Mittwoch, 11. August 2010

Miral al-Tahawi - Das Zelt

Meinen literarische Weltreise führte mich nun mit Das Zelt von Miral al-Tahawi auch nach Ägypten.

Das Zelt erzählt die Geschichte der kleinen Fatima, die in einer Beduinenfamilie aufwächst. Da alles aus der Sicht Fatimas, also aus der Sicht eines kleinen Mädchens, erzählt wird, ist die Handlung nicht immer ganz klar. Erklärungen gibt es nicht, man muss sich alles selber zusammenreimen und zum Beispiel die Familienverhältnisse ihrer Großfamilie selbst ableiten, was mir bei einigen Personen bis zum Ende nicht ganz gelungen ist. Die wichtigsten Familienmitglieder kann man aber klar zuordnen. Da gibt es eine verrückte Mutter, eine Großmutter, die nur zu gerne die Herrschaft über alles an sich reißt und einen Vater, der nur selten zuhause ist. Ob es sich bei den anderen Familienmitgliedern nun um Schwestern, Tanten, Cousinen oder etwas anderes handelt, ist für das Verständnis eigentlich nicht wichtig.

Die fehlenden Erklärungen haben mich nicht gestört. Ich fand es im Gegenteil sogar sehr interessant, wie die Autorin es schafft, einen diese fremde Welt durch die Augen eines kleinen Mädchens sehen zu lassen. Der Leser erfährt nur das, was auch Fatima weiß und muss somit auch selbst nachdenken und interpretieren. Auch die Sprache ist zu Beginn recht einfach und kindlich, entwickelt sich im Laufe des Buches aber weiter, in dem Maß, in dem auch Fatima älter wird.

Die Grenze zwischen Traum und Realität ist hier fließend, oft beschreibt die Erzählerin eine alltägliche Handlung, bevor sie wieder in verrückte Träume abdriftet, die man nicht so ganz zuordnen und nachvollziehen kann. Da war es für mich oftmals etwas schwierig, den Faden nicht zu verlieren und der Geschichte noch zu folgen.

Die Lieder und Gedichte, die fast nur am Kapitelanfang zu finden sind, haben für mich genau den Effekt gehabt, der damit wohl auch beabsichtigt war. Man erhält einen sehr kleinen Einblick in die kulturelle Welt eines fremden Volkes und bekommt Lust darauf, sich noch mehr mit dieser Kultur auseinanderzusetzen.

Ich hätte mir an manchen Stellen auch mehr Informationen über die Beduinen und ihre Lebensweise gewünscht, aber es ist ja nicht unbedingt der Sinn eines Romans, den Leser zu informieren und weiterzubilden. In dem Fall müsste man dann wohl ein Fachbuch lesen.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, Fatima und ihr Schicksal sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich fand es traurig, als ich sie wieder verlassen musste. An manchen Stellen war mir die Verwirrung und die Vermischung von Realität und Traum etwas zu groß, weshalb ich nur 3,5 Sterne vergebe.

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