Donnerstag, 29. Dezember 2011

Rose Tremain - Der weite Weg nach Hause


Lev hat in seiner osteuropäischen Heimat keine Zukunft mehr. Seine Frau ist gestorben und es gibt für ihn dort keine Arbeit mehr. Also wagt er den Sprung ins kalte Wasser, fährt nach London, um dort den Lebensunterhalt für sich, seine Mutter und seine Tochter zu verdienen. Am Anfang ist es für ihn alles andere als leicht, da er die Sprache nicht gut spricht und sich auch sonst nur schwer zurecht findet. Doch langsam findet er seinen Weg und baut sich ein neues Leben auf, als eine andere Katastrophe über ihn hereinzubrechen droht.

Auch wenn Levs Geschichte sehr ruhig ist und keine spektakulären Ereignisse zu bieten hat, habe ich sie gerne gelesen. Es ist die Geschichte eines durchschnittlichen Menschen, der seine Fehler und seine Stärken hat, der all seinen Mut aufgebracht hat um in die Fremde zu gehen. Rose Tremain schafft es, dass man sich in seine Situation hineinversetzen kann, dass man mitfühlt und mit Lev leidet. Nach und nach erfährt man auch vieles aus seiner Vergangenheit. Am Anfang sind diese Rückblenden sehr häufig und man muss sich erst in der Geschichte zurecht finden, aber am Ende fügt sich alles zu einem stimmigen Bild zusammen.

Nicht nur Lev ist eine interessante Figur, auch die Personen um ihn herum sind einzigartig und toll charakterisiert. Lev bewegt sich nicht unbedingt in den besten Gegenden und seine Freunde sind Menschen, die selbst viele Probleme haben und ihren Weg erst finden müssen. Und trotzdem mochte ich sie im Laufe des Buches immer mehr und war traurig, als ich sie zurücklassen musste.

Am Ende ging mir dann alles etwas schnell, auf den letzten 50 Seiten passiert noch wahnsinnig viel, was man für meinen Geschmack auch einfach hätte offen lassen können. Andere Leser freuen sich aber vielleicht darüber, dass es für jede Figur ein abgeschlossenes Ende gibt, ich habe da lieber etwas Spielraum für meine eigenen Gedanken.

 

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