Mittwoch, 27. Juli 2011

Roland Barthes - Die helle Kammer: Bemerkungen zur Photographie


Barthes' Bemerkungen zur Photographie sind eigentlich absolut überflüssig. Aus der Sicht eines Bildbetrachters - nicht eines Fotografen - schreibt er sehr subjektiv, wie Fotos auf ihn wirken. Immer wieder kreisen seine Gedanken um ein Foto seiner bereits verstorbenen Mutter, auf dem er ihr wahres Wesen zu erkennen glaubt. So wird dieses dünne Büchlein für Barthes zu einer sehr persönlichen Abhandlung, die dem außenstehenden Leser nur wenig bieten kann.

Ich war sehr überrascht, als ich das Erscheinungsjahr dieses Buches erfuhr - 1980. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich wirkte es auf mich, als wäre es zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschrieben worden. Barthes' Sprache wirkt antiquiert und unnötig kompliziert, mit vielen Fremdwörtern gespickt, was den Lesefluss häufig etwas hemmt oder zumindest große Konzentration erfordert.

Inhaltlich wirkt das Buch vermutlich so alt, weil sich gerade im Bereich der digitalen Fotografie und der Bildbearbeitung in den letzten Jahrzehnten vieles weiterentwickelt hat. Dadurch kann man Barthes' Standpunkte oft nicht mehr nachvollziehen. Er argumentiert zum Beispiel, dass ein Foto auch immer ein Beweis ist dafür, dass etwas genau so gewesen ist, wie man es auf dem Bild sehen kann. In Zeiten von Photoshop beweist ein Foto einer Person an einem bestimmten Ort allerdings nicht, dass die Person wirklich dagewesen ist.

Positiv ist allerdings anzumerken, dass viele interessante Fotos im Buch enthalten sind und es sich auch lohnt über einige Argumente zu diskutieren oder nachzudenken. Ich hatte den Vorteil, das Buch im Rahmen eines Literaturkreises zu diskutieren und allein für die interessanten Gespräche, die aus der Lektüre der "hellen Kammer" entstanden sind, hat das Buch verdient.

Samstag, 23. Juli 2011

Gail Carriger - Changeless

deutscher Titel: Brennende Finsternis


Schon der Vorgänger Soulless (Glühende Dunkelheit) konnte mich begeistern und so war es keine Frage, dass ich die Reihe um Alexia Tarabotti (inzwischen Lady Maccon) weiterlesen wollte.

Obwohl einige Zeit seit der Lektüre von Soulless vergangen ist, war ich sofort wieder mitten drin in dieser Welt, in der Vampire und Werwölfe zum alltäglichen Leben gehören. Alexia ist inzwischen mit Lord Maccon verheiratet, wodurch sich wieder witzige Situationen zwischen den beiden ergeben, allerdings etwas anders geartet als noch im Vorgänger. Doch als der Werwolf-Ehemann eines morgens ohne Ankündigung verschwindet, findet Alexia das ganz und gar nicht witzig. Und sie wäre nicht Alexia, wenn sie nicht auf eigene Faust Nachforschungen anstellen würde.

Die Suche nach dem Auslöser für das eigenartige Phänomen, dass alle Vampire und Werwölfe in London auf einmal ihre übersinnlichen Kräfte verloren haben, fürt Lord Maccon und seine frischgebackene Ehefrau nach Schottland und ist somit auch eine Reise in die Vergangenheit des Werwolfs. Alexia reist zusammen mit ihrer besten Freundin die den schlechtesten Hutgeschmack in ganz London hat: Miss Hisselpenny. Glücklicherweise bekommt sie in diesem Teil etwas mehr Aufmerksamkeit und auch einen Verehrer. Mit von der Partie sind außerdem Alexias Schwester Felicity und eine neue Figur, die frischen Wind in die ganze Sache bringt, da man sie und ihre Motive noch nicht einschätzen kann: Madame Lefoux, eine französische Wissenschaftlerin.

Die Geschichte in diesem Band fand ich sehr viel spannender als in Soulless, da sie nicht so vorhersehbar und außerdem ausgeklügelter und durchdachter schien. Der Bösewicht ließ sich zwar wieder sehr schnell ausmachen, aber dank überraschender Wendungen und undurchschaubaren Intentionen der verschiedenen Personen war das Buch bis zum Ende spannend zu lesen.

Schottland ist wenigstens in einem Teil des Buches Schauplatz der Geschichte und die schottischen Werwölfe mit ihrem Akzent und Kilts sind genau so, wie man sich den Klischee-Schotten vorstellt. Das war für mich natürlich ein zusätzlicher Bonuspunkt, da ich meinem diesjährigen Urlaub meine Liebe zu Schottland wiederentdeckt habe. Außerdem gibt es einen Zeppelin, einen neuen Schirm für Alexia und viel Tee. Nur Lord Akeldama hat diesmal ein bisschen gefehlt, da er nur in wenigen Szenen auftaucht.

Insgesamt hat mir der zweite Teil der Reihe noch besser gefallen als der erste, weil man die Figuren noch besser kennenlernt und auch die Geschichte spannender war.  Auch das Ende habe ich nicht als so schlimmen Cliffhanger empfunden, so dass ich mir noch etwas Zeit lassen werde, bis ich den nächsten Teil lese, da ich noch länger Spaß mit dieser genialen Reihe haben möchte.



Der drittte Teil der Reihe, Blameless, erscheint unter dem Titel Entflammte Nacht im September auf Deutsch und der vierte Teil, Heartless, ist gerade Anfang Juli auf Englisch erschienen.

Montag, 18. Juli 2011

Sia Figiel - Alofa


Im Rahmen meiner literarischen Weltreise habe ich mich diesmal nach Samoa begeben und dort das junge Mädchen Alofa kennengelernt. Sie ist gefangen in einer Welt voller Zwänge und Verbote und steckt zusätzlich mitten in der Pubertät. Allerdings handelt es sich nicht um einen Roman, in dem man Alofas Geschichte verfolgen könnte, sondern um einige Episoden, die nur lose durch ihren Bezug zu Alofa zusammenhängen. Ein Gesamtbild über sie, ihre Familie, ihr Dorf und Samoa ergibt sich erst ganz am Ende, wenn man sich die Mühe macht, die einzelnen Bruchstücke an Informationen für sich selbst zusammenzusetzen.

Der Autorin war es anscheinend sehr wichtig, viele samoanische Begriffe im Buch zu verwenden. Diese kann man zwar in einer Wörterliste nachschlagen, aber gerade am Anfang kam ich aus dem Blättern nicht mehr heraus und habe trotzdem einige Wörter und Sätze nicht verstanden. Dadurch und durch die vielen Namen der Dorfbewohner und ihre teilweise komplizierten Beziehungen untereinander fällt der Einstieg in dieses Buch nicht leicht. Man muss sich erst einmal sprachlich zurechtfinden, bevor man damit anfangen kann, die Geschichte zu verstehen.

Und genau da setzt mein nächster Kritikpunkt an: Es gibt keine durchgängige Geschichte, keinen roten Faden. Die einzelnen Kapitel sind sehr unterschiedlich bezüglich Umfang, Stil und Thema. Oft geht es um die Probleme Alofas und ihrer ebenfalls pubertären Freundinnen, die für den erwachsenen Leser wenig interessant sein dürften. Teilweise werden dann auch noch samoanische Mythen vermischt mit realen Handlungen. Da ich diese Mythen nicht im Detail kenne, fand ich diese Passagen sehr verwirrend und konnte der Geschichte irgendwann nicht mehr folgen. Einzelne Kapitel waren zwar durchaus interessant und ansprechend, aber da mir der Zusammenhang zum restlichen Buch fehlte, konnten sie meine eher negative Meinung auch nicht mehr ändern.

Auch stilistisch ist dieses Buch eine bunte Mischung. Verschiedene Textarten reihen sich aneinander, ohne dass ein Grund für diesen Wechsel ersichtlich wäre. Ich hätte mir bei diesem Buch allgemein eine etwas klarere Linie erhofft, da sich so für mich einfach kein homogenes Bild ergibt und ich nach der Lektüre kaum mehr über Samoa weiß als vorher.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Kindheitserinnerungen: Otfried Preußler - Das kleine Gespenst


Vor einiger Zeit habe ich eines meiner Lieblingsbücher aus meiner Kindheit aus dem Regal gezogen und es nochmal gelesen. Normalerweise lasse ich sowas lieber, da ich Angst habe, mir die schönen Erinnerungen zu zerstören, wenn mir das Buch beim nochmaligen Lesen im Erwachsenenalter auf einmal nicht mehr gefällt. Aber die Gelegenheit war günstig, ich war zu Besuch bei meinen Eltern, meine Mutter hatte einige meiner schönsten Kinderbücher erst vor kurzem aus dem Keller geholt und in ihr Bücherzimmer gestellt und im Literaturschock-Forum fand ein Kinder- und Jugendbuchlesewochenende statt.

In meinen Besitz kam diese - inzwischen recht zerlesene - Ausgabe des kleinen Gespenstes offensichtlich an Weihnachten 1989. Ich war damals 4 und habe gerade das Lesen gelernt, es müsste also eines meiner ersten "richtigen" Bücher gewesen sein, das heißt ein Buch, das nicht hauptsächlich aus Bildern besteht.


Die liebe Uroma hat nur leider meinen Namen falsch geschrieben, aber das will ich ihr nach 22 Jahren doch verzeihen. Ich kann mich auch an ein Foto von mir an diesem Weihnachtsfest erinnern, auf dem ich dieses Buch ganz begeistert in die Kamera halte. Damals wurde leider noch nicht digital fotografiert, deshalb kann ich euch an dieser Kindheits-Erinnerung nicht teilhaben lassen.

Besonders gern mag ich auch die Illustrationen im Buch, hier zum Beispiel das kleine Gespenst bei einem Besuch auf dem Baum des Uhu Schuhu. 


Zur Geschichte an sich will ich jetzt gar nicht viel sagen, aber mir hat das Buch auch nach so langer Zeit immer noch sehr gut gefallen. An manchen Stellen wirkt die Sprache etwas altmodisch, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Es hat sich also durchaus gelohnt, so ein altes Kinderbuch mal wieder aus dem Regal zu holen. Vielleicht werde ich das demnächst auch mit anderen Kindheits-Lieblingen versuchen.

Und wie ist das bei euch, könnt ihr euch noch erinnern, welche Bücher ihr als Kind gern gelesen habt? Habt ihr diese Bücher noch? Und sie vielleicht sogar auch nochmal gelesen?

Dienstag, 5. Juli 2011

Der Juni in Büchern

Im Vergleich zum Mai habe ich im Juni wieder etwas mehr gelesen. Unter anderem auch meine drei Neuzugänge diesen Monat:

Joanne K. Rowling - The Tales of Beedle the Bard
Ein netter Zusatz zur Harry-Potter-Reihe, muss man aber nicht unbedingt gelesen haben.

Simonetta Greggio - Mit nackten Händen
Ganz unterhaltsam und gut geschrieben, aber zu kurz und nichtssagend, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Anette Göttlicher - Mensch, Paul!
Der fünfte Roman, der sich um die Frage dreht, ob Marie und Paul nun ein Paar werden oder nicht. Wie immer erfrischend und unterhaltsam zu lesen, nur die Geschichte ist langsam etwas ausgelutscht und dreht sich nur noch im Kreis.

Außerdem habe ich noch ein paar Bücher von ihrem (teilweise schon recht langen) SuB-Dasein befreit:

Jane Austen - Sense and Sensibility
Leider konnte mich dieses Buch nicht so begeistern wie die anderen Werke von Jane Austen, ich fand es etwas langweilig und die Hauptpersonen zu passiv oder zu nervig.

Leonie Swann - Garou
Das Wiedersehen mit den Schafen aus Glenkill hat mir viel Spaß gemacht!

Alfred Andersch - Sansibar oder der letzte Grund
Hat mich sehr beeindruckt und mir viel besser gefallen, als die meisten Bücher, die in der Nazi-Zeit spielen.

Banana Yoshimoto - Federkleid
Ich hatte einfach schon viel zu lange nichts mehr von Banana Yoshimoto gelesen, es war mal wieder Zeit!

Sophie Kinsella - Shopaholic & Baby
Becky konnte mich im fünften Teil der Serie leider nicht mehr so richtig begeistern.

Suzanne Collins - Catching Fire
Auch der zweite Teil der Reihe konnte mich nicht komplett überzeugen, geärgert habe ich mich aber hauptsächlich über den Cliffhanger am Ende. Warum kann nicht jeder Teil einer Trilogie in sich abgeschlossen sein, wenn es schon kaum noch Einzelromane zu kaufen gibt? 

Simon Singh - Fermats letzter Satz
Man mag es kaum glauben, aber auch Mathematik kann spannend sein!

Und dann war noch ein Re-Read eines meiner Lieblinge aus Kindertagen dabei:
Otfried Preußler - Das kleine Gespenst
Lässt sich auch als Erwachsener noch gut lesen und weckte schöne Erinnerungen!