein, man kann sich die Landschaften und Menschen sehr gut vorstellen. Auch die Gefühle der Personen werden sehr gut und nachvollziehbar geschildert.

Leider ging es mir an vielen Stellen etwas zu schnell. Denkt man am Anfang noch, dass es in dem Buch hauptsächlich um Richard Finborough und seine Liebe zur mittellosen Isabel Zeale geht, kann man gar nicht glauben, dass sie innerhalb der ersten Kapitel schon verheiratet sind und Kinder haben. Es gibt viele große Zeitsprünge, dafür werden manche Ereignisse wieder sehr genau und ausführlich beschrieben. Das hat mich etwas gestört, mir wäre es lieber gewesen, der Roman würde nur einen kürzeren Zeitraum umfassen und man hätte dafür die Gelegenheit die Personen wirklich kennenzulernen.

Ich konnte mich mit den Figuren im Roman nicht richtig anfreunden, da sie mir irgendwie fremd geblieben sind. Etwas weniger Hauptpersonen hätten der Handlung in diesem Fall vielleicht gut getan. Viele Dinge waren vorhersehbar und nicht weiter überraschend, andere Handlungen waren für mich nicht nachvollziehbar, da teilweise die charakterliche Entwicklung der Figuren zu kurz kam.

Der letzte Teil des Romans spielt während dem zweiten Weltkrieg und in diesem Teil hat der Krieg leider zu sehr die Hauptrolle übernommen. Natürlich war der Krieg in dieser Zeit lebensbestimmend und -verändernd für die Menschen, aber Nachhilfestunden in Geschichte haben meiner Meinung nach in einem Familienroman nichts verloren.

Das Buch ist ein schöner Schmöker für Herbststunden, es bietet gute Unterhaltung, wenn man diese Art von Büchern mag, andererseits muss man es auch nicht gelesen haben.

3 Sterne

Montag, 13. Oktober 2008

Sergio Bambaren - Die Bucht am Ende der Welt

Inhalt

Ursprünglich wollte Sergio Bambaren auf der Insel Tobago einen Surf-Urlaub machen, weil aber die Wellen ausbleiben, verlegt er sich aufs Tauchen und findet unter Wasser die "Weisheit".

Meine Meinung
Die äußere Aufmachung des Büchleins ist ganz nett, das Cover läd zum Träumen ein, man sehnt sich nach Urlaub und dem Süden. Beim Durchblättern entdeckt man einige Farbfotos vom Meer, von buten Fischen und farbenfrohen Vögeln, die die Stimmung des Romans ganz gut unterstreichen.

Am Anfang fand ich die Geschichte auch noch ganz nett, sie las sich wie ein Reisebericht von einem Urlaub in der Karibik. Tobago und seine Menschen, die Landschaft und die Flora und Fauna sind gut beschrieben, man kann sich vorstellen, wie es dort aussieht, ohne jemals selbst in der Karibik gewesen zu sein.

Doch dann trifft man einige Ureinwohner Tobagos und ihnen scheint die Weisheit aus allen Poren zu triefen. Sei es der Taxifahrer, der sich an seinem Geburtstag einfach nichts wünscht, weil er schon alles hat, die Bedienung, die ungefragt Ratschläge gibt, oder auch der Tauchlehrer André, der zwar die Hauptperson neben dem Erzähler selbst zu sein scheint, über den man aber rein gar nichts erfährt.

Allgemein ist das Buch sehr reduziert, es hat nur 125 Seiten und will auf diesen wenigen Seiten doch so viel erzählen. Einerseits erhält man zwar eine Lektion über das Tauchen und den nötigen Druckausgleich, der zu der restlichen Erzählung nicht so recht zu passen scheint, andererseits werden alle Tauchgänge und anderen Ereignisse so schnell abgehandelt, dass man gar nicht richtig eintauchen kann, es werden schnell die Fische und Korallen aufgezählt und schon ist wieder ein Kapitel vorbei.

Als Sergio Bambaren dann endlich sein Ziel erreicht und mit den Mantarochen tauchen kann, fand ich das Buch noch ganz in Ordnung, nichts besonderes, aber ein nettes Büchlein für Zwischendurch. Als er aber ein imaginäres Gespräch mit diesem Manta beginnt und sich mit ihm über sein Leben, die verschwendete Zeit etc. unterhält, hätte ich das Buch am liebsten in die Ecke geworfen. Das geht mir dann doch ein Stück zu weit. Wenn der Autor aus seiner Reise und seinen Erlebnissen beim Tauchen tiefe Erkenntnise über das Leben erhält, ist das sicher schön für ihn, aber man muss doch nicht über alles ein Buch schreiben und diese „weisen Erkenntnisse“ auch noch anderen Menschen aufdrängen.

Wäre es wenigstens etwas neues gewesen, allerdings sind diese pseudo-philosophischen Gedanken alles andere als neu. Man hat sie alle schon mal gehört, gelesen oder selbst gedacht und braucht dazu sicher keine Reise in die Karibik oder Gespräche mit einem Manta.

Den Sinn des Lebens muss wohl jeder Mensch für sich selbst finden, mag sein, dass Sergio Bambaren ihn bei seiner Reise nach Tobago gefunden hat und dies der ganzen Welt mitteilen wollte. Trotzdem helfen uns seine Überlegungen, Selbstgespräche oder gar Gespräche mit Meerestieren nicht weiter auf unserer eigenen Suche nach dem Sinn des Lebens.
Was das Buch dem Leser sonst bringen soll, ist mir auch nicht klar, eine einfache Reisebeschreibung ist es nicht, ein Buch für Taucher ist es nicht, und ein Lebensratgeber ja wohl auch nicht. Die Kombination aus diesen diesen Drei hat mir jedenfalls nicht gefallen.

2 Sterne

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Dorothy Parker - New Yorker Geschichten

Dorothy Parker scheint nicht an glückliche Menschen oder Beziehungen zu glauben, zumindest schreibt sie nicht darüber. Alle Kurzgeschichten sind irgendwie tragisch oder traurig, beschrieben werden alkoholabhängige Frauen, Paare die ständig streiten oder sich nichts zu sagen haben, Frauen die sehnsüchtig auf einen Telefonanruf warten und so weiter. Auf jeden Fall werden in den "New Yorker Geschichten" viele Themengebiete behandelt, es wird nie langweilig, da alle Geschichten verschieden sind. Allerdings scheinen sie grob thematisch geordnet zu sein.

Ich muss dazu sagen, dass ich Kurzgeschichten normalerweise nicht mag, vor allem nicht, wenn sie so kurz sind wie diese. Ich brauche viel zu lange um mich in der Geschichte zurecht zu finden und mich mit den Figuren "anzufreunden" und kaum habe ich es geschafft, ist die Geschichte zu Ende. Aber bei diesem Buch war das nicht so. Ich fand es sehr interessant, verschiedene Aspekte von Beziehungen in dieser Form präsentiert zu kriegen, bei vielen Geschichten war ich auch froh, als sie vorbei waren und ich nicht noch mehr über das bedauernswerte Leben der Hauptfigur lesen musste.

Stilistisch ist das Buch auch abwechslungsreich, manchmal werden Bewusstseinsströme und Gedankengänge geschildert, ein anderes Mal ein Dialog zwischen zwei Personen oder es wird ganz normal erzälhlt, aus der Perspektive einer betroffenen Person oder auch eines Außenstehenden.

Erst zum Ende hin kam bei mir etwas Langeweile auf, das kann allerdings daran liegen, dass ich das Buch in sehr kurzer Zeit gelesen habe und ich dann einfach von dem Stil übersättigt war. Zum anderen geht es in den letzten Geschichten um Soldaten im Krieg, was für mich kein sonderlich aufregendes Thema ist.

Ich will nur kurz meine Lieblingsgeschichten erwähnen, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

Morgenstund hat Gift im Mund (The Little Hours)
Diese Geschichte beschreibt die Gedanken einer Frau, die in den frühen Morgenstunden aufwacht und nicht wieder einschlafen kann. Eine Passage, in der es darum geht, dass die Protagonistin keine Schafe mag und sie auch nicht zählen will, um wieder einzuschlarfen, hat mich sehr zum Lachen gebracht:

Die sollen sich bloß nicht einbilden, ich liege hier im Dunkeln und zähle ihre abscheulichen kleinen Gesichter für sie; und wenn ich bis Mitte nächsten August nicht wieder einschlafen können sollte. Angenommen, sie würden nie gezählt werden - was könnte da schlimmstenfalls passieren? Wenn die Zahl der imaginären Schafe dieser Welt eine ungelöste Frage bliebe, wer würde davon reicher oder ärmer? Nein, Chef; ich bin nicht deren Buchhüter. Die sollen sich doch selber zählen, wenn sie so wahnsinnig scharf auf Mathematik sind. Sollen doch ihre Dreckarbeit allein machen
Auch sonst fand ich diese Geschichte sehr witzig und zutreffend, denn jeder kennt wohl dieses Gefühl, wenn man gerne wieder einschlafen würde, sich die Gedanken aber um die sinnlosesten Dinge drehen.

Da wären wir (Here We Are)
Ein junges Paar hat gerade geheiratet und ist auf dem Weg zur Hochzeitsreise. Das Gespräch dreht sich nur um wenige Dinge, z.B. dass der Bräutigam eine Brautjungfer schön fand, oder dass er mit der Hutmode nichts anfangen kann (was die junge Braut natürlich auf sich und ihren Geschmack bei Hüten bezieht) usw. Immer beschließen die beiden, dass sie von nun ab nicht mehr streiten wollen und doch fängt die junge Frau immer wieder damit an, dass ihm ihr Hut nicht gefällt, dass er die Brautjungfer schöner findet als sie usw. Dabei musste ich immer darüber nachdenken, ob wir Frauen wirklich so sind. Nun ja, ich hoffe ich nicht, aber ich kenne ein paar Exemplare, die aus dieser Geschichten stammen könnten

Jetzt hätte ich beinahe die Wertung vergessen, ich fand das Buch wirklich sehr schön und unterhaltsam zu lesen, es war genau die richtige Mischung zwischen witzig und traurig/melancholisch/nachdenklich und dafür gibt es von mir 4 Sterne

Montag, 6. Oktober 2008

Cornelia Funke - Tintenherz

Ich habe das Buch am Wochenende verschlungen und nach einigen Anfangsschwierigkeiten bis spät in die Nacht gelesen, weil ich nicht mehr aufhören konnte.
Sehr schön fand ich die kleinen liebevoll gestalteten Details, die Illustrationen, sowie die sehr passenden Zitate aus anderen Büchern zu Beginn von jedem Kapitel. Diese haben mich auf einige andere Bücher neugierig gemacht. Auch die große Liebe für Bücher, die man aus jeder Seite herausliest hat mir gut gefallen. Ich lese sehr gerne Kinderbuch Klassiker, deshalb fand ich es besonders schön, dass einige hier erwähnt wurden und man als Höhepunkt des Ganzen sogar eine Figur aus einem dieser Bücher "persönlich" trifft.

Inhaltlich ist das Buch sehr deutlich ein Jugendbuch, das merkt man an vielen Dingen. Die Charaktere sind klar in gut und böse getrennt, treffen oft nicht nachvollziehbare Entscheidungen und haben meistens nur eine typische Eigenschaft, durch die sie charakterisiert werden. Staubfinger ist da eine Ausnahme, er ist für mich der einzige, den man nicht sofort einschätzen und einer Seite zuordnen kann. Leider war vieles zu vorhersehbar, manche Dinge wurden einmal erwähnt und schon war klar, auf was es hinausläuft.

Die negativen Punkte resultiren meiner Meinung nach aber alle daraus, dass es sich bei "Tintenherz" um ein Jugendbuch handelt und ich nicht mehr zur Zielgruppe gehöre. Deshalb möchte ich auch für das Buch, das mich ein Wochenende lang verzaubert und aus der Realität ferngehalten hat 4 Sterne vergeben.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Virginia Woolf - Orlando


Das einzig positive, das ich zu diesem Buch sagen kann ist, dass ich es jetzt hinter mir habe!

Ich war beeindruckt von der Idee eine Biografie einer realen Person als fiktive Erzählung darzustellen, in der die Person scheinbar ohne zu altern mehrere Jahrhunderte durchlebt und auch noch das Geschlecht von Mann zu Frau wechselt. Außerdem war ich von "Zum Leuchtturm" von Virginia Woolf begeistert und zähle es zu meinen Lieblingsbüchern, deshalb dachte ich, mit diesem Buch eigenltich nichts falsch machen zu können.

Trotzdem habe ich mich seit langem nicht mehr so sehr durch ein Buch gequält wie durch dieses. Ich fand es furchtbar, dass die Autorin sich selbst immer wieder einmischt um dem Leser mitzuteilen, was man als Autor einer Biografie zu tun und zu lassen hat, um dem Leser aktiv Informationen vorzuenthalten, die er angeblich nicht braucht etc. Auch sonst konnte ich von der eigentlichen Geschichte nicht viel im Buch finden. Orlandos Untätigkeit hat mich genervt, die seitenlangen gedanklichen Abschweifungen über uninteressante Themen haben mich nur gelangweilt, ich konnte mich kaum auf das Buch konzentrieren, weil meine Gedanken ständig zu interessanteren Dingen gewandert sind und ich manche Absätze wieder und wieder gelesen habe und doch nicht verstehen konnte, was Virginia Woolf mir da sagen will. Es blieb mir verborgen, warum Virginia Woolf diese ungewöhnliche Art der Biografie gewählt hat und was z.B. die "Geschlechtsumwandlung" und die Alterslosigkeit Orlandos zu bedeuten hat.

Vielleicht müsste ich mehr über das wirkliche Leben von Vita Sackville-West wissen und auch über Virginia Woolf selbst, um das Buch besser verstehen zu können, aber ohne irgendein Vorwissen war es für mich einfach reine Zeitverschwendung.

September 2008

Und hier kommt mal wieder eine Liste:

Stephenie Meyer:
Twiligt 4,5/5
New Moon 4/5
Eclipse 3/5
Breaking Dawn 2/5

Es hat mir großen Spaß gemacht, die Serie zu lesen, was man auch daran sieht, dass ich vier dicke Wälzer innerhalb von einem Monat (eigentlich ca. 2 Wochen) gelesen habe. Stephenie Meyers Stil ist nicht ganz überzeugend, ich hatte das Gefühl, dass sie einen sehr geringen Wortschatz besitzt, da viele Wörter sehr oft wiederholt werden. Allerdings ist Bellas erste Liebe so schön beschrieben, dass ich das Buch nicht weglegen konnte. Zumindest mit dem ersten Band ging es mir noch so. Für den zweiten Teil habe ich mir dann etwas mehr Handlung gewünscht und auch bekommen. Spätestens im dritten Band wird das Konzept ein kleines bisschen langweilig und der vierte Band gleitet ab ins Absurde. Schade eigentlich, denn ich habe mir nach dem ersten Band viel mehr erwartet.

Nick Hornby - Slam 4/5
Einmal was anderes von Nick Hornby, ein sehr witziges und liebevoll geschriebenes Jugendbuch über eine Teenager-Schwangerschaft. Zum Glück mal aus der Sicht des Jungen. Einige fantastische Elemente fand ich nicht so gut, ansonsten war es ein schönes Buch!

Italo Calvino - Wenn ein Reisender in einer Winternacht 4/5

Die etwas andere Art, Romananfänge zu verbrauchen, aus denen man kein ganzes Buch machen kann/will. Mein Vater hat es mir empfohlen, nachdem wir beide Jakob Heins "Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht" gelesen hatten. Am Anfang war es etwas verwirrend, persönlich als Leser angesprochen zu werden, aber man gewöhnt sich schnell an den seltsamen Stil und kann das Buch dann genießen.

David Grossman - Sei du mir das Messer 3/5

W.A. Mozart - Così fan tutte
Ich weiß gar nicht, ob das jetzt in diese Leseliste gehört, jedenfalls war ich am Sonntag in der Oper und habe vorher auch das Libretto gelesen...

Henry David Thoreau - Civil Disobedience 3/5
Ist in meiner Ausgabe von "Walden" enthalten (welches ich noch nicht gelesen habe) und da es nur ein paar Seiten hat, habe ich es dazwischengeschoben, bevor ich das nächste Buch angefangen habe. Ich konnte allerdings nicht viel damit anfangen und fand es schwer zu verstehen.

Kenneth Grahame - The Wind in the Willows 4,5/5
Ein Kinderbuch-Klassiker, den man gelesen haben sollte! Ich habe die Geschichten um den Maulwurf und die Wasserratte sehr genossen, auch wenn es nicht viel Handlung oder Spannung gibt. Es ist ja auch ein Buch für Kinder...

Mittwoch, 1. Oktober 2008

William Horwood - Winter in den Weiden

Inhalt
William Horwood hat eine Fortsetzung zu Kenneth Grahames Kinderbuch Klassiker "Der Wind in den Weiden" geschrieben. Man trifft sie alle wieder, den Maulwurf, den Ratterich, den Dachs und auch den Kröterich und sie sind bereit zu neuen Abenteuern. Der Maulwurf hat Besuch von seinem Neffen, es ist tiefster Winter, draußen wütet ein Schneesturm, als der Sohn des Otters hereinplatzt und nur noch ein paar unverständliche Worte über den Ratterich herausbringt, bevor er erschöpft einschläft. Der Maulwurf rechnet sofort mit dem schlimmsten und macht sich auf den Weg seinen Freund zu retten... Auch der Kröterich ist wieder dabei und hat sich kein bisschen gebessert, diesmal gilt sein Interesse einem Flugzeug und schon bald bringt er sich damit in Schwierigkeiten...

Der Autor
William Horwood wuchs in Oxford an der Themse auf, dem Fluß, der auch Kenneth Grahame zu Der Wind in den Weiden inspiriert hat. Horwood studierte Wirtschaftswissenschaften und Geographie. In den 60er und frühen 70er Jahren war er als Journalist für verschiedene englische Wirtschaftsfachzeitschriften tätig, von 1971-78 war er Ressortleiter der Daily Mail, bevor er sich als freischaffender Autor in seiner Geburtsstadt Oxford niederließ. Seine elf Romane, die er seit 1979 geschrieben hat, haben sich in England allesamt zu Longsellern entwickelt.

Meine Meinung
Ich habe "Der Wind in den Weiden" direkt vor der Lektüre vom "Winter in den Weiden" gelesen und hatte so den direkten Vergleich. Ich fand das Buch eine gelungene Fortsetzung, die Grundstimmung ist die gleiche und auch die Figuren haben noch immer ihren (mehr oder weniger) liebenswerten Charakter. Man merkt nicht, dass ein anderer Autor diese Geschichte geschrieben hat und dass zwischen der Veröffentlichung des Originals und dieses Buches 85 Jahre vergangen sind.

Am Anfang fand ich die Sprache etwas gewöhnungsbedürftig, etwas zu altmodisch und hochtrabend für ein Kinderbuch, aber ich denke, dass William Horwood sprachlich sehr am Original orientiert hat. Ein direkter Vergleich ist mir nicht möglich, da ich von "Der Wind in den Weiden" die englische Originalversion gelesen habe und von diesem Buch nur die deutsche Übersetzung besitze.

Die Geschichte vom Winter in den Weiden ist wie "Der Wind in den Weiden" auch unterhaltsam und flüssig zu lesen, wenn es auch nicht viel Spannung gibt. Das Buch eigent sich auch sicherlich gut zum Vorlesen, wenn die Kinder, wie ich auch, nach dem "Wind in den Weiden" traurig sind, von den Tieren am Flussufer Abschied nehmen zu müssen. So weit ich bei amazon gesehen habe, hat William Horwood noch mehrere Fortsetzungen geschrieben, von denen ich aber nicht weiß, ob sie sich zu lesen lohnen.

Das einzige, das ich an der Geschichte zu kritisieren habe ist, dass der Kröterich einen zu großen Teil davon einnimmt. Ich hatte noch nie große Symathien für dieses Egoistische Tier und das macht auch Horwoods Fortsetzung nicht besser. Leider geht es ab der Hälfte des Buches fast ausschließlich um den Kröterich, von dem ich lieber etwas weniger gelesen hätte, und dafür etwas mehr vom Maulwurf und dem Wasserratterich.

4 Sterne

Dienstag, 16. September 2008

David Grossman - Sei du mir das Messer

Jair sieht Mirjam nur ein einziges Mal, doch dieses eine Mal genügt, um etwas ganz besonderes an ihr zu bemerken. Er fängt an ihr Briefe zu schreiben und auch Mirjam findet Gefallen daran. Die beiden schreiben nicht über ihren Alltag, ihre Familie oder den Beruf, vielmehr geht es um Gefühle, Gedanken, intime Details aus ihrem Leben.

Zu Beginn kommt nur Jair zu Wort, der Leser muss sich mit seinen Briefen begnügen, den Inhalt von Mirjams Briefen kann man sich nur selten aus Jairs Antworten zusammensetzen. Jair öffnet sich total, der Leser erfährt jeden kleinen Gedanken von ihm, er ist wie ein offenes Buch. Mirjam hingegen bleibt sehr lange ein Geheimnis. Details aus ihrem Leben erfährt man erst sehr spät im Buch, vieles muss man sich selbst zusammenreimen. Dieser Gegensatz zwischen den beiden Personen hat mir sehr gut gefallen.

Jair ist eine sehr faszinierende Figur, einerseits bleibt er das ganze Buch über unsympathisch, zumindest mir, andererseits kann er so gut mit Worten umgehen, dass er den Leser in seinen Bann zieht. Mirjam selbst kommt erst im letzten Viertel des Buches selbst zu Wort und ich habe dadurch ein ganz anderes Bild von ihr bekommen, als ich es zuvor hatte.

Faszinierend fand ich den letzten Teil des Buches, denn man erfährt nicht nur was die einzelnen Personen sagen, sondern auch abwechselnd ihre Gedanken über die andere Person und die Situation.

Sprachlich ist das Buch sehr ansprechend, wenn auch nicht immer leicht zu lesen. Durch die vielen Vergleiche, Anspielungen und die allgemein sehr poetische Sprache kann man das Buch nur sehr konzentriert lesen, was sicher auch einer der Gründe war, dass ich drei Anläufe gebraucht habe, um es fertig zu lesen.

Es ist kein Buch der großen Taten, vielmehr ein Buch der Worte, der Gefühle, ein sehr ruhiges Buch, das einen zum Nachdenken anregt, über die Liebe, über das Leben, über Beziehungen.

Einerseits hat es mich berührt und mir sehr gut gefallen, andererseits war es anstrengend zu lesen und ich war froh, als ich es fertiggelesen hatte.

Als Bewertung ergibt das dann ungefähr 3,467 Sterne ;-)

Sonntag, 7. September 2008

Jakob Hein - Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht

Inhalt

Boris betreibt eine Agentur für verworfene Ideen, doch bisher hatte er noch keinen Kunden. Umso erstaunter und erfreuter ist er, als Rebecca in sein Büro kommt, die nicht nur interessante Dinge erzählt, sondern auch hübsch ist. Gerade als das Gespräch zwischen den beiden langweilig zu werden droht, fängt Boris an, Rebecca von seinem Romananfang zu erzählen. Man landet in einer neuen Geschichte, in der es um Sophie geht, einer jungen Frau, die für einen alten blinden Mann seinen Roman tippt. Und schon ist man mitten in diesem Roman und liest die Geschichte von Heiner, der beinahe den Sinn des Lebens gefunden hätte.

Meine Meinung

Ich bin von diesem Buch restlos begeistert. Immer wieder öffnet sich eine neue Geschichte in der "alten" und auch sonst gibt es viel in dem Buch zu entdecken. Viel Weisheit, interessante Denkansätze, allerdings auch verrückte Ideen und absurdes menschliches Verhalten.

Es sind viele verschiedene Ansätze enthalten, einerseits die "klassische" Liebesgeschichte zwischen zwei Personen, die sich zufällig treffen, die eher tragische Geschichte der jungen Sophie und der philosophisch angehauchte Mittelpunkt, in dem wir die oft erzählte Geschichte von Mephisto und Faust in einer ganz neuen Variante lesen.

Man könnte also sagen, es ist für jeden etwas dabei, aber in diesem Fall passt es besser zu sagen: Die Mischung macht's. Die einzelnen Komponenten der Geschichte fügen sich wunderbar zusammen. Die Übergänge sind nahtlos und man merkt kaum, dass man von einer Geschichte in die nächste gleitet.
Auch Jakob Heins Sprache ist mühelos zu lesen. Man muss sich nicht mit Fremdwörtern oder kompliziertem Satzbau herumschlagen, man kann das Buch einfach von vorne bis hinten genießen ohne Verständnisprobleme zu haben.

Und trotzdem hat man nach der Lektüre dieses wundervollen Buches viel nachzudenken. Über denn Sinn des Lebens, den man vielleicht immer nur beinahe finden kann, über menschliches Verhalten, das man oft aus einem anderen Blickwinkel betrachten muss um zu sehen, wie absurd es ist und darüber, wann man Zeit hat, das Buch ein zweites mal zu lesen um immer wieder neue Aspekte zu entdecken.

Dieses Buch ist, was man selbst daraus macht, entweder nur die leichte Sommerlektüre für Zwischendurch, oder ein philosophisches Werk, über das man noch lange nachdenken kann.

5 Sterne

Donnerstag, 4. September 2008

August 2008

Ich hatte viel Zeit zum Lesen im August, deshalb war ich bisher zu faul, meine lange Liste aufzuschreiben. Aber jetzt geht's los:

Frank Borsch - Alien Earth Phase3 1/5

William Shakespeare - Macbeth 4/5
Ich habe schon in jungen Jahren gerne Shakespeare gelesen, aber Macbeth hatte ich noch nie vollständig gelesen, das wurde mal Zeit :zwinker:

Sam Savage - Firmin-Ein Rattenleben 3/5

Maarten 't Hart - Gott fährt Fahrrad 5/5

Marc Levy - Kinder der Hoffnung 4,5/5
Ganz untypisch für Marc Levy (ich habe sonst noch nichts von ihm gelesen, das sind nur meine Vorurteile) mal kein kitschiger Liebesroman, sondern die wahre Geschichte seines Vaters und Onkels, die der französischen Widerstandsbewegung während dem 2. Weltkrieg angehörten. Sehr beeindruckendes und empfehlenswertes Buch!

Mariama Bâ - Ein so langer Brief 4/5

Heinrich Heine - Deutschland. Ein Wintermärchen 4/5

Ernest Hemingway - Der alte Mann und das Meer 4/5

Ulrich Wickert - Der nützliche Freund 2/5

James Joyce - Dubliners 3,5/5
Kurzgeschichten mag ich allgemein nicht so sehr, auch nicht, wenn sie von James Joyce sind. Ich brauche immer etwas länger, um mich mit Personen anzufreunden. Nur die letzte Geschichte "The Dead" hat mir wirklich gut gefallen.

Stephenie Meyer - Seelen 4/5

Jakob Hein - Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht 4,5/5
Dazu schreibe ich noch ausführlicher!

Marguerite Yourcenar - Der Fangschuß 4/5

Dienstag, 2. September 2008

Stephenie Meyer - Seelen

Inhalt
Sogenannte "Seelen" bevölkern irgendwann in der Zukunft die Körper der Menschen und verdrängen deren eigene Seele. Nur wenige leisten Widerstand, darunter auch Melanie. Doch sie wird bei dem Versuch ihre Cousine zu finden gefangen und die Seele Wanderer wird in sie eingesetzt. Doch Melanie lässt sich nicht ganz vertreiben, Wanderer und sie teilen sich nun einen Körper und sind hin- und hergerissen zwischen ihren sehr unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen...

Meine Meinung
Insgesamt hat mir das Buch sehr gefallen, ich habe es mit viel Vergnügen gelesen. Die spannende Umsetzung hält, was die interessante Grundidee verspricht und trotz der über 800 Seiten wird das Buch nie langweilig.

Einige Probleme der Hauptpersonen sind sehr pubertär, für manche Gefühlsregungen und Gedankengänge kann ich mit meinen 23 Jahren kein Verständnis mehr aufbringen, allerdings sind mir die beiden Hauptpersonen trotz allem sehr ans Herz gewachsen. Nach Beenden des Buches hatte ich das Gefühl, gute Freunde für immer verlassen zu müssen und das ist mir seit meiner Kindheit doch sehr selten passiert.

Stephenie Meyer schreibt nicht sehr anspruchsvoll, alles ist leicht verständlich und das Buch lässt sich schnell lesen. Gefühle werden sehr anschaulich beschrieben und dem Leser damit näher gebracht. An manchen Stellen hätte ich mir eine langsamere Entwicklung oder mehr Erklärungen für plötzliche Meinungsänderungen gewünscht, dafür waren mir andere Stellen zu ausführlich. Die ersten 200 Seiten waren sehr rasant, danach hatte das Buch für mich einige Längen.

Eigentlich hat es mir aber durchweg gut gefallen, die wenigen Kritikpunkte die ich habe, liegen wohl daran, dass ich keine Jugendliche mehr bin und im Laufe der Jahre andere Erwartungen und Ansprüche an ein Buch habe. Stephenie Meyer hat mich mit diesem Buch überzeugt. Bevor ich dieses Buch bei vorablesen gewonnen habe, hatte ich nichts von ihr gelesen und war mir nicht sicher, ob ich noch zur Zielgruppe ihrer Romane gehöre. Diese Zweifel sind nun beseitigt und ich werde mich auch an die Bis(s)-Reihe wagen.

4 Sterne

Dienstag, 12. August 2008

Ulrich Wickert - Der nützliche Freund

Zum Inhalt:

Am Morgen erzählt die Journalistin Margaux ihrem Freund, dem Richter Jacques Ricou, noch von einem Korruptionsfall, in den auch deutsche Politiker verwickelt sein sollen. Schon am selben Abend wird sie bewusstlos in der Wohnung des in den Fall verwickelten Leroc gefunden. Ricou selbst beschäftigt sich mit dem Fall und wird immer tiefer mit hineingezogen.

Meine Meinung:

Als nicht sehr erfahrene Krimi-Leserin fand ich das Buch ganz in Ordnung. Es ist spannend und lässt sich schnell und flüssig lesen.

Am Anfang ist es nicht leicht, sich in den Roman einzufinden. Zu verwirrend ist das Zusammenspiel aus Politik, Wirtschaft und mächtigen Einzelpersonen. französische Ausdrücke und Namen machen es Lesern, die des Französischen nicht mächtig sind, leider auch nicht gerade leicht, dem Geschehen zu folgen. Die übermäßige Verwendung der französischen Ausdrücke und die fast klischeehafte Beschreibung des Pariser Lebens wirkt, als wolle Ulrich Wickert mit aller Macht beweisen, dass er selbst in Frankreich lebt und Ahnung hat, wovon er redet. Dabei wäre weniger in diesem Falle mehr gewesen.

Auch im Laufe des Romans wird es nicht besser, immer wieder werden unwichtige Personen mit Namen und Vorgeschichte eingeführt, so dass man leicht den Überblick verlieren kann. Überflüssige Handlungsstränge gaukeln dem Leser vor, doch etwas mit dem Fall zu tun zu haben und später noch wichtig zu werden, so auch die Schweizer Cervelawurst, und stiften dadurch zusätzliche Verwirrung.

Oft stolpert man über hölzerne Formulierungen, glaubt im ersten Moment, dass das von einer unglücklichen Übersetzung aus dem Französischen kommt, bis einem einfällt, dass Wickert ja auf Deutsch schreibt. Auch störte mich das all zu flapsige "Nee" und "nix". War das ein missglückter Versuch des Autors, jugendlich und cool zu wirken?

Auch das Ende, die Auflösung des Ganzen wirken für mich wenig gekonnt. Zu viel hängt da an seltsamen, konstruiert wirkenden Zufällen, überraschenden Fehlern von Einzelpersonen und ähnlichem.

Ich habe nicht viel von dem Buch erwartet, Ulrich Wickert als Krimiautor war mir neu, außerdem lese ich sehr selten Krimis. Durch diese geringen Erwartungen habe ich mich dann doch ganz gut von dem Buch unterhalten gefühlt. Ich habe es schnell gelesen und fand es auch zum Großteil spannend und interessant. Doch wegen der schon erwähnten Mängen wird es sicher keines von meinen Lieblingsbüchern und ich werde es auch nicht weiterempfehlen.

2 Sterne

Freitag, 8. August 2008

Mariama Bâ - Ein so langer Brief

Kurzbeschreibung:
Nach dreißig scheinbar glücklichen Ehejahren wird eine Frau von ihrem Mann verlassen. Aber nicht wegen einer Geliebten: Er heiratet ein zweites Mal; ein Schulmädchen, das dieselben Rechte haben wird wie sie. Dieser preisgekrönte Briefroman ist ein erschütternder Aufruf zum Kampf gegen die Tradition der Polygamie und die Selbstaufgabe der Frau.

Meine Meinung:

Das Buch ist sehr interessant, da man sehr viel über die Stellung der Frau im Senegal erfährt, darüber, wie die Polygamie viele Familen zerstört, aber auch von ganz alltäglichen Problemen und Bräuchen. Leider weiß man in Europa viel zu wenig darüber und macht sich nur selten Gedanken, wie Menschen in anderen Kulturkreisen, auf fremden Kontinenten so leben.
Ein wenig Hoffnung für die Zukunft gibt doch der große Unterschied zwischen dem Leben von Ramatoulaye und ihren Töchtern. Ramatoulaye war noch alleine für den Haushalt und die Erziehung der 12(!) Kinder verantwortlich, obwohl sie auch zusätzlich zur Hausarbeit als Lehrerin tätig ist. Im Gegenzug dazu machen ihre älteren Töchter andere Erfahrungen. Daba, die älteste, ist auch verheiratet, doch ihr Mann kann genau so gut kochen wie sie und sieht seine Frau nicht als Sklavin oder Dienerin. Auch die zweitälteste Aïssatou, die ungewollt von ihrem Freund schwanger ist, wird von ihm nicht allein gelassen, sondern unterstützt. So kann man nur hoffen, dass die Rolle der Frau in den fast 30 Jahren seit das Buch erschienen hat sich erheblich verbessert hat und das auch weiterhin tut.

Die Form des Briefromans fand ich an manchen Stellen etwas seltsam, denn warum muss man der besten Freundin von ihrer eigenen gescheiterten Ehe erzählen, oder von der gemeinsamen Vergangenheit? Ich denke doch, dass sie sich selbst an all das erinnert.
Auch fehlt einem öfter der Überblick, wer wem Geld geben muss und was allgemein die Bräuche und Gesetze vorsehen, wenn ein Verstorbener zwei Ehefrauen hinterlässt. Es wäre sicher hilfreich gewesen, einiges in einem Nachwort zu erklären.

4 Sterne

Maarten 't Hart - Gott fährt Fahrrad

Kurzbeschreibung:
In einer poetischen Liebeserklärung lässt der niederländische Schriftsteller Maarten 't Hart die schönen und schlimmen Erinnerungen an seinen verstorbenen, zu Lebzeiten ebenso unberechenbaren wie liebevollen Vater noch einmal aufleben. 1979 in den Niederlanden erstmals erschienen, ist dies das bisher privateste Buch des Autors.

Meine Meinung:
Ich habe das Buch vor einigen Tagen zu Ende gelesen und es hat mich sehr bewegt. Die Kapitel sind alle sehr unterschiedlich, erzählen entweder, wie Maarten in der Gegenwart mit dem drohenden Tod seines Vaters umgeht, oder sind Erinnerungen aus der Kindheit, besondere Erlebnisse mit dem Vater usw. Manche Geschichten machen traurig und nachdenklich, andere auch lustig.
Alles in allem ist es aber ein Buch, das den Leser zum Nachdenken bringt. Darüber, wie man mit dem drohenden, bevorstehenden Tod eines geliebten Menschen umgeht, über den Tod im allgemeinen und über die unabdingbare Liebe eines Kindes zu seinen Eltern.
Es ist ein sehr schönes Buch, bei dem man das Gefühl hat, dass Maarten 't Hart einem sehr persönliche Episoden aus seinem Leben erzählt. Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen, es wird auch für mich eines der Lesehighlights des Jahres sein!
5 Sterne

Sonntag, 3. August 2008

Sam Savage - Firmin - Ein Rattenleben

Äußerlich bin ich von dem Buch begeistert. Der Einband, der aussieht, als hätte das Buch schon Risse und Abnutzungserscheinungen und auch der Rough Cut, den ich sonst meistens unpassend finde, gefällt mir sehr gut. Die Ratte auf dem Cover ist auch gut getroffen, genau so kann man sich Firmin vorstellen, so ist er auch im Buch beschrieben.

Firmin als Hauptfigur eines Romans gefällt mir sehr gut, ich finde ihn interessant, da er teilweise eindeutig als Ratte, andererseits dann doch sehr vermenschlicht auftritt. Sehr oft musste ich schmunzeln, oder auch laut lachen. Andererseits gibt es auch Szenen, in denen man Firmin bedauert, da er trotz seiner Belesenheit die Menschen nicht versteht und vieles falsch deutet.

Die Sprache und Erzählweise finde ich auch sehr gelungen. Es ist sehr passend für das Buch, dass Sam Savage seine kleine Ratte selbst erzählen lässt und den Leser auch manchmal persönlich anspricht. Firmins Andeutungen auf zukünftige Ereignisse bauen Spannung auf und wecken Interesse beim Leser. Das Buch lässt sich flüssig lesen, ist aber trotzdem sprachlich anspruchsvoll, schon alleine wegen den Zitaten und Andeutungen aus Klassikern der Weltliteratur.

Nachdem mir die Leseprobe noch sehr gut gefallen hat, wurde mir die Handlung schnell langweilig. Leider passiert viel zu wenig, Firmin beschreibt ein halbes Buch lang nur den Buchladen, in dem er lebt. Auch die "überraschenden" Wendungen waren wenig überraschend, sondern eher vorhersehbar. Das Ende war dann auch enttäuschend nichtssagend. Das letzte Kapitel hätte man gut und gerne weglassen können.

Die Idee des Romans und die äußere Aufmachung so wie die Sprache haben mir also durchaus gut gefallen und man hätte meiner Meinung nach viel mehr daraus machen können. Leider war die Handlung dann etwas flach und hat mich enttäuscht.

3 Sterne

Donnerstag, 31. Juli 2008

Juli 2008

F. Scott Fitzgerald - The Great Gatsby 5/5
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, wie auch der Film, allerdings muss ich erst noch meine Gedanken ordnen, bevor ich eine Rezi schreiben kann (was ich für den SLW noch muss)

Kenzaburo Oe - Der Fang 3/5
Eine nette Geschichte, aber leider zu kurz und belanglos, um länger im Gedächtnis zu bleiben.

Jane Austen - Lady Susan 4/5
Ganz untypisch für Jane Austen, ich fand es einfach herrlich, wie Lady Susan alle manipuliert und sich selbst als großes Unschuldslamm darstellt.

Kim Edwards - The Memory Keeper's Daughter 2/5
Bisher mein Buchflop des Jahres!

Lawrence Ferlinghetti (Hrsg.) - City Lights Pocket Poets Anthology 4/5
Sehr viele gute Gedichte und nur wenige, die mir nicht gefallen haben.

Volker Erbes - Die blauen Hunde 3/5

George MacDonald - Phantastes 3/5
Ein Phantasy-Klassiker, leider passiert nichts spannendes oder außergewöhnliches, Bäume und ein paar Riesen sind das gruseligste, das vorkommt und alle Probleme lassen sich durch Liedersingen lösen... Nun ja, leider nicht mein Geschmack

William Shakespeare - Ein Sommernachtstraum 5/5
Mein Lieblingsstück von Shakespeare. Nachdem ich letzte Woche eine Aufführung (auf Englisch) gesehen habe, musste ich es gleich nochmal lesen.

Jack Kerouac - On the Road 3/5
Alles wiederholt sich. Wir fahren quer durch die USA, nochmal, nochmal und nochmal, dann einmal nach Mexiko und immer schön Drogen nehmen und Frauen aufgabeln und das 290 endlose Seiten lang...

Frank Borsch - Alien Earth Phase 3
Ich habe es noch nicht fertiggelesen, aber es gefällt mir nicht sonderlich gut. Die beiden anderen Teile der Trilogie waren deutlich besser. Bisher stellen sich auch nur neue Fragen und es gibt keine Antworten. Ich befürchte fast, daran wird sich nicht viel ändern

Dienstag, 22. Juli 2008

Volker Erbes - Die blauen Hunde

Klappentext
Volker Erbes, geboren 1943, lebt in Frankfurt am Main. Die blauen Hunde sind sein erstes Buch.
Die blauen Hunde erzählen die Geschichte einer Krankheit. Scheinbar unangekündigt trifft sie eine junge Frau, die in Frankfurt studiert. Diese junge Frau hastet durch die Stadt, von unverständlichen Ängsten heimgesucht, von Gespenstern verfolgt, den Blick erhoben zum grauen Himmel, wo über ins Endlose wachsenden Hochhäusern das Unerwartete, das Rettende erscheinen soll, ein Schiff, ein Stern. Die Vorgeschichte zeigt dann, dass die scheinbar abwegigen Formen ihres Wahns nicht zufällig sind oder abstrus, sondern bis in die absonderlichen Details biographisch bestimmt. Die blauen Hunde sind die zurückgekehrten Schrecken ihrer Kindheit und Jugend. Das schizophrene Tableau stellt die ins Kosmische und Absurde projizierte Katastrophe einer schwäbisch-protestantischen Familie dar.

Aber auch der Erzähler, der ehemalige Freund dieser Frau, wird von dem Wahn, der der Wahn einer Epoche ist, erfasst. Indem er ihre Geschichte erzählt, entdeckt er betroffen die Rolle, die er darin spielt. Bedroht von den schimärischen Figuren, die er beschreibt, versagt er in dem Augenblich, als das klärende Gespräch die Wendung, die Versöhnung zu ermöglichen scheint.
Auch die übrigen Personen erweisen sich als eingesponnen in eigene Ängste. Keiner reagiert normal. Jeder spricht und handelt in der Wildnis der eigenen Gefühle; Hunde, die einander verfolgen, anspringen, reißen, blau bis in die Spitzen ihrer unzufriedenen, kalten Herzen.

Meine Meinung
Ich musste den Klappentext abschreiben, denn ich hätte den Inhalt nie verständlich zusammenfassen können. Das Buch ist sehr verwirrend, die Handlung springt von Vergangenheit zur Gegenwart zu einem anderen Zeitpunkt in der Vergangenheit und das mehrmals in einem Kapitel. Man braucht ca. die Hälfte des Buches, um überhaupt eine Vorstellung davon zu erhalten, um was es überhaupt geht (bzw. man hat vorher den Klappentext gelesen und weiß es, aber erst dann versteht man es), wie die einzelnen kurzen Rückblicke zeitlich zusammenhängen und was sie mit der Gegenwart zu tun haben.

Aber eigentlich versteht man erst am Ende des Buches die ganzen Zusammenhänge, alles fügt sich dann wie die einzelnen Teile eines Puzzles zusammen. Das Buch ist nicht leicht zu lesen und man ist lange verwirrt und weiß nicht, was einem da eigentlich erzählt wird, so etwas muss man mögen, es ist sicher nicht für jeden geeignet.

Andererseits ist es sehr faszinierend, diese Geschichte von einer Ansammlung sehr seltsamer Personen zu lesen. Alles dreht sich eigentlich um Gisela, die junge Frau, die psychische Probleme und Wahnvorstellungen entwickelt. Von ihrem Freund, dem Erzähler, wird sie fast nur als Sexobjekt gesehen und auch von anderen Männern in ihrem Leben wird sie nur schlecht behandelt. Fast am meisten entsetzt hat mich aber die Mutter, die ihre Tochter mit Brei und anderem Essen vollstopft, damit sie dick und unattraktiv wird (die Gründe sind mir zumindest verborgen bleiben) und auch die sonderbare restliche Familie.

Das Buch wird mir sicher noch länger im Gedächtnis bleiben, da ich noch ein paar Puzzleteile ordnen muss, um wirklich das Gesamtbild zu sehen.
Es war für mich ein sehr interessantes Buch, allerdings oft zu verwirrend

3 Sterne

Montag, 21. Juli 2008

Kim Edwards - Die Tochter des Fotografen

Inhalt
Im einer stürmischen Winternacht 1964 muss der Arzt David Henry bei seiner Frau Norah Geburtshilfe leisten. Sie bringt ein gesundes Kind zur Welt, der zweite Zwilling hat Down Syndrom. David gibt das behinderte Mädchen der Hebamme und bittet sie, es in ein Heim zu bringen. Seiner Frau erzählt er, das Mädchen sei bei der Geburt gestorben. Norah kommt nie über den Verlust hinweg, die ganze Familie zerbricht an dieser Lüge.
Gleichzeitig zieht die Hebamme Caroline die behinderte Phoebe selbst auf, das Buch springt zwischen den beiden Handlungssträngen hin und her.

Meine Meinung
Der Inhalt hörte sich für mich sehr interessant an und ich habe das Buch gekauft, obwohl solche Familiengeschichten meist nicht mein Geschmack sind.

Für mich war das Buch im Endeffekt reine Zeitverschwendung. Die Geschichte wird über einen Zeitraum von 25 Jahren erzählt und es gibt oft sehr große Zeitsprünge. Kaum hat man sich in die Handlung hineingefunden, die Personen und ihre momentane Lage kennengelernt, wird man wieder herausgerissen und es sind auf einmal 5 Jahre vergangen. Dadurch kann meiner Meinung nach weder Spannung noch eine persönliche Beziehung zu den Figuren aufgebaut werden.
Zudem gibt es viel zu viele Rückblenden in die Vergangenheit, die Kindheit von David Henry wird wieder und wieder genau beleuchtet und auch die Familiengeschichte von allen anderen Figuren wird erzählt. Weniger ist manchmal mehr, ich finde, man muss nicht alles wissen!

Man wartet das ganze Buch über darauf, dass etwas passiert, dass es ein großes dramatisches Finale gibt, aber die Geschichte plätschert vor sich hin, es gibt Handlungsstränge, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben und trotzdem auf einmal aufgebauscht werden, detailgetreue Beschreibungen von Landschaften und Kleidung, die nichts zur Stimmung beitragen und einfach überflüssig sind etc.

Ich persönlich hätte gerne mehr über Phoebe, das Mädchen mit Down Syndrom gelesen, die bei der Hebamme aufwächst und ein normales Leben, so gut das eben geht, zu führen scheint. Dafür hätten ein paar weniger Kapitel über die unsympathische Norah und ihren ebenso unsympathischen Sohn auch gereicht.

Einzig das Schicksal von David, der nur das Beste für seine Frau und seine Familie wollte und dennoch gescheitert ist, ging mir Nahe, nur dafür gibt es 2 Sterne

Man kann das Buch schon lesen, es ist seichte Lektüre für Nebenbei, man kann es aber genau so gut sein lassen (was ich empfehlen würde).

Mittwoch, 2. Juli 2008

Juni 2008

Meine Liste ist diesmal ziemlich kurz, aber nach April und Mai geht es langsam wieder aufwärts. Hat auch nur teilweise was mit der EM zu tun, ich habe leider auch ziemlich viel Stress an der Uni :-(

A.J. Jacobs - The Know-It-All 4/5

Paul Auster - The New York Trilogy 4,5/5

Frank Borsch - Alien Earth Phase 2 4/5

Mittwoch, 2. April 2008

März 2008

Gustaf Sobin - Der Trüffelsucher 3/5

William Shakespeare - Der Widerspenstigen Zähmung 3/5

William Shakespeare - Viel Lärmen um Nichts 4/5

William Shakespeare - Hamlet 4,5/5

Ingvar Ambjörnsen - Blutsbrüder 5/5
Bisher mein Lieblingsbuch aus der Elling-Reihe und mein erstes Lesehighlight diesen Monat

Andreas Steinhöfel - Der mechanische Prinz 3/5

Tennessee Williams - A Streetcar Named Desire 4/5

Charlotte Roche - Feuchtgebiete 4,5/5
Ich war wirklich angetan von dem Buch und der Botschaft, die Charlotte Roche damit übermitteln will, allerdings war es an einigen Stellen doch sehr eklig...

Jasper Fforde - The Eyre Affair 3/5
Ich habe leider viel mehr von dem Buch erwartet. Es war für mich am Anfang sehr verwirrend und einfach zu viel. Zum Ende hin hat es mir dann viel besser gefallen und natürlich steht jetzt Jane Eyre auf meiner To-Read-Liste ganz oben...

Edwin A. Abbott - Flächenland 4/5

Michel Houellebecq - Elementarteilchen 4,5/5
Mein zweites Lesehighlight diesen Monat. Für mich ein wahnsinnig intelligentes und interessantes Buch.

Montag, 24. März 2008

Andreas Steinhöfel - Der mechanische Prinz

Inhalt
Max ist ein Egalkind, er ist seinen Eltern egal, sie kümmern sich nicht um ihn, vergessen seinen Geburtstag, kaufen ihm keine passende Kleidung und bemerken nicht einmal, wenn Max ihnen an einem Samstag sagt, dass er zur Schule geht, weil sie den ganzen Tag streiten und mit sich selbst beschäftigt sind. An eben diesem Samstag begegnet Max einem einarmigen Bettler, der ihm ein goldenes Ticket für die U-Bahn schenkt, mit dem er "überall aussteigen" kann. Er versteht zuerst nicht, was damit gemeint ist, findet dann aber den Weg in die Refugien, in denen er gegen seine Ängste und Probleme ankämpfen muss und dem mechanischen Prinzen begegnet...

Meine Meinung
Ich fand das Buch spannend und es hat größten Teils Spaß gemacht, es zu lesen. Einige Ideen fand ich sehr toll, zum Beispiel, dass man mit der U-Bahn in die Refugien gelangen kann. Ich bin schon immer sehr gerne U-Bahn gefahren und konnte Max sehr gut verstehen. Allerdings werde ich nach dieser Lektüre die U-Bahn mit anderen Augen sehen ;-)
Anfangs fand ich es sehr witzig, dass der Autor sich selbst in die Geschichte mit eingebaut hat und dem Leser den Eindruck vermittelt, dass er nur die wahre Geschichte, die Max ihm erzählt hat, aufschreibt. Bald hat mich genau das aber etwas gestört. Ich fand es nicht sonderlich witzig, dass ein Kinder-und Jugendbuchautor sich ständig über Kinder beschwert, diese als lästig dumm und ungebildet darstellt und dies natürlich genau an den Stellen der Geschichte einbauen muss, in denen es endlich mal etwas spannend ist. Stellenweise fand ich die Geschichte eher langatmig und habe nur darauf gewartet, dass endlich mal wieder was passiert. Wie zum Beispiel bei der endlosen Wanderung durch das letzte Refugium.
Auch die Sprache hat mich öfter mal verwundert. Vieles wirkt einfach zu übertrieben.
Zitat:
Er hob eine Hand vor Augen und sah: nichts. Er spürte Boden unter den Füßen aber seine Füße waren verschwunden. Das ist es, was Blinde sehen, wenn sie Angst haben, schoss es ihm durch den Kopf
Ich habe mir bisher in meinem Leben noch keine Sekunde darüber Gedanken gemacht, was Blinde sehen, wenn sie Angst haben und kann mir nicht vorstellen, dass ein Elfjähriger so etwas denken würde. Und es gab viele Stellen im Buch, über die ich ähnliche Gedanken hatte.
Insgesamt fand ich das Buch stellenweise spannend. Die Idee ist genial, aber man hätte meiner Meinung nach mehr daraus machen können. Besonders begeistert hat mich das Buch nicht, aber es war durchaus nett zu lesen.

3 Sterne

Mittwoch, 5. März 2008

Gustaf Sobin - Der Trüffelsucher

Klappentext
Philippe Cabassac ist ein einsamer Mann, der nur eine Leidenschaft kennt: die alte provencalische Sprache, ein aussterbender Dialekt des Französischen. Er ist Professor an der Universität von Aix-en-Provence, und ihm gehört ein Anwesen in der Nähe der Stadt, das schon seit Generationen in der Familie ist. So lebt er dahin, bis im Hörsaal eine junge Frau auftaucht, die ihn fasziniert - Julieta, ein hochgewachsenes Mädchen mit schimmerndem schwarzem Haar. Sie teilt seine Leidenschaft für das Provencalische, und bald machen die beiden Exkursionen in die Haute-Provence, um Sprachfetzen zu sammeln, linguistische Eigenheiten, die nur noch die Alten in den Dörfern kennen und die Philippe und Julieta vor dem Vergessen bewahren wollen. Philippe verliebt sich in die immer distanzierte, merkwürdig einsame und unabhängige Julieta, er nimmt sie in seinem großen verfallenden Bauernhaus auf, in dem er allein mit seiner alten Tante, Miréio, wohnt. Julieta stellt fest, dass sie schwanger ist, aber nach einer kurzen Zeit des Glücks verliert sie das Kind und stirbt bald darauf. Philippe ist untröstlich, er versinkt in Apathie, bis er merkt, dass er jedesmal nach dem Geuß einer Trüffel von seiner geliebten Julieta träumt. Sein Traum überwältigt die Realität. Er wird zum besessenen Trüffelsucher.

Meine Meinung
Schon lange habe ich kein so seltsames Buch mehr gelesen. Der erste Teil ist noch schön, man fiebert mit bei der sich anbahnende Liebe zwischen den ungleichen Partnern, dem alten Einzelgänger und der jungen schönen Studentin. Aber man ahnt, bzw. weiß bereits, dass das Unheil nicht lange auf sich warten lässt.

Die Hauptpersonen sind und blieben mir fremd, ich konnte keinen einzigen Gedanken, keine Handlung nachvollziehen. Allein schon Julieta strotzt nur vor Seltsamkeit. Erst recht ihr Verhalten in der Beziehung ist mir ein Rätsel. Beide scheinen ihre Vergangenheit durch den Partner verarbeiten oder verdrängen zu wollen, was natürlich scheitern muss. Die Tragik lässt einen Mitfühlen, aber Philippe wird immer verrückter und weltfremder, was mich doch nur wieder abgeschreckt hat.

Im letzten Teil driftet die Handlung immer mehr in mir unverständliche Regionen ab und auch das Ende ist mir nicht ganz klar.
Allein die wundervolle Sprache hat mir Freude gemacht. Das Buch ist sehr poetisch, sehr blumig geschrieben und es macht viel Spaß es zu lesen, auch wenn der Inhalt nicht nach meinem Geschmack war.
3 Sterne

Noel Streatfeild - Ballet Shoes

Inhalt
Great Uncle Matthew, der von allen nur "Gum" genannt wird, sammelt eigentlich Fossilien, doch als das Haus langsam zu voll wird, verlegt er sich darauf, Waisenkinder zu "sammeln". Und so kommen Pauline, Petrova und Posy in das Haus in der Cromwell Road, wo sich Gums Nichte Sylvia und das Kindermädchen Nana um die drei kümmern.
Die Kinder werden auf eine Balletschule geschickt, mit unterschiedlichem Erfolg. Pauline hat eher das Talent zur Schauspielerin, Posy ist die geborene Tänzerin, nur Petrova würde lieber Automechanikerin werden.

Meine Meinung
Man muss sich nicht für Ballet interessieren, um dieses Buch zu lieben. Es geht um viel mehr als nur Ballet, die Kindheit in London vor dem zweiten Weltkrieg, Familienzusammenhalt und Geschwisterliebe. Das Buch ist wirklich bezaubernd, es liefert viele Details über die 3 Hauptpersonen, die sehr unterschiedlich sind, so dass jede Leserin einen Liebling finden wird, in den man sich hineinversetzen kann.

Auch wenn im Buch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, hinterlässt es doch eine schöne, positive Stimmung, es gibt keine "bösen" Menschen, gestritten wird selten und alle Probleme werden gelöst, indem die ganze Familie zusammenhält.

Die Geschichte zieht sich zwar durch das ganze Buch, aber auch die einzelnen Kapitel sind in sich abgeschlossen und es sind oft größere Zeitsprünge zwischen den Kapiteln, so dass auch kleinere Kinder, die noch kein 200-Seiten-Buch am Stück lesen können, ihre Freude daran haben werden. Auch die Sprache ist einfach und auch für kleinere Kinder verständlich, mit Ausnahme einiger altmodischer Ausdrücke.

Leider leider leider gibt es dieses Buch nicht auf deutsch, ich würde es sofort allen Kindern, Müttern, oder einfach allen, die gerne mal ein nettes Kinderbuch lesen, empfehlen!
Hätte ich dieses Buch als Kind schon gehabt, ich hätte es sicher hunderte Male gelesen. Für Erwachsene ist es zwar immer noch nett zu lesen, allerdings stellenweise etwas langatmig und zu Detailverliebt.

5 Sterne für Kinder
4 Sterne für Erwachsene

Mittwoch, 30. Januar 2008

Tommy Jaud - Vollidiot

Klappentext:
Irgendwas läuft schief bei Simon, aber gründlich. Die richtige Frau steht zum falschen Zeitpunkt vor der Saunatür. In den eigenen vier Wänden drohen kroatische Übersprungshandlungen, im Fitnessstudio lauert Killerschwuchtel Popeye, in der Cocktailbar sitzen Pulp-Fiction-Luftfahrthasen und im Spanischkurs zwei Hackfressen mit Betonpullovern. Da helfen weder Paula-Tipps noch Schlemmerfilets. Und wenn man sich am Ende auch noch so richtig "versimst", dann steht plötzlich ein kleiner Mann mit einem großen Bierkasten vor der Tür...

Meine Meinung:
Ich hatte schon viel von dem Buch gehört und als ich es für 2,99€ auf dem Mängelexemplar-Tisch liegen sah, habe ich es kurz entschlossen mitgenommen. Das hätte ich mir aber ehrlich gesagt sparen können. So ein überflüssiges Buch habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Außer der Regalnummer für einen Ikea-Sessel gibt es keinen "roten Faden" in der Geschichte (ok, vielleicht noch, dass sich der "Vollidiot" immer weiter ins eigene Verderben stürzt), sinnlose Besäufnisse und die gescheiterten Versuche, endlich eine Frau aufzureißen, bzw. ins Bett zu kriegen, wechseln sich ab. Wenn Single-Männer wirklich so denken und sich so benehmen, will ich nie wieder mit einem zu tun haben!

Die Ausdrucksweise ist ordinär, der Stil mehr als einfach, ich habe mich teilweise gefühlt, als wäre ich in der "Sendung mit der Maus" und würde gerade etwas kindgerecht erklärt kriegen. Das hat es mir zum Glück aber auch leicht gemacht, das Buch relativ schnell durchzulesen.
Zugegeben, manchmal habe ich auch gelacht, aber das macht das Buch nun wirklich nicht besser! Wenn ich in Zukunft ein nicht zu anspruchvolles Buch für Zwischendurch brauche, werde ich jedenfalls einen großen Bogen um Tommy Jaud machen und lieber wieder zur typischen "Frauenliteratur" greifen, da gibt es zwar ein Happy End, aber es ist nicht voll von Schimpfwörtern und ordinären Ausdrücken.

Bewertung: 2 Sterne

Sonntag, 27. Januar 2008

Dan Brown - Angels and Demons

Zum Inhalt muss ich wohl nicht mehr viel sagen, deshalb geht es gleich los mit meiner Meinung:

Ich bin sehr zwiegespalten, vor allem, da ich schon die unterschiedlichsten Meinungen gelesen habe und das meiste davon nachvollziehen kann. Normalerweise würde ich jetzt einfach meine Klappe halten, aber da das Buch auf meiner Liste für den SLW 2008 steht, muss ich etwas dazu sagen.

Ich finde es schön, dass die Sprache sehr einfach gehalten ist und die Kapitel sehr kurz sind, so lässt das Buch sich leicht lesen. Außerdem ist es sehr spannend, vor allem die ersten 2/3 des Buches haben mich kaum losgelassen. Deshalb kann ich gut verstehen, dass das Buch von Menschen gelesen und gemocht wird, die sonst kein Buch anrühren würden. Bei der Schnitzeljagd durch Rom hat man das Gefühl, mitten drin zu sein, Rätsel zu lösen und selber den "path of Illumination" mit Robert Langdon zu gehen. Es ist, als wäre man selbst dabei und hätte einen Anteil daran, dass Dinge aufgedeckt werden, die seit Jahrhunderten vergessen und verborgen waren, das gibt dem Ganzen eine geheimnisvolle Atmosphäre.

Allerdings kann ich auch verstehen, dass es für anspruchsvollere Leser, die etwas mehr lesen, als die Bücher von Dan Brown, nicht viel zu bieten hat und enttäuschend ist. Dennoch habe ich mich eigentlich ganz gut unterhalten gefühlt, nur das Ende ist viel zu sehr an den Haaren herbeigezogen und auch die Spannung lässt deutlich nach, wenn eigentlich schon alles klar ist und dann doch noch tausende "unvorhergesehene" Wendungen eingebaut werden. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich schon schlechtere und langweiligere Bücher gelesen habe und dass "Illuminati" schon eine ganz nette, mittelmäßige Lektüre für Zwischendurch ist.

Was ich allerdings für bedenklich halte ist, dass Halbwahrheiten und Lügen verbreitet werden, die die Masse der Leser dann glaubt und als die reine Wahrheit versteht. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, sich ein bisschen genauer über die Dinge zu informieren, die Dan Brown als Fakten verkaufen will.

Sehr gelacht habe ich über den Witz auf der letzten Seite:
Vittoria: "I plan to prove neutrinos have mass."
"Neutrinos have mass?" Langdon shot her a stunned look. "I didn't even know they were Catholic!"
Aber das lässt sich wohl nicht vernünftig ins Deutsche übersetzen...

Eine Bewertung fällt mir schwer, aber 3 Sterne treffen es dann wohl am besten.

Mittwoch, 16. Januar 2008

Ingvar Ambjörnsen - Ententanz

Im zweiten Elling-Roman "Ententanz" erwacht Elling in einem Heim für psychisch Kranke. Es fällt ihm nicht leicht, sich dort einzuleben, das Zimmer muss er mit dem etwas langsamen, aber doch sehr liebenswerten Kjell Bjarne teilen. Er verliebt sich in die Pflegerin Gunn und findet langsam Gefallen an dem "Erholungsheim", als an Weihnachten die Situation eskaliert.

Im zweiten Teil erfährt man in einem Rückblick von der Spanienreise, die Elling mit seiner Mutter unternommen hat, als diese noch am Leben war. Vor allem dieser zweite Teil hat mir sehr gut gefallen, denn man erfährt mehr über die Mutter, die im 1. Band verstorben ist und immer wieder auch über Ellings Kindheit und Jugendzeit.

Wie schon der erste Band hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Viel Neues kann ich hier nicht sagen, mir hat genau das gleiche an diesem Buch gefallen, wie schon an "Ausblick auf das Paradies". Es ist einfach wahnsinnig faszinierend, in den Kopf eines solchen Menschen schauen zu können. Die zwischenmenschlichen Beziehungen (Elling-Mutter und Elling-Kjell Bjarne) sind wunderbar beschrieben. Wie diese Mutter ihr Leben aufopfert für den psychisch kranken Sohn ist einfach rührend. Die ganze Geschichte ist herrlich skurril und man kann richtig gut in Ellings verqueren Gedanken versinken.

Allgemein ist dieses Buch nicht so bedrückend wie "Ausblick auf das Paradies", Elling scheint gefestigter und stabiler. Deshalb würde ich dieses Buch vielleicht noch ein bisschen mehr empfehlen, als den ersten Band. Ich würde sagen, man kann die Bücher auch gut unabhängig voneinander lesen.

Wegen einiger Längen während der Spanienreise gibt es von mir 4 Sterne.

Dienstag, 8. Januar 2008

Kristín Marja Baldursdóttir - Die Eismalerin

Klappentext:
Die Witwe Steinunn Olafsdóttir zieht mit ihren sechs Kindern in die kleine Stadt Akureyri im Norden Islands, damit sie dort die Schule besuchen können - auch die Mädchen. Hart sind die Zeiten um 1900, unberechenbar auch die Naturgewalten. Hart ist auch die Arbeit in der Fischfabrik, wo die Frauen wochenlang im Akkord den gefangenen Hering - das Silber des Meeres - einsalzen müssen. Dennoch entdeckt Karitas, die jüngste Tochter, ihr künstlerisches Talent. Ihr größter Wunsch ist es, Malerin zu werden. Doch dann lernt sie den großen, gutaussehenden, grünäugigen Sigmar kennen und lieben, und sie steht vor der folgenschwersten Entscheidung ihres Lebens.

Meine Meinung:
Das Buch lässt einen irgendwie unbefriedigt und ratlos zurück. Der erste Teil war noch sehr interessant, Karitas war ein aufgewecktes junges Mädchen, das mit allerlei Tricks und ihrem sympathischen Wesen der Familie in allen Lebenslagen helfen konnte. Doch vor allem im zweiten Teil wird sie unerträglich. Ich kann nachvollziehen, dass es Frauen zu dieser Zeit sicherlich nicht leicht hatten, vor allem nicht mit einem Beruf wie Malerin. Doch Karitas nörgelt ständig über alles, kümmert sich weder um Haushalt noch um ihre Kinder und lässt es sogar so weit kommen, dass andere Frauen aus dem Dorf ihr Haus putzen, weil sie eine Schande für die ganze Gegend ist.

Ich glaube nicht, dass wir uns so sehr daran gewöhnt haben, nur über starke Frauen zu lesen, denn eigentlich störte mich nicht so sehr Karitas' Schwäche, wie ihre negative Art, ständiges Jammern über alles, aber den A... nicht hochkriegen um etwas zu ändern, sowas kann ich einfach nicht verstehen.

Natürlich gibt es auch positives an dem Buch, hauptsächlich habe ich es gelesen, weil ich Island als Schauplatz sehr interessant finde. Man erfährt mehr über den Alltag und die Stellung der Frau zu dieser Zeit, auch die Landschaft ist oft wunderschön beschrieben.
Auch die kurzen Szenen zu Beginn jedes Kapitels, die Karitas dann zu einem Bild verarbeitet hat, haben mir gut gefallen. Man kann dadurch gut nachvollziehen, wie sich der Stil der Künstlerin im Laufe der Jahre entwickelt, wie sie mit verschiedenen Techniken arbeitet und kann sich die entstandenen Bilder beinahe vorstellen.

Insgesamt gebe ich 3 Sterne, da es eine ganz nette Lektüre für Zwischendurch wäre, wenn der zweite Teil nicht so langweilig wäre und die gute Karitas nicht ganz so nervig.

Samstag, 5. Januar 2008

Antonio Tabucchi - Erklärt Pereira

Lissabon 1938 – die Zeit der Salazar-Diktatur in Portugal, Doktor Pereira ist Witwer, lebt allein und schreibt die Kulturseite für die Abendzeitung „Lisboa“. Er lebt ein einsames, zurückgezogenes Leben, interessiert sich nicht für Politik, obwohl er Journalist ist und weiß nicht viel über die Verhältnisse in seinem Land, da die Zeitungen nicht darüber berichten.

Das alles ändert sich, als er Monteiro Rossi kennenlernt und ihn als Praktikant einstellt. Monteiro Rossi liefert zwar keine Artikel, die veröffentlicht werden können, weil er regime-kritisch schreibt, aber er rüttelt Pereira wach. Pereira wird in die Probleme von Monteiro Rossi hineingezogen, er kann sich nicht weiter aus allem raushalten sondern muss Stellung beziehen. Es vollzieht sich ein langsamer Wandel in seinen Gedanken und seinem Leben...

Der Roman ist zum Großteil in indirekter Rede geschrieben. Denn Pereira erzählt uns seine Geschichte, als würde er eine Zeugenaussage machen. "Pereira erklärt" oder "erklärt Pereira" steht nicht nur am Anfang eines jeden Kapitels, sondern beinahe in jedem Absatz. Dadurch hat man das Gefühl, alles aus Pereiras Sicht, aus erster Hand sozusagen zu erfahren, andererseits verschweigt Pereira auch einiges, was seiner Meinung nach nicht zur Geschichte gehört.

Das Buch hat mich sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht. Es hinterlässt ein beklemmendes Gefühl und wirft die Frage auf, ob man lieber sein eigenes Leben leben soll und damit sich selbst schützen, oder sich politisch engagieren und eventuell in Gefahr begeben.

Ich selbst hatte vor dem Lesen dieses Buches keine Ahnung von den politischen Verhältnissen in Portugal zu dieser Zeit, deshalb waren mir auch beim Lesen nicht alle Zusammenhänge 100% klar. Das Buch hat mich allerdings neugierig gemacht, mich über die Geschichte Portugals zu informieren.

Bewertung: 4 Sterne

Mittwoch, 2. Januar 2008

Dezember 2007

Sergej Lukianenko - Wächter des Tages 4/5
Hat mir nicht so gut gefallen wie Wächter der Nacht, aber trotzdem waren die Geschichten spannend und immer wieder überraschend. Ich freue mich schon auf Wächter des Zwielichts, das schon auf meinem SUB bereit liegt.

Jane Austen - Persuasion 4/5
Hat mir auch ganz gut gefallen, allerdings hab ich ziemlich lange daran gelesen und habe mich manchmal ein kleines bisschen gelangweilt, weil ich kurz zuvor die Verfilmung gesehen hatte.

Philip K. Dick - Do Androids dream of electric sheep? 5/5
Hat mir ein guter Freund geliehen und ich war anfangs sehr skeptisch, weil das einfach nicht mein Genre ist, aber das Buch hat mich doch begeistert. Da sind sehr viele geniale Ideen drin, vor allem die elektrischen Tiere :zwinker:

Fjodor Dostojewski - Weiße Nächte 4/5
Sehr schöne Liebesgeschichte, aber viel zu kurz.

Cormac McCarthy - The Road 5/5
Eines meiner Lesehighlights 2007. Ein Buch, das einen nachhaltig beschäftigt!

Katja Lange-Müller - Böse Schafe 4/5
Eine zum scheitern verurteilte Beziehung zur Zeit des Mauerfalls in Berlin. Am Anfang fand ich es nicht leicht, Zugang zu der Geschichte zu finden. Am Ende war ich doch zu Tränen gerührt, obwohl es nicht die Sorte Buch ist, die absichtlich auf die Tränendrüße drückt.

Alan Lightman - Betrachtungen über die Zeit 4/5
Einsteins Träume über die Zeit, Welten in denen die Zeit rückwärts läuft, plötzlich stillsteht oder eine subjektive Wahrnehmung ist. Ein paar nette Ideen und zum Glück schnell gelesen....

Bernhard Setzwein - Nicht kalt genug 3/5

Hermann Hesse - Siddhartha 3/5
Irgendwie bin ich mit diesem Buch und vor allem dem Schreibstil nicht klargekommen. Ich fühle mich, als hätte ich irgendwas nicht verstanden, das Buch hat mich weder begeistert noch irgendwie mein Leben berührt...