Seiten

Dienstag, 31. März 2009

Hans Salcher - Steinwurf

In Hans Salchers Gedichten gibt es keine überflüssigen Worte. Kurz und knapp bringt er in kurzen, oft auch fragmentartigen Sätzen auf den Punkt, was er sagen will. Die Themen sind dabei weit gefächert, es geht um das Leben im Bergdorf, Gott, den Tod, vor allem spielt aber die Natur eine große Rolle.

Auch die Bilder des Autors, die die Gedichte ergänzen und unterstreichen, zeichnen sich durch Schlichtheit aus, keine überflüssige Farbe, kein Strich zu viel, nur schwarze Linien auf weißem Hintergrund.

Und so ist ein wunderbares kleines Buch entstanden, das ich mit großer Begeisterung gelesen habe. Die Gedichte sind stimmungsvoll und abwechslungsreich. Manche verbreiten gute Laune, andere machen nachdenklich. Durch die Knappheit der Gedichte hat man die Möglichkeit zur eigenen Interpretation und kann so je nach Stimmungslage verschiedene Gedanken und Lebensweisheiten entdecken.

Man sollte das Buch nicht an einem Stück durchlesen, sondern öfter zur Hand nehmen, damit es seine volle Schönheit entfalten kann.

4,5 Sterne

Mittwoch, 11. März 2009

Margaret Atwood - Der Report der Magd

Zum Inhalt muss ich wohl auch nicht weiter was sagen.

In klaren und einfachen Sätzen erzählt die Magd Desfred von ihrem Leben. Durch diese Perspektive erfährt man zwar nicht viel über den Staat Gilead, aber dafür liest man einen authentischen Bericht von einer Person, die mitten im Geschehen steckt. Mich hat das Buch sehr bewegt und auch ganz schön mitgenommen. Das eingeschränkte Leben, das Desfred führt ist sehr trostlos und ihr wird auch noch jede Möglichkeit genommen, dieses Leben zu beenden. Der Geschlechtsakt, der die Routine durchbricht ist allerdings auch alles andere als eine erfreuliche Abwechslung.

Desfred erzählt nicht geradlienig, immer wieder gibt es Rückblenden in die Vergangenheit, eine Zeit vor Gilead, eine Zeit, die unserer sehr ähnlich ist. Gerade das ist das beängstigende. Man sieht wie schnell der Wechsel von unserer jetzigen Gesellschaft in eine wie Gilead vollzogen werden könnte und wie wenig Möglichkeiten man dann noch zum Widerspruch, zur Flucht, zum Entkommen hat.

"Der Report der Magd" ist ein Buch, das mich noch lange beschäftigen wird. Obwohl ich mich an manchen Stellen zum Weiterlesen zwingen musste, weil ich manche Dinge lieber nicht gewusst hätte, konnte ich das Buch doch nicht mehr aus der Hand legen, ich habe mit Desfred gefühlt und gelitten und war erfreut über das offene Ende, das noch einen Funken Hoffnung zurücklässt.

5 Sterne

Freitag, 6. März 2009

Delphine de Vigan - No & Ich

Lou Bertignac ist hochbegabt, für ihr zartes Alter weiß sie schon sehr viel und macht sich Gedanken über viele Dinge, die ihre Altersgenossen kalt lassen. Doch der Umgang mit Menschen ist nicht ihre Stärke, das ändert sich erst, als sie die Obdachlose No kennenlernt und sich in den Kopf setzt, ihr zu helfen.

Das Buch behandelt zahlreiche schwierige Themen, die Obdachlosenproblematik und die Schwierigkeit der Wiedereingliederung in die Gesellschaft, familiäre Probleme und wie Heranwachsende damit umgehen, das Problem, mit 13 schon viel reifer und intelligenter zu sein, als man in diesem Alter normalerweise ist und natürlich die erste große Liebe. Man könnte meinen, dass Delphine de Vigan sich da etwas zu viel vorgenommen hat und das Buch überladen wirken könnte, aber das ist nicht so. Sie behandelt sehr gefühlvoll und umsichtig all diese schwierigen Themen ohne kitschige oder übertrieben zu wirken.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, aber "gelesen" dürfte wohl der falsche Ausdruck sein. Ich habe es geradewegs verschlungen, auf der letzten Seite wollte ich am liebsten wieder von vorne anfangen und Lou Bertignac ist eine der wenigen literarischen Figuren, bei der es mir schwer fiel, am Ende des Buches von ihr Abschied zu nehmen. Zu gerne hätte ich ihren weiteren Lebensweg begleitet. Aber nicht nur Lou, sondern auch alle anderen Figuren in diesem Roman sind lebensnah und realistisch dargestellt, man kann ihre Handlungen nur zu gut nachvollziehen und auch mitfühlen. Sei es die obdachlose No, die nach ihren eigenen Regeln lebt und gar nicht glauben kann, dass ihr wirklich jemand eine zweite Chance geben möchte oder der coole Lucas, der von seinen Eltern vernachlässigt wird und dem die Schule total egal ist, der aber auf Lou eine ungeheuere Anziehungskraft auswirkt.

5 Sterne

Samstag, 28. Februar 2009

Februar 2009

Im Februar war ich eine Woche krank und konnte nicht lesen und den restlichen Monat war ich mit dem Dekameron beschäftigt, deshalb habe ich nur ein paar dünne Bücher zwischendurch geschafft:

Anette Göttlicher - Paul darf das! 4/5
Mal wieder ein Paul-Roman, der nach dem gleichen Schema abläuft wie die anderen 3 vorher auch. Obwohl das Buch nicht viel neues bietet, hat es mich doch gefreut, Marie wiederzutreffen!

Tilman Rammstedt - Der Kaiser von China 4,5/5

Paul Auster - Das rote Notizbuch 4/5

Daniel Glattauer - Alle sieben Wellen 4/5
Hat mir leider nicht ganz so gut gefallen wie "Gut gegen Nordwind", aber ich war gleich wieder mittendrin und konnte das Buch erst aus der Hand legen, als ich es komplett gelesen hatte.

Kai Meyer - Das Gläserne Wort 4/5
Ein gelungener Abschluss der Trilogie um Merle, ich habe mir allerdings Venedig als Schauplatz zurückgewünscht.

Stefan Zweig - Brief einer Unbekannten 5/5
Sehr traurig und bewegend, hat mich neugierig auf Stefan Zweig gemacht

Perihan Magden - Zwei Mädchen: Istanbul Story 4,5/5
Eine mitreißende Geschichte über die Freundschaft zwischen zwei ganz unterschiedlichen Mädchen.

Sonntag, 1. Februar 2009

Januar 2009

Mein Start ins Jahr 2009 war ziemlich positiv, ich habe kein Buch gelesen, das mir überhaupt nicht gefallen hat.

Michael Ende - Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch 4/5
Eine Leselücke aus Kindertagen, das Buch hat mir wirklich gut gefallen, am besten hätte ich es an Silvester gelesen und nicht im Januar, aber es hat dann gerade noch gepasst...

Dörthe Binkert - Weit übers Meer 3/5
Ich bin durch die Leserunde auf leserunden.de erst auf das Buch aufmerksam geworden. Der Einstieg fiel mir nicht so leicht, weil es nicht ganz mein Genre ist, aber insgesamt hat mir das Buch doch gefallen!

Fjodor Dostojewskij - Aufzeichnungen aus dem Kellerloch 3/5
Puh, ziemlich anstrengend zu lesen! Zum Glück war es recht kurz...

Kai Meyer - Die fließende Königin 4,5/5

Hitomi Kanehara - Obsession 3,5/5
Zum Glück habe ich mir meine eigene Meinung gebildet, den fast durchweg negativen Rezensionen konnte ich mich nicht anschließen!

Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind 4,5/5
Wirklich süßer "Liebesroman" in E-Mail Form.

Wally Lamb - Die Stunde in der ich zu glauben begann 5/5
Mein Highlight diesen Monat!

Kai Meyer - Das Steinerne Licht 4/5
Den zweiten Teil fand ich nicht ganz so gelungen wie den ersten, aber trotzdem ein schönes Jugend-Fantasybuch!

Banana Yoshimoto - Dornröschenschlaf 4,5/5
Einfach toll, wie alle Bücher von Banana Yoshimoto, die ich bisher gelesen habe!

Samstag, 24. Januar 2009

Wally Lamb - Die Stunde in der ich zu glauben begann

Inhalt:
Caelum und Maureen führen keine Bilderbuchehe, aber sie bemühen sich, ihre Probleme so weit wie möglich im Griff zu haben, als das Schulmassaker von Littleton ihr ganzes Leben verändert. Maureen muss das Attentat von Eric Harris und Dylan Klebold hautnah miterleben und leidet danach an Posttraumatischem Stresssyndrom. Sie zieht sich immer mehr von Caelum zurück und ihre Ehe zerbricht beinahe daran. Doch kaum scheinen die beiden auf dem Weg der Besserung, geschieht ein weiteres Unglück...

Meine Meinung:
In seinem neuen Roman hat Wally Lamb sehr geschickt reale Ereignisse mit fiktiven Personen verknüpft. „Die Stunde, in der ich zu glauben begann“ ist ein sehr ergreifendes und emotionales Buch mit sehr realen Charakteren, die alle ihre Stärken und Schwächen haben und ihre Probleme zu meistern versuchen. Man könnte fast glauben, dass Maureen und Caelum zu hart vom Schicksal geprüft werden, aber die Entwicklung des Romans ist in allen Punkten nachvollziehbar und lässt sich komplett auf das zentrale Ereignis, die Schießerei an der Columbine High School, rückbeziehen.

Das Buch ist nicht immer leicht zu lesen, was aber keineswegs am Schreibstil liegt. Die Geschichte ist klar und leicht verständlich geschrieben und wird aufgelockert durch eingefügte E-Mails, Briefe und Zeitungsartikel, so wird das Buch trotz der über 700 Seiten nie langweilig oder eintönig. Die Schwierigkeit liegt eher daran, dass Gefühle so detailiert und eindringlich beschrieben sind, dass man gar nicht anders kann, als sich in die Situation der Charaktere hineinzuversetzen. Diese Emotionen entwickeln einen unglaublich starken Sog, in den man als Leser hineingezogen wird. Es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sich selbst auch mit diesen Gefühlen auseinanderzusetzen, die die Stimmung negativ beeinflussen können.

Schon lange habe ich kein so bewegendes und mitreißendes Buch mehr gelesen, das man am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Man sollte sich auf keinen Fall von dem pseudo-religiösen Titel abschrecken lassen oder etwas falsches versprechen. Das Buch will den Leser nicht missionieren oder zum einzig wahren Glauben bekehren, die Frage nach Gott spielt für Caelum in schwierigen Zeiten immer wieder eine Rolle, dominiert das Buch aber nicht so, wie man vom Titel schließen könnte.

Im letzten Drittel nimmt Caelums Familiengeschichte und Vergangenheit immer mehr Raum in der Geschichte ein. An manchen Stellen hätte ich mir da leichte Kürzungen gewüncht, vieles war mir zu ausführlich und zog sich etwas in die Länge. Allerdings hat mich der bewegende und sehr gelungene Schluss wieder versöhnt, deshalb kann ich auch gar nicht anders als die volle Punktzahl zu vergeben!

5 Sterne

Mittwoch, 14. Januar 2009

Hitomi Kanehara - Obsession

Rin ist 22 und frisch verheiratet, sie hat Todesfantasien, sieht in jeder anderen Frau eine mögliche Bedrohung ihrer Ehe und scheint psychisch nicht gerade stabil zu sein.
In 4 Kapiteln erfährt der Leser über ihre 4 Beziehungen, die jeweils tragisch scheitern. Mit jedem Kapitel macht man einen weiteren Schritt in die Vergangenheit und entdeckt nach und nach, wie Rin sich entwickelt hat und warum sie zu der Frau in der Gegenwart geworden ist.

Sicherlich ist die Hauptfigur, Rin, keine Sympathieträgerin, die wenigsten werden sich mit ihr und ihrem Verhalten identifizieren können. Sie hat mich durchaus auch an manchen Stellen genervt, man würde sie oft am liebsten schütteln und ihr sagen, dass sie in eine Sackgasse rennt und doch ist sie eine faszinierende Romanfigur, die mich so neugierig gemacht habe, dass ich das Buch an einem Stück durchgelesen habe.

Der Aufbau des Buches ist sehr gelungen, man erfährt die Ereignisse nicht chronologisch sondern rückwärts und kann sich so erst nach und nach aus einzelnen Puzzleteilen Rins Leben zusammensetzen. Scheint auch ihr Verhalten am Anfang nur nervig und nicht nachvollziehbar, im Laufe des Buches wird klar, warum sie sich in diese Richtung entwickelt hat. Ihr Familienleben und ihre Beziehungen haben sie zu dem Menschen gemacht, der sie jetzt ist.

Die Sprache ist teilweise derb und sehr jugendlich, das unterstreicht aber gerade noch Rins Charakter. Sie ist kein Mensch, der sich gewählt ausdrückt, sie sagt das, was sie sich denkt und so nimmt auch das Buch selbst kein Blatt vor den Mund. Mir gefällt diese Offenheit und Direktheit jedenfalls sehr gut.

Ich habe mir während dem Lesen sehr viele Gedanken gemacht über Frauen allgemein, darüber, wie sie sich oft in Beziehungen verhalten und unterdrücken lassen und auch über unbegründete Eifersucht, die wohl den wenigsten Menschen fremd sein dürfte. Rin fungiert dabei als extremes Negativbeispiel und kann durchaus helfen, das eigene Leben etwas kritisch zu betrachten.

Für mich ist „Obsession“ ein sehr gelungenes Buch, auf das man sich einlassen muss um es verstehen und genießen zu können. Ich kann die vielen negativen Stimmen zum Buch nicht ganz nachvollziehen und möchte es gerade jungen Frauen ans Herz legen.

3,5 Sterne

Dienstag, 13. Januar 2009

Kai Meyer - Die fließende Königin

Merles Welt ist fast wie unsere, nur mit etwas mehr Magie, mit Meerjungfrauen, fliegenden Löwen und Zauberspiegeln. So findet man schnell einen Einstieg in die Geschichte und wünscht sich bald, dass es auch in unserem Leben ein kleines bisschen Zauberei oder ein paar magische Wesen gäbe. Venedig als Handlungsort ist ideal gewählt, ich war selbst schon dort und konnte mir so die Kanäle, die engen Gässchen und die verfallenen Häuser sehr gut vorstellen. Die Stadt hat schon etwas besonderes, geheimnisvolles an sich und beim nächsten Besuch werde ich sicher etwas genauer in die Kanäle schauen, ob ich nicht doch eine Meerjungfrau dort entdecke!

Sehr geschickt verknüpft Kai Meyer die Realität, etwas Zauberei und alte Märchen und Legenden zu einem wundervollen Jugendbuch, das sehr spannend geschrieben ist und einen sofort mitreißt und in seinen Bann zieht. Glücklicherweise hatte ich nichts wichtiges zu tun, denn alles wäre liegen geblieben, damit ich dieses Buch an einem Stück durchlesen kann!
Die Figuren sind alle glaubhaft dargestellt und nicht so klar in gut und böse unterteilt, wie es sonst in Jugendbüchern oft der Fall ist. Merle und Serafin sind mir sehr ans Herz gewachsen und auch das Schicksal der anderen Menschen und Zauberwesen interessiert mich.

Den halben Punkt Abzug gibt es von mir, weil das Buch viel zu offen endet und man gar nicht anders kann, als den zweiten Band sofort danach zu lesen.
4,5 Sterne

Donnerstag, 8. Januar 2009

Dezember 2008

David Foster Wallace - Kleines Mädchen mit komischen Haaren 4/5
Edgar Allan Poe - Der Rabe 4/5
Ulla Hahn (Hg.) - Stechäpfel. Gedichte von Frauen aus 3 Jahrtausenden 4/5
Markus Zusak - The book thief 5/5
John Grisham - Skipping Christmas 4/5
Joel Haahtela - Sehnsucht nach Elena 5/5
Banana Yoshimoto - N.P. 4,5/5
Andrea Maria Schenkel - Tannöd 3/5
Barack Obama - Dreams from my father 4/5
Sei Shonagon - Das Kopfkissenbuch 4/5

Freitag, 26. Dezember 2008

Joel Haahtela - Sehnsucht nach Elena

Inhalt:

Ein Mann, über den man erst nach und nach mehr erfährt, sieht im Park eine junge Frau, will mehr über sie wissen und sie immer wieder sehen. In kurzen Kapiteln erfährt der Leser von seinen Begegnungen mit Elena und Gedanken die er sich über sie oder sein Leben macht.

Meine Meinung:

Zur Handlung lässt sich nicht viel mehr sagen, ohne zu viel zu verraten. "Sehnsucht nach Elena" ist ein Buch, das nicht viel Handlung braucht um eine Botschaft zu vermitteln. Zwischendurch war ich kurz am Zweifeln, ob das Buch nicht doch einfach eine langweilige Geschichte über einen gemeingefährlichen Stalker ist, aber ich wurde eines besseren belehrt und die Zweifel waren überflüssig. Langweilig ist diese Geschichte trotz der wenigen Handlung nie und auch der Erzähler ist sicher kein Stalker im herkömmlichen Sinn.

Dieses Buch ist wunderbar poetisch geschrieben, es lädt zum Nachdenken und zum Träumen ein. Trotz der kurzen Kapitel, oder gerade deshalb, lässt das Buch sich schnell und flüssig lesen. Ich würde allerdings empfehlen, es nicht zu schnell durchzulesen, sondern sich immer wieder die Zeit zu nehmen um über das gelesene nachzudenken, dann kann man das Buch noch mehr genießen und in sich aufnehmen.

Es fällt mir sehr schwer, meine Begeisterung für dieses Buch in Worte zu fassen, deshalb möchte ich abschließend nur noch sagen, dass es für mich ein ganz besonderes Buch war, das ich jedem ans Herz legen möchte.

5 Sterne