Samstag, 26. Dezember 2009

Rainer M. Schröder - Das Vermächtnis des alten Pilgers

Der Autor
Rainer Maria Schröder, Jahrgang 1951, lebt nach vielseitigen Studien und Tätigkeiten in mehreren Berufen seit 1977 als freischaffender Schriftsteller in Deutschland und Amerika. Seine großen Reisen haben ihn in viele Teile der Welt geführt. Dank seiner mitreißenden Abenteuerromane ist er einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Jugendbuchromane.

Das Buch
Burg Frodebert im Hunsrück, im Jahre 1065. Die letzten Worte des alten Pilgers Vinzent werden im leidvollen Leben des 16-jährigen Marius "Niemandskind" zum lang ersehnten Lichtblick: "Folge dem Morgenstern..." Damit kann nur eines gemeint sein - er soll sich dem Kreuzfahrerheer anschließen, welches das Heilige Land von den "Ungläubigen" befreien will. Marius macht sich auf den gefahrvollen Weg nach Mainz. Doch erst nach einer langen Reihe von Abenteuern und der Begegnung mit dem jüdischen Mädchen Sarah versteht Marius, dass der alte Pilger mit seinem Vermächtnis etwas ganz anderes im Sinn hatte.

Meine Meinung
Als erstes muss ich sagen, dass das Buch seit 10 Jahre auf meinem SuB liegt. Damals, als ich es gekauft habe, war ich in der Zielgruppe (also 14 Jahre alt) und habe diese Art von Abenteuerromanen auch gerne gelesen. Inzwischen hat sich mein Geschmack grundlegend geändert, historische Romane lese ich eigentlich gar nicht. Vielleicht liegt es also daran, dass das Buch etwas schlecht weggekommen ist.

Erstens fehlte mir der rote Faden durch die Geschichte. Marius sucht zwar nach seinem Platz im Leben, da er sich als "Niemandskind" fühlt, also weder zugehörig zu seinem Onkel, dem reichen Burgherren, noch zu den armen Bauern. Diese Suche zieht sich durch das ganze Buch und wird immer wieder erwähnt, Marius erlebt aber zwischendurch zahllose Abenteuer, die nicht wirklich in einem Zusammenhang stehen. Die Geschichte kommt sehr langsam in Gang und einen durchgehenden Spannungsbogen gibt es nicht.

Zweitens fand ich die Geschichte für ein Jugendbuch arg grausam. Ich bin zwar etwas empfindlich, aber schon lange keine 14 mehr. Hätte ich das Buch damals gelesen, hätte ich es sicher nach der detailiert beschriebenen Hinrichtung eines Bauern abgebrochen. Marius wird öfter überfallen, zusammengeschlagen oder übel zugerichtet und die blutigen Auseinandersetzungen sind jeweils sehr genau erzählt. Das finde ich unnötig und auch für ein Jugendbuch nicht ganz passend.

Drittens fühlt man sich öfter, als wäre man im Religionsunterricht gelandet. Der Autor lässt keine Gelegenheit aus, um den Leser durch die Gespräche Marius' mit dem Pilger oder anderen Erwachsenen als eine Lehrstunde in Sachen Religion, Judentum vs. Christentum, Kreuzzüge etc. ausarten zu lassen. Dies ist zwar sicher informativ, aber nicht sehr geschickt in die Geschichte eingebaut.

Das Buch ist sicherlich gut recherchiert, hat einen Anhang mit Begriffserklärungen, ein Nachwort in dem historische Hintergründe erklärt werden und auch eine Karte der Stadt Mainz zu der Zeit, in der die Geschichte spielt. Auch ist die Geschichte nicht schlecht geschrieben, manchmal hat mich das Geschehen durchaus mitgerissen, aber leider waren die Momente, in denen ich mitfühlen konnte, zu selten.

Eine Bewertung fällt mir schwer, aber ich habe mich für mittelmäßige 2,5 Sterne entschieden.

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