Mittwoch, 31. März 2010

Yasmina Khadra - Die Schuld des Tages an die Nacht

Der arabische Junge Younes wächst im Algerien der 20er Jahre in ärmlichen Verhältnissen auf. Als sein Vater keinen anderen Ausweg mehr sieht, bringt er ihn zu seinem wohlhabenden Onkel. Man begleitet Younes, dessen Name im Laufe der Jahre zu Jonas abgeändert wird, auf seinem Lebensweg, lernt seine Freunde und später auch seine große Liebe kennen und gleichzeitig erfährt man, wie Algerien sich über diese Zeit verändert hat.

Das Buch hat wirklich sehr interessant und stark begonnen, um dann immer mehr nachzulassen. Die erste Hälfte hat mir noch sehr gut gefallen, man sieht den kleinen Younes aufwachsen, liest, wie er sich in der großen Stadt Oran zurecht findet, nachdem er die ersten Jahre seines Lebens auf dem Land gewohnt hat, fühlt mit ihm, als er alles Vertraute hinter ihm lässt und in ein neues Leben aufbricht und erfährt nebenbei auch immer wieder interessante Dinge über Algerien. Auch spürt man die Gegensätze, zwischen denen Younes als Araber unter Europäern feststeckt.

Leider verkommt die Geschichte in der zweiten Teil immer mehr zu einer uninteressanten, langweiligen Liebesgeschichte. Das politische und gesellschaftliche Geschehen in Algerien tritt immer mehr in den Hintergrund, obwohl das alles viel interessanter wäre, als die eigentliche Handlung des Buches. Zusätzlich wird das Verhalten der Hauptperson immer unerträglicher. Younes/Jonas bleibt während seines ganzen Lebens passiv, nie greift er aktiv in das Geschehen ein, immer lässt er sich nur treiben und alles mit sich geschehen, ohne jemals Widerspruch zu leisten oder sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dieser Charakterzug ist nur schwer nachzuvollziehen und auch kaum zu ertragen.

Auch sprachlich konnte mich das Buch nicht überzeugen, was allerdings auch an der Übersetzung aus dem Französischen liegen könnte. Die Sprache wechselt zwischen stark umgangssprachlichen Begriffen zu übertriebener Hochgestochenheit innerhalb weniger Sätze, außerdem wird nicht klar, warum einige Begriffe oder gar ganze Sätze kursiv gesetzt sind. Ein Glossar, der fremde Begriffe erklärt, wäre hilfreich gewesen, fehlt hier aber.

Insgesamt muss ich leider sagen, dass das Buch in der zweiten Hälfte nicht hält, was die erste Hälfte versprochen hat.
3 Sterne

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