Mittwoch, 4. August 2010

Nadeem Aslam - Atlas für verschollene Liebende

Klappentext
In einer namenlosen englischen Stadt sind Jugnu und Chanda verschwunden, ein pakistanisches Liebespaar, das ohne Trauschein zusammenlebte. Böse Gerüchte kursieren in der kleinen pakistanischen Gemeinschaft, und eines verschneiten Januarmorgens werden Chandas Brüder wegen Mordes verhaftet. Für Shamas und Kaukab, Jugnus Bruder und Schwägerin, entpuppen sich die nächsten 12 Monate, während der Prozess um den Ehrenmord läuft, als Lebenskatastrophe, in deren Verlauf sie alles, an das sie je geglaubt haben, infrage stellen müssen.

Meine Meinung
Ich habe unverhältnismäßig lange an diesem Buch gelesen, was schon mal nichts gutes bedeutet. Die englische Ausgabe ist unglaublich klein gedruckt und man hat das Gefühl, eine halbe Stunde an einer Seite zu lesen. Da die Geschichte auch recht langsam voranschreitet, verstärkt sich dieser Eindruck nur noch. Und so wurden die 369 Seiten für mich zur Qual. Eigentlich hätte alles passen müssen. Ich interessiere mich für Pakistan, die Kultur und die Stellung der Frau dort und lese auch gerne über das Schicksal von Einwanderern. Aber bei diesem Buch war das anders.

Die Geschichte um die Familie von Shamas und Kaukab ist wunderbar poetisch in einer sehr schönen Sprache erzählt. Alle Figuren scheinen lebendig, da jeder seine eigene glaubhafte Vorgeschichte hat, die auch erzählt wird und die den Charakter der jeweiligen Person noch unterstreicht. Leider war es oftmals zu viel Vorgeschichte und zu wenig Handlung. Es wird von der Kindheit von Shamas' Vater erzählt, vom Kennenlernen zwischen Shamas und Kaukab, der Vorgeschichte von Chanda und Jugnu und man erfährt auch die komplette Lebensgeschichte von anderen Personen, die mit der Handlung nur am Rande zu tun haben. Diese einzelnen Lebensgeschichten waren oft sehr interessant, leider wurde es mir dann aber irgendwann zu viel des Guten.

Das Buch ist sehr ruhig, die Handlung schreitet langsam voran und es gibt auch keinen richtigen Spannungsbogen. Alles Dinge, die mich normalerweise nicht stören, die mir sogar oft gut gefallen. Hier haben mich die Längen, die die Handlung nicht vorantreiben, aber mehr gestört, als dass ich die schöne Erzählweise hätte genießen können. Nur am Ende hat sich nochmal ein gewisser Sog entwickelt, der mich das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen ließ.

Eine Sache, die mich mehr als alles andere gestört hat, ist allerdings, wie schlecht der Islam in diesem Buch wegkommt. Ich habe mich mit dieser Religion nicht umfassend beschäftigt und mein Wissen stammt hauptsächlich aus anderen Romanen, die in diesem Kulturkreis spielen. Aber ich denke, ich kann dennoch beurteilen, dass der Islam nicht eine grundsätzlich schlechte Religion ist, die nur dazu dient, den Frauen das Leben schwer zu machen. Das ist aber genau der Eindruck, den man beim Lesen dieses Buches erhält. Es wäre schön gewesen, wenigstens einmal zu lesen, dass die ganzen Probleme, die diversen Frauen in der Geschichte entstehen nicht an der Religion an sich liegen, sondern an einer falschen und unzeitgemäßen Auslegung der Gebote.

Einige Episoden waren sehr schockierend zu lesen, ich denke mit Entsetzen an die junge Frau, die zu Tode gefoltert wurde, da sie angeblich von bösen Geistern besessen war, die nur mit diesen Methoden ausgetrieben werden konnten.

Trotz aller Kritikpunkte möchte ich gerne noch ein weiteres Buch von Nadeem Aslam lesen, da ich seinen Schreibstil sehr schön fand und mich Teile der Geschichte auch gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt haben. Man hätte das Ganze nur um die Hälfte kürzen müssen.

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