Samstag, 9. April 2011

Catalin Dorian Florescu - Jacob beschließt zu lieben


Alles fing damit an, dass Jakob während eines Sturms in das kleine Dorf im rumänischen Banat kam um die reiche Elsa Obertin zu heiraten. Sein Sohn Jacob erzählt in Rückblenden die Geschichten des Vaters und anderer Vorfahren, die eng mit seiner eigenen Lebensgeschichte verwoben sind.

Man darf sich nicht vom Titel täuschen lassen, Liebe spielt in diesem Roman nur eine sehr kleine Rolle. Positive Emotionen gibt es allgemein kaum in dieser Welt, die Catalin Dorian Florescu uns da vorsetzt. So gibt es auch die Liebe nur in ihren negativen Formen, nämlich als unerfüllte oder verlorene Liebe. Gerade diese negative Grundstimmung hat es mir am Anfang sehr schwer gemacht, dieses Buch zu lesen. Jeder positive Sonnenstrahl wird sofort von einer großen dunklen Gewitterwolke der Hoffnungslosigkeit überdeckt, es gibt Verrat, Hass und Leid und das ist als Leser etwas schwer zu ertragen.

Eigentlich ist das Buch allerdings sehr interessant, beschreibt es doch immer und immer wieder die Suche nach Identität und Heimat. Volksgruppen, die ihre Heimat aufgrund von Krieg, Verfolgung oder Armut aufgeben müssen und versuchen, wo anders neu anzufangen, nur um dann festzustellen, dass es auch in der Fremde nicht besser ist, gab es in der Geschichte schon viele. Und auch in diesem Buch ist es eigentlich nicht so wichtig, zu wissen, wer gerade aus welchen Gründen aus seiner Heimat in ein neues Leben flieht.

Die rumänische Geschichte ist durchaus interessant und dieser Roman hat mich dazu angeregt, mich näher damit zu beschäftigen. Für das Verständnis sind genaue Kenntnisse aber zweitrangig. Viel mehr als geschichtliche Hintergründe stehen Einzelschicksale im Vordergrund und im Mittelpunkt immer wieder die Familie Obertin, deren Geschichte sich in einem Kreislauf aus Flucht und Vertreibung wiederholt.

Gegen Ende hat mich dieser Familienepos immer mehr gefesselt und ich bin froh, dass ich das Buch gelesen habe, auch wenn es insgesamt etwas gemischte Gefühle bei mir zurücklässt. 

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