Dienstag, 4. Mai 2010

Kader Abdolah - Das Haus an der Moschee

Klappentext
Ein altes Haus in Senedjan. Seit 800 Jahren wohnt hier die Familie des Teppichhändlers Agha Djan. Unter seiner Obhut leben die Menschen in einträchtiger Harmonie - bis die von Teheran und den Aufständen gegen das korrupte Regime des Schahs ausgehende Unruhe auch sie erreicht. In seinem neuen Roman breitet Kader Abdolah das zutiefst menschliche Schicksal einer iranischen Großfamilie wie ein bunt schillerndes Geschichtengewebe vor uns aus.

Meine Meinung
In zumeist recht kurzen Episoden wird aus dem Leben der iranischen Großfamilie um Agha Djan erzählt. Die einzelnen Kapitel hängen nicht unmittelbar zusammen, obwohl immer wieder auf Ereignisse aus früheren Kapiteln Bezug genommen wird. Dieser episodenhafte Charakter hat mich zu Beginn extrem gestört, es war mir nicht klar, worauf diese ganzen einzelnen Geschichten hinauslaufen und wollte lieber eine große Geschichte lesen, als viele einzelne.
Erst später wurde mir klar, dass Kader Abdolah hier weniger die Geschichte einer Familie erzählt, als die Geschichte des Iran. Das Buch begleitet die Familie über mehrere Jahrzehnte, man erlebt das Regime des Schahs, der mit Amerika sympathisiert, diverse innere Unruhen und Revolutionen, den Krieg mit dem Irak und die Herrschaft Ayatollah Khomeinis und die direkten Auswirkungen auf die Familie mit.
Erstaunlich fand ich, dass das Buch eine etwas andere Sicht auf den Islam zeigt. Agha Djans Familie ist sehr konservativ, Amerika gilt als der große Feind des Islam, auch die Frauen in der Familie sind gegen die Emanzipation, wollen die Traditionen beibehalten. Im Laufe des Buches ändert sich die Sichtweise einiger Familienmitglieder durchaus, und trotzdem fand ich es interessant, mal ein anderes Frauenbild zu sehen, als das der Unterdrückten, die für ihre Rechte gegen die Männer und den Islam kämpfen muss.
Am Anfang ist das Buch noch recht locker und leicht zu lesen, die Episoden sind teilweise sehr amüsant und liebenswert erzählt. Doch sobald sich die politische Lage im Land ändert, ändert sich auch die Stimmung im Buch. Man spürt immer mehr von den grausamen Taten, die im Iran passiert sind. Der politische Umschwung und der Krieg machen auch vor Agha Djans Familie nicht halt und so muss man auch mit der Familie einige schwere Schicksalsschläge erleiden und um verschiedene Familienmitglieder bangen.
Teilweise liest sich das Buch wie ein Geschichtsbuch, was mich persönlich allerdings nicht gestört hat, da ich mich es gut fand, durch das Buch so viel über den Iran und seine Vergangenheit zu lernen.
4 Sterne

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