Dienstag, 15. März 2011

Anke Höhl-Kayser - Ronar


Der zwölfjährige Ronar wächst in der Familie des Schmieds als Findelkind auf, seine echten Eltern kennt er nicht. Er fühlt sich dort als Außenseiter und wird von seinen Geschwistern oft gehänselt. Doch als seine Ziehschwester entführt wird, macht er sich auf die Suche nach ihr, erlebt spannede Abenteuer und wird am Ende vor eine wichtige Entscheidung gestellt.

Ronar ist nicht immer eine sympathische Hauptfigur, er ist sehr menschlich und hat Fehler, verhält sich nicht immer richtig. Auch die Nebenfiguren sind nicht nur schwarz und weiß, die Guten machen nicht alles richtig und die Bösen haben auch ihre Gründe, warum sie so geworden sind. Das finde ich gerade in Jugendbüchern, in denen oft deutlich Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird, sehr wichtig. Man merkt dem Buch zwar an, das es mit dem Hintergedanken geschrieben wurde, jungen Lesern Werte wie Ehrlichkeit und Altruismus näher zu bringen, die Moralkeule wird dabei allerdings nie ausgepackt.

Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend, spätestens in der zweiten Hälfte wollte ich es gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin findet genau das richtige Maß zwischen ruhigeren Passagen mit Gesprächen und Beschreibungen der Umgebung und temporeicheren Szenen, in denen man so richtig mitfiebert. Es geht zwar teilweise nicht zimperlich zu, grausam und blutig wird es - der Zielgruppe entsprechend - zum Glück nicht.

Sehr angenehm fand ich auch die kurzen Kapitel, die sich bestimmt auch gut zum Vorlesen oder Selbstlesen für ungeübte Leser eignen. Der Stil ist angenehm und leicht zu lesen, manchmal aber auch sehr poetisch. Ein gutes Beispiel ist dafür gleich der erste Satz:
Ein gelblich weißer voller Mond stand am Himmel und streichelte mit seinem Licht zärtlich die Zweige des Birnbaums.

Insgesamt ist Ronar ein lesens- und empfehlenswertes Jugendbuch. Für mich hat das letzte Fünkchen Besonderheit gefehlt, das das Buch von der breiten Masse der Jugendbücher abhebt, allerdings hat es sich auf jeden Fall verdient!


Mein Dank gilt Anke Höhl-Kayser, die mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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