Dienstag, 4. Mai 2010

Ali Sethi - Meister der Wünsche

Der Autor
1984 in Lahore geboren und aufgewachsen, entstammt Ali Sethi einem säkularen und äußerst exponierten Elternhaus: Der Familie der Mutter gehört ein angesehenes kritisches Wochen-Magazin, ›The Friday Times‹ (vergleichbar dem SPIEGEL), in dem beide Eltern tätig sind, Sethis Vater als Chefredakteur. Ali Sethi studierte bis 2006 in Harvard/USA South Asian Studies und Englische Literatur. Heute lebt er wieder in Lahore. Die Familie erhielt Todesdrohungen aus fundamentalistischen Kreisen, der Vater wurde mehrfach verhaftet und gefoltert, das Haus ist von amerikanischen und pakistanischen Sicherheitskräften umstellt. ›Meister der Wünsche‹ ist Ali Sethis erster, bereits im Vorfeld hoch gelobter Roman.

Inhalt
Wie Geschwister wachsen der vaterlose Zaki und Samar Api, seine rebellische Cousine, in einem großen bürgerlichen Haushalt Lahores auf. An der Spitze der ebenso streitlustigen wie liebevollen Familie stehen Zakis freigeistige Mutter Zakia und seine willensstarke, kulturell eher konservative Großmutter Daadi. Die stürmischen politischen Entwicklungen Pakistans spiegeln und brechen sich im intimen Prisma dieser verzweigten Familiengeschichte, doch der Puls des Lebens schlägt im Kleinen. Sethis Charaktere erfreuen sich des Lebens, selbst wenn alles dagegen spricht ...

Meine Meinung
Als Zaki zur Hochzeit seiner Cousine Samar Api aus den USA in seine Heimat Pakistan zurückkehrt, hat sich vieles verändert. In einer Rückblende erzählt er von seiner Kindheit und Jugend, die er zum Großteil gemeinsam mit Samar Api verbrachte. Da sein Vater bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, wächst er als einziger Mann in einer Familie von sehr verschiedenen Frauen auf. Seine Mutter ist eine Rebellin, die sich der Politik nicht blind unterordnet, sondern gegen Missstände protestiert. Die Großmutter und seine Tanten dagegen sind eher konservativ eingestellt.

In weiteren Rückblenden wird auch die Geschichte der Mutter und der Großmutter erzählt, so kann man verfolgen, wie sich die Situation der Frauen in Pakistan über mehrere Generationen verändert hat. Auch allgemein erfährt man viel über das politische Geschehen im Land. Da die Familienmitglieder nicht immer einer Meinung sind, wird auch oft diskutiert und man erfährt verschiedene Sichtweisen der jeweiligen Situation. Auch kann man in diesem Buch viel über Bräuche und Traditionen lernen. Da Samar Apis Eltern auf dem Dorf leben, die restliche Familie allerdings in der Stadt, wird auch der große Unterschied der beiden Lebensräume aufgezeigt.

Die Geschichte wird sehr ruhig erzählt, wer auf große Spannungsbögen und unerwartete Wendungen Wert legt, wird hier vergeblich warten. Dafür sind die Charaktere sehr gut beschrieben, man kann ihre Entwicklung gut nachvollziehen. Gerade weil das Buch so ruhig ist und die Geschichte langsam vorangeht, hat es mir so gut gefallen. Ich kann aber gut verstehen, dass manch anderen genau das langweilt.

Ein Glossar erklärt unbekannte Wörter, eine Liste der Personen, die im Buch vorkommen, ermöglicht es den Überblick zu behalten und auch die Karte von Pakistan und den umliegenden Ländern ist sehr hilfreich. Ich finde die Ausstattung und Aufmachung des Buches also definitiv gelungen, auch das Cover finde ich gut gewählt und sehr schön.

Fazit:
Ein leises, ruhiges Buch, auf das man sich einlassen muss. Für alle die gerne etwas exotische Familiengeschichten lesen und sich gleichzeitig für fremde Länder und Kulturen interessieren.

Für mich ein absoluter Buchtipp und

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