Donnerstag, 3. Dezember 2009

Leylâ Erbil - Eine seltsame Frau

Klappentext
Die neunzehnjährige Studentin Nermin erfährt am eigenen Leib, was es bedeutet, erwachsen zu werden in einer Gesellschaft, die ihr ein traditionelles Frauenbild entgegenhält. Die Mutter keift, wenn sie zu spät nach Hause kommt, und verlangt Keuschheit bis zur Hochzeit. Also muss sie lügen und sich verstecken, wenn sie, wie all ihre Freundinnen, zu den Tanzpartys geht, sich verliebt, Liebeserklärungen entgegennimmt und abwehrt.
Die Erkundung ihres Ichs geht einher mit der Erforschung der Stadt. In den Istanbuler Cafés und Künstlerkneipen sucht sie Inspiration und Offenheit. Doch die etablierten Literaten verweigern ihr als Frau die intellektuelle Anerkennung. Sie schließt sich den linken Gruppen an. Doch bald spürt sie, die Hinwendung zum »Volk« ist abstrakt, einengend und trügerisch. Aber Nermin gibt die Hoffnung auf eine humanere Welt nicht auf.

Meine Meinung

Nachdem ich den Klappentext gelesen habe, hätte ich eigentlich eine Geschichte über eine junge Frau erwartet, die gegen das traditionelle Frauenbild kämpft und sich auflehnt. Nebenbei hatte ich gehofft, etwas mehr über die Rolle der Frau in der Türkei zu erfahren, aber meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.

Der erste Teil des Buches ist in Form von Tagebucheinträgen geschrieben. Aus der Sicht von Nermin erfährt man von ihren Freunden, der Universität, ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin und von linken Gruppen, für die sie sich teilweise engagiert. Sehr viel muss man sich aber selbst zusammenreimen, schon auf den ersten Seiten werden unendlich viele Namen genannt, die Personen werden nicht weiter eingeführt, man kann sich kaum merken, wer diese ganzen Leute sein sollen und in welchem Zusammenhang sie stehen. Alle Episoden werden in wenigen Zeilen abgehandelt, dann folgt wieder ein nicht näher bestimmter Zeitsprung. Als man endlich das Gefühl hat, sich etwas zurecht gefunden zu haben ist das Kapitel zu Ende.

Im zweiten Teil ist Nermins todkranker Vater der Erzähler. Er blickt auf sein Leben zurück, doch auch dieser Teil ist sehr verwirrend geschrieben, man hat das Gefühl, dass der Vater teilweise phantasiert und nicht mehr richtig zwischen Realität und Traum unterscheiden kann, was nicht zum allgemeinen Verständnis beiträgt. Diesen Teil habe ich nur noch überflogen, weil ich dem Geschehen absolut nicht folgen konnte und den Zusammenhang zu Nermins Geschichte auch nicht erkannt habe.

Erst der letzte Teil wird einigermaßen interessant, darin ist Nermin schon erwachsen und blickt auf ihr Leben zurück. Doch zu diesem späten Zeitpunkt konnte ich mich auch nicht mehr mit dem Buch anfreunden und darüber hinwegsehen, dass der Rest reine Quälerei und Zeitverschwendung war.
2 Sterne

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