Dienstag, 7. September 2010

Åsne Seierstad - Der Buchhändler aus Kabul


Kurz nach den Terroranschlägen des 11. September hat Åsne Seierstad für mehrere Monate bei der Familie eines Buchhändlers in Kabul gewohnt. Dort hat sie das alltägliche Leben der Famile begleitet und ein Buch darüber geschrieben.

Das Buch ist allerdings nicht aus der Sicht der Autorin geschrieben, sondern aus Sicht der verschiedenen Familienmitglieder. Åsne Seierstad schreibt ihnen Gefühle und Gedanken zu, von denen sie nichts wissen kann, während sie andererseits wahre Geschichten erzählt. In einem Vorwort erwähnt die Autorin, dass sie zahlreiche Diskussionen mit den Männern der Familie hatte, bei denen es meistens um die Rolle der Frauen ging. Leider werden den Lesern diese Diskussionen, die durchaus interessant gewesen wären, verschwiegen.

Abgesehen davon, dass hier Journalismus mit Fiktion vermischt wird, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Ich interessiere mich für Afghanistan und vor allem auch für die Rolle der Frau. Die Autorin erzählt sehr unterschiedliche Geschichten aus der Familie Khan, aber oft stehen dabei die Frauen im Mittelpunkt. Sie haben keine Rechte und müssen alles über sich ergehen lassen. Still wird ertragen, dass der Ehemann sich eine zweite, jüngere Frau nimmt, ein junges Mädchen wird zwangsverheiratet, weil sie sich kurz mit einem Jungen im Park getroffen hat, alle Entscheidungen der Männer werden ohne Protest hingenommen. Am schlimmsten hat es Leila getroffen, sie ist die jüngste Schwester des Buchhändlers und macht für die 12-köpfige Familie den kompletten Haushalt und muss oft den Frust oder die schlechte Laune der restlichen Familie ertragen.

Ich finde, dass dieses Buch ein wichtiges Dokument über Afghanistan ist, das uns einmal mehr zeigt, wie glücklich wir uns schätzen können, dass wir als Frauen in der westlichen Welt alle Freiheiten genießen. Ich werde nach weiteren Büchern der Autorin Ausschau halten, da sie auch andere Krisengebiete besucht und darüber geschrieben hat.

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